Kevin Costner in einer Szene des Films "Horizon: Eine amerikanische Saga - Kapitel 1"

Der letzte Cowboy Hollywoods  Kevin Costner und "Horizon" - aufs falsche Pferd gesetzt?

Stand: 03.04.2025 16:07 Uhr

Mit der Western-Saga "Horizon" stemmt sich Kevin Costner gegen den Zeitgeist - und zahlt einen hohen Preis. Der Kinostart des zweiten Teils wurde jüngst verschoben, aus dem epischen Western-Abenteuer droht ein teures Fiasko zu werden. 

Von Samira Straub, SWR Kultur

Hollywood hat den Western längst abgeschrieben. Doch einer hält unbeirrt daran fest: Kevin Costner. Während andere sich Blockbuster-Franchises zuwenden, investiert Costner Unsummen aus eigener Tasche, um seine große Vision zu verwirklichen. 

"Horizon: An American Saga" ist ein vierteiliges Western-Epos, das die Eroberung des Wilden Westens durch weiße Siedler nachstellt. Die Filmreihe, bei der Oscar-Gewinner Costner als Regisseur und Hauptdarsteller dabei ist, droht jedoch zum Millionengrab zu werden.  

Der wilde Westen trifft die harte Realität

Der Kinostart des ersten Teils im Jahr 2024 verlief ernüchternd: Kritiker und Genre-Fans lobten zwar die visuelle Wucht und den epischen Ansatz des Films, doch das Publikum blieb aus - der Film spielte weltweit nur knapp mehr als 35 Millionen Dollar ein. Ein schwerer Schlag für Costners ehrgeiziges Projekt: Sponsoren sprangen ab und der US-Kinostart von Chapter 2 wurde ad acta gelegt. 

Bereits in den 1980er-Jahren entwickelte Kevin Costner die ersten Ideen zu "Horizon", fand jedoch keine Unterstützung. Studios hielten den Western für eine überholte Erzählform und die Produktion wurde immer wieder verschoben. Mehr als 30 Jahre später setzt er nun seine Vision eigenhändig um - mit enormem finanziellen Einsatz. 

Kevin Costner bei der US-Premiere des Films "Horizon: Eine amerikanische Saga - Kapitel 2"

Bei der Premiere des zweiten Teils seiner Western-Saga zeigte sich Kostner noch zuversichtlich.

Im Kino gefloppt, im Streaming ein Hit

Mehr als 100 Millionen Dollar hat Costner verschiedenen Quellen zufolge in die Horizon-Saga investiert. Er verkaufte Teile seiner Ranch in Colorado, nahm Kredite auf: "Wenn du an etwas glaubst, darfst du dich nicht beirren lassen", so der Schauspieler.  

Nach dem Kino-Flop des ersten Teils schien es kurzzeitig wieder bergauf zu gehen, als sich der Film zum Streaming-Hit auf Amazon Prime mauserte. Millionen von Zuschauern entdeckten das Epos im Heimkino, was die Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Reihe nährte.

Gibt es überhaupt noch eine Kino-Premiere?

Doch nun folgt der nächste Rückschlag: Der deutsche Kinostart von "Chapter 2", bereits von Ende August auf den dritten April verschoben, wurde nun kurzfristig erneut vertagt - dieses Mal auf unbestimmte Zeit.  

Ein offizielles Statement des Filmverleihs Tobis gibt es dazu bislang nicht. Branchenkenner spekulieren, dass das Studio angesichts der schwachen Kinozahlen die Fortsetzung direkt als Streamingpremiere planen könnte. Sicher ist: Der Erfolg des zweiten Teils wird maßgeblich über die Zukunft der Reihe entscheiden. 

Western können noch funktionieren

Während die Filmindustrie auf sichere Hits setzt, vertraut Costner mit der Horizon-Saga auf seine Leidenschaft. Doch reicht das wirklich aus?

Die Erfolgsserie "Yellowstone" bewies, dass Western-Geschichten nach wie vor fesseln können, wenn sie modern erzählt werden: Die Serie rund um Rancher John Dutton (gespielt von Costner) wurde zum Quotenhit. "Yellowstones" Mischung aus klassischem Western-Flair und modernen Gesellschaftskonflikten zeigt, dass der Western noch immer relevante Themen behandelt. 

Doch "Horizon" schlägt bewusst eine andere Richtung ein: Klassisch inszeniert setzt die Filmreihe auf große Bilder und langsames Erzählen - eine selten gewordene Erzählweise in einer Welt, die auf schnelle Action und Franchise-Logik setzt. 

Der letzte Westernheld

Wie ein roter Faden zieht sich der Western, der laut Costner "ein ungeschminktes Bild von Amerika zeichnet", durch seine Karriere: "Der mit dem Wolf tanzt" (1990) machte ihn weltberühmt, "Open Range" (2003) festigte seinen Ruf als Regisseur, und "Yellowstone" (2018) brachte den wilden Westen kritischer Stimmen zum Trotz ins moderne Fernsehen.  

Auch abseits der Leinwand verkörpert Costner das Western-Image: Mit seiner Country-Band Kevin Costner & Modern West tourt er seit Jahren durch die USA. Während sich die Filmbranche dem Zeitgeist anpasst, bleibt Costner als letzter Cowboy Hollywoods seiner Linie treu - auch wenn das bedeutet, Millionen zu riskieren. 

Hat sich Costner vergaloppiert?

Ob "Horizon" als visionäres Meisterwerk oder finanzielles Fiasko in die Geschichte eingeht, bleibt abzuwarten. Der Streaming-Erfolg des ersten Teils beweist, dass Western nicht aus der Mode sind - sie müssen nur das richtige Publikum finden.

Vielleicht ist "Horizon" der letzte große Versuch, den Western in seiner epischen Pracht zu feiern. Vielleicht ist es aber auch der Beginn einer neuen Ära, in der das Genre im heimischen Wohnzimmer seine Renaissance erlebt. 

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete NDR Kultur am 19. August 2024 um 07:20 Uhr in "Der Morgen".