Dirigentin Heide Müller im Portrait.

Hamburg Bestimmt, freundlich, norddeutsch: Die junge Dirigentin Heide Müller

Stand: 04.04.2025 10:45 Uhr

Die junge Dirigentin hat eine besondere Beziehung zu Skandinavien. Umso besser, denn sie springt bei "Nordic a cappella" für die erkrankte Martina Batič ein. Jetzt singt das NDR Vokalensemble in Hannover und Hamburg unter ihrer Leitung.

Mittwoch Mittag im Studio 10: Das NDR Vokalensemble probt die "Sonnets of darkness and love", also Sonette von Dunkelheit und Liebe, vom schwedischen Komponisten Sven-David Sandström. Die Dirigentin Heide Müller sitzt am Flügel, sie hört konzentriert zu und führt den Klang mit fließenden und zugleich präzisen Gesten.

Müller agiert freundlich, aber bestimmt

Manchmal bricht sie ab, um an Details zu feilen. Etwa, wenn sie die Baritonstimmen bittet, bei einem Ton etwas weniger zu geben: "Bitte Baritöne in 49 nicht zuviel von dem Es. Zwar forte, aber nicht zu präsent da. Machen wir noch einmal 47 mit Auftakt."

Heide Müller hat eine ganz klare Vorstellung von der Musik. Freundlich, aber bestimmt formuliert die Endzwanzigerin ihre Wünsche und künstlerischen Ideen. Sie atmet zusammen mit den Sängerinnen und Sängern, sie formt den Klang mit ihren Armen und Händen – und manchmal auch, indem sie nur kurz die Augenbrauen hebt.

Masterstudium bei Grete Pedersen in Oslo

Skandinavische Musik, wie die von Sven-David Sandström, liegt ihr besonders nahe. Auch deshalb hat es sie in den Norden gezogen. "Ich wohne jetzt seit drei Jahren in Norwegen, in der Nähe von Oslo. Und hab auch mal ein Jahr in Schweden verbracht", erzählt Müller, die rein äußerlich auch gut als Skandinavierin durchgehen könnte. In Oslo, bei der großartigen Dirigentin Grete Pedersen, hat sie ihr Masterstudium absolviert, in Stockholm im vergangenen Oktober den zweiten Preis beim renommierten Eric Ericson Award gewonnen.

Anfänge im Mädchenchor Hannover

Ihr Berufsleben führt Heide Müller oft nach Skandinavien und auch in die Niederlande – doch ihre Wurzeln liegen in Norddeutschland: Sie kommt aus der Nähe von Hannover und hat schon als Kind im Mädchenchor Hannover gesungen. "Das hat natürlich erstmal die Freude oder den Zugang zur Chormusik erschaffen. Und auch die Liebe zur zeitgenössischen Musik." Der Chor habe viele Auftragskompositionen gesungen, für die sich die ehemalige Leiterin Gudrun Schröfel sehr eingesetzt habe.

Noch während ihrer Zeit im Mädchenchor hat Heide Müller auch zum ersten Mal ausprobiert, wie es sich anfühlt, das Ensemble zu leiten. "Da habe ich eigentlich relativ schnell gemerkt, dass es mir extrem viel Spaß macht, und ich mich total kreativ fühle, wenn ich vor dem Chor stehe, diese Stimmen höre und sofort total viele Ideen habe, wie das klingen könnte."

Dass sie sich wohl fühlt und genau am richtigen Platz ist, wenn sie den Klang nach eigenen Vorstellungen modelliert, spürt man auch in der Arbeit mit dem NDR Vokalensemble.

Leitung des Landesjugendchors Schleswig-Holstein

Heide Müller wirkt ganz natürlich und überzeugend in dieser Rolle. Sie gilt vollkommen zurecht als ein "Rising Star" der Chormusikszene. Sie hat schon eine ganze Reihe von professionellen Erwachsenenchören einstudiert oder geleitet – und übernimmt jetzt außerdem noch einen Posten, der sie mit jungen Menschen aus Norddeutschland zusammenbringt: Sie leitet in diesem Jahr den Landesjugendchor Schleswig-Holstein.

Aber als nächstes stehen erstmal die Konzerte mit dem NDR Vokalensemble an. "Nordic a cappella", morgen um 20 Uhr in der Christuskirche Hannover und am Sonntag um 19:30 Uhr im Kleinen Saal der Elbphilharmonie in Hamburg.

Dieses Thema im Programm:
NDR Kultur | Der Vormittag | 04.04.2025 | 11:20 Uhr