Marine Le Pen und Jordan Bardella (Archiv)
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RN-Spitzenpolitiker Wer ist Jordan Bardella?

Stand: 01.04.2025 22:21 Uhr

Nach ihrer Verurteilung schwinden für Marine Le Pen die Chancen, fürs Präsidentenamt zu kandidieren. Erstmals könnte in Frankreich nun jemand Kandidat der Rechtsnationalen werden, der nicht den Namen Le Pen trägt: der junge RN-Chef Bardella.

Wer ist Jordan Bardella?

Der 29-Jährige kommt aus Seine-Saint-Denis und ist ein stramm rechtsaußen agierender Politiker. Das Viertel im Nordosten des Großraums Paris gilt als Problembezirk schlechthin, sehr arm und für seine Kriminalität gefürchtet. Bardella erzählt gerne, wie er dort in der Hochhaussiedlung als Sohn einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen ist. Dass der Mann mit italienischer Familiengeschichte auch bei seinem Vater - in wohlhabenderen Gegenden - Zeit verbrachte und an einer katholischen Privatschule lernte, erwähnt er weitaus seltener.

Wie sieht seine bisherige Parteikarriere aus?

Vom Parteisprecher und Leiter der Jugendorganisation zum Anführer der Liste für die Europawahl kletterte Bardella auf den Posten des Parteivizes und wurde schließlich Interimspräsident. Vor mehr als zwei Jahren übernahm er dann als Parteiführer des Rassemblement National (RN) das Ruder - als erster innerhalb der 50-jährigen Geschichte des RN, der nicht den Namen Le Pen trug. Zeitweise war er allerdings mit einer Nichte Le Pens liiert. 

Wie bekannt ist Bardella im Land?

Bardella gilt als eloquent und ist in den Medien präsent. Er steigerte seine Bekanntheit und sein Ansehen seit seinem Aufstieg zum Parteichef. Im Beliebtheits-Ranking französischer Politiker rangiert Bardella in Umfrage oft weit oben - häufig noch vor Le Pen, die den Fraktionsvorsitz ihrer Partei innehat. 

Der Verkaufsstart seines autobiografischen Buches "Ce que je cherche" (zu Deutsch etwa "Worum es mir geht") war im Spätherbst ein Marketing-Erfolg. Während etliche der französischen Spitzenpolitiker aus elitären Kreisen stammen und von der Bevölkerung mitunter als abgehoben und volksfremd angesehen werden, gilt Bardella als bodenständig. Für seine Anhänger ist er schlicht "Jordan".

Jordan Bardella (rechts) bei einem Besuch beim israelischen Militär (aufgenommen am 26. März 2025)

Jordan Bardella gibt sich gern staatsmännisch - auch hier beim Besuch eines Bunkers im Süden Israels, begleitet von dem EU-Abgeordneten und RN-Parteifreund Fabrice Leggeri (Mitte).

Was ist Bardellas Beziehung zu Le Pen?

Seine steile Karriere hat Bardella auch Marine Le Pen zu verdanken, die ihn nach seinem Eintritt in die Partei - die damals noch Front National hieß - unter ihre Fittiche nahm. Bardella gilt als Le Pens Schützling und politischer Ziehsohn. Ihre Nähe stellen die beiden gerne zur Schau - so postete Bardella nach dem Urteil gegen Le Pen ein Foto, auf dem Le Pen und er sich fest umarmt halten.

Könnte Bardella trotz seines jungen Alters Staatschef werden?

Ja. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im vergangenen Sommer ging das RN mit Bardella als Spitzenkandidat ins Rennen und plakatierte "Bardella Premierminister". Umfragen sahen die rechte Partei mit Bardella lange als potenziellen Sieger, überraschend siegte am Ende aber das Linksbündnis.

Staatsmännisches Auftreten gilt als Stärke des jungen Politikers. Wie trittfest er in Politikbereichen wie etwa der Wirtschaft ist, daran gab es im Wahlkampf immer wieder Zweifel.

Wie bereitwillig würde Le Pen ihm den Vortritt lassen?

Nachdem Le Pen 2022 auch im dritten Anlauf den Einzug in den Élysée-Palast verpasste, sah es zunächst so aus, als ob sie 2027 das Feld für Bardella räumen würde. Später aber wurden ihre Ambitionen deutlich, es dann erneut zu versuchen. Das Gerichtsurteil machte ihr das erst einmal unmöglich.

Zwar hatte Le Pen angekündigt, Berufung einzulegen, aber die Chancen, dass ein solches Verfahren schnell zum Abschluss kommt, wurden als gering eingeschätzt. Ihr politischer Sprössling könnte an ihrer Stelle kandidieren, ließ sie am Montag durchblicken. "Jordan Bardella ist eine großartige Bereicherung für die Partei, und das sage ich schon lange. Ich hoffe, dass wir auf diesen Trumpf nicht eher zurückgreifen müssen, als es notwendig ist."

Wie schnell könnte das Berufungsgericht entscheiden?

Das Pariser Berufungsgericht teilte am Abend mit, über den Einspruch Le Pens bis Sommer 2026 entscheiden zu wollen. Im Fall einer für die Politikerin günstigen Entscheidung wäre ihre Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2027 doch noch möglich. Gegen das Urteil gegen Le Pen, ihre Partei und weitere Parteiverantwortliche wegen der Veruntreuung von EU-Geldern seien drei Berufungen eingegangen, teilte das Gericht mit. Es werde die Berufungen "innerhalb einer Frist prüfen, die eine Entscheidung im Sommer 2026 ermöglichen soll", hieß es weiter.

Mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. April 2025 um 18:00 Uhr.