
Trumps Zölle Erinnerungen an 1930 werden wach
Ökonomen weltweit verstehen Trumps Zollpolitik nicht und warnen vor den Konsequenzen. Erinnerungen an die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre werden wach. Wo sind Parallelen, wo Unterschiede?
The Great Depression, die große Depression - so bezeichnet man die schwere Wirtschaftskrise in den USA, die am 24. Oktober 1929 am "schwarzen Donnerstag" mit einem beispiellosen Börsencrash begann. Sie legte die gesamte Weltwirtschaft während der 1930er-Jahre lahm.
Der Tag, nachdem US-Präsident Donald Trump Zölle in ungeahnter Höhe über fast alle wichtigen Handelspartner verhängte, ist auch ein Donnerstag. Der langjährige Generaldirektor der Welthandelsorganisation, Roberto Azevdo, warnte im Gespräch mit der englischen BBC vor einem ähnlichen Szenario wie damals.
"Erinnern Sie sich, was in den 1930er-Jahren passierte, als die USA die Zölle mit dem Smoot-Hawley-Zollgesetz angehoben hatten und sich dann die anderen Länder mit Gegenzöllen rächten? Es kam zu einer weltweiten Zoll-Eskalation. Und wir verloren zwei Drittel des weltweiten Handels in nur fünf Jahren."
Auch damals haben die USA hohe Zölle verhängt
Geschichte wiederholt sich angeblich nicht, aber gewisse Parallelen zu den 1930er-Jahren sieht auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt Europa der niederländischen ING Bank. Die 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts seien nicht nur geprägt gewesen von wirtschaftlich schweren Zeiten, sondern auch von Protektionismus, von Zöllen, so Brzeski gegenüber der ARD-Finanzredaktion.
"Und auch damals haben die Amerikaner die Zölle eingeführt. Sie führten dazu, dass die anderen Länder reagiert haben - mit Gegenmaßnahmen." Daraufhin seien Exporte und Importe, ja der gesamte Welthandel geschrumpft, so Brzeski. "Ganze Nationen haben darunter gelitten. Und letztendlich wissen wir, wie die 30er-Jahre geendet sind."
Notenbank war damals im Gold-Standard gefangen
Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, ist vorsichtiger, was eine Parallele zu den 1930er-Jahren angeht. Auch wenn der Umfang der Zölle an damals erinnere, sei doch die wirtschaftliche Situation heute ein ganz andere. "Die Zölle haben ja die Depression der 30er-Jahre nicht ausgelöst, sondern allenfalls verschärft. Das eigentliche Problem war eine riesige geplatzte Spekulationsblase an der Wall Street." Auf die habe die Zentralbank damals nicht richtig reagieren können, weil sie im Gold-Standard gefangen gewesen sei und keine neue Liquidität bereitstellen konnte. Das sei heute eine andere Situation, so Krämer.
Der Gold-Standard ist mittlerweile abgeschafft; das heißt, die Zentralbanken können neues Geld schaffen, ohne dass die Geldmenge in physischem Gold hinterlegt sein muss. Das verschafft den Notenbanken eine größere Freiheit, im Falle einer Wirtschaftskrise einzugreifen - etwa durch den Ankauf von Staatsanleihen, was aber wiederum die Staatsverschuldung steigen ließe.
Amerika schneidet sich ins eigene Fleisch
Ein weiterer Unterschied zu damals mit Blick auf die USA: Die 1930er-Jahre waren beherrscht von Massenarbeitslosigkeit und sozialem Elend. Derzeit herrsche in den USA nahezu Vollbeschäftigung, so Commerzbank-Ökonom Krämer. Dennoch warnt er, mit den Zöllen schneide sich Amerika ins eigene Fleisch. "Denn es zieht sich ja teilweise zurück aus der internationalen Arbeitsteilung, das heißt, es müssen dann in den USA Güter produziert werden, die in Amerika einfach teurer sind. Und am Ende werden die amerikanischen Bürger, die Konsumenten, die Zeche zahlen."
Und das dürfte auch Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Denn wenn amerikanische Konsumenten sich zurückhalten, trifft es Exporteure weltweit. Wo das alles enden soll? Da sind selbst namhafte Ökonomen wie der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Ken Rogoff, ratlos.