
Hamburg Tattoos: Warum sich immer mehr Menschen zuhause tätowieren lassen
Tattoo-Studios sind in Hamburg gefragt – Termine schwer zu bekommen, die Ausbildungsmöglichkeiten begrenzt. Immer mehr Menschen tätowieren deshalb zuhause. Doch was bedeutet das für Hygiene und Sicherheit?
Tattoos im Wohnzimmer: Eine Alternative zum Studio? Marc tätowiert seit anderthalb Jahren in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung in Hamburg-Hamm. Die teilt er sich mit einer Mitbewohnerin - der Platz ist also knapp. Doch genau das gefällt ihm und seinen Kundinnen und Kunden. Viele kommen zu ihm, weil sie die intime und entspannte Atmosphäre schätzen. Rund zehn Menschen tätowiert er pro Monat. Seine Maschine hat er aus dem Internet, seine Erfahrungen aus dem Selbststudium.
Die Hygiene-Frage beim Tätowieren zuhause
Zu seinen Hygienemaßnahmen sagt Marc selbst: "Es ist noch nie was passiert. Wäre jetzt die Chance gewesen, dass sich irgendwas entzündet, dann würde ich meine Hygienemaßnahmen vielleicht auch hinterfragen, aber generell halt ich mich einfach daran, dass alle Flächen einmal sauber gemacht sind, und das einmal am Tag, und ich glaube das reicht letztendlich auch. Das ist letztendlich, was die anderen im Studio auch machen."
Was passiert bei Entzündungen?
Tattoo-Studio-Inhaber Mehrdad Karimi sieht das anders. Immer wieder kommen Kundinnen und Kunden zu ihm, deren Tattoos sich entzündet haben: "Ich habe gerade vor kurzem einen Fall gehabt, wo eine Dame sich über die Narbe tätowieren lassen hatte, und da hatte sich alles entzündet. Und dann fragte ich sie: Hast du denn einen Vertrag bekommen? Hast du irgendwas bekommen? Sagte sie: nichts. Keine Rechnung, kein Vertrag, nichts. Keine Aufklärung. Die Narben waren noch frisch, die hätte man gar nicht drauf tätowieren dürfen. Und bei uns kann man das zum Beispiel erfragen."
Kontrollen sind kaum möglich
Das Gesundheitsamt Altona verweist auf die Verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten. Inwiefern diese Regeln eingehalten werden, kontrolliert das Gesundheitsamt nicht regulär. Es werden allenfalls anlassbezogene Kontrollen durchgeführt. Dies wäre grundsätzlich auch in Wohnungen möglich. Dafür muss aber ein Gewerbe angemeldet sein, was beim Zuhause Tätowieren selten der Fall ist.
Offizielle Tätowierer-Ausbildung gefordert
Mehrdad Karimi hat bei der Eröffnung seines Studios selbstständig das Gesundheitsamt gerufen. Er sieht das Problem aber in der fehlenden Ausbildung, statt in den ungenügenden Kontrollen. Tätowierer ist in Deutschland kein anerkannter Ausbildungsberuf.
Selbststudium meist unverzichtbar
Studios nehmen meist nur erfahrene Tätowierer oder selbstzahlende Azubis. Wer in die Branche einsteigen will, kommt also um ein Selbststudium kaum herum. Mehrdad Karimi sieht darin das eigentliche Problem: "Wenn man eine Ausbildung daraus macht und nicht erlaubt, dass Leute dann anfangen, sich Tattoo-Maschinen von Amazon und Co. zu kaufen, dann würden wir viele Fehler meiden."
Auch Marc wünscht sich eine offizielle Ausbildung. Denn aus seiner Sicht kann es überall Probleme geben - egal, ob im Studio oder zuhause.
Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Hamburg Journal | 04.04.2025 | 19:30 Uhr