Eine Marineübung.

Schleswig-Holstein Wie die Marine in der Ostsee übt: "Benga Benga Benga, Bombenabwurf"

Stand: 30.03.2025 12:41 Uhr

Auf der Ostsee trainiert die Marine derzeit auf dem Tender "Donau" den Ernstfall, den Bombenangriff aus der Luft. Was tun, wenn Feuer ausbricht? Ein Loch im Rumpf ist? Die Brücke nicht mehr nutzbar ist?

Von Phillip Kamke

Ihr Auftrag: Patrouille auf der Ostsee in der Lübecker Bucht, vor Neustadt in Holstein. Der Tender "Donau" fährt mit zehn Knoten im Dreieckskurs. Die Besatzung weiß: Es droht Gefahr aus der Luft und vom Wasser. Ein fiktives Szenario. Punkt neun Uhr ertönt der erste Alarm: "Benga Benga Benga, Bombenabwurf" schallt aus den Lautsprechern. Die Besatzung geht in Deckung, dann die simulierte Detonation. Hektik bricht aus, für Laien ein Chaos.

Doch jeder an Bord kennt seine Aufgabe. Hauptbootsmann Sven sammelt erste Schadensmeldungen. Sein Nachname darf aus Sicherheitsgründen in diesem Text nicht genannt werden. "Das Schlimmste sind die Schäden, wenn die Aufklärungstrupps ein Feuer finden. Dann müssen sie gucken, ob in der Nähe noch was ist. So wissen wir, dass sie den Auftrag fortsetzen müssen", erklärt Sven. Kommunikation ist in der ersten Phase entscheidend.

Die Tender Donau auf See.

Ort der Übung: Der Tender "Donau" - unterwegs in der Lübecker Bucht.

Szenario: Bombe reißt Loch in den Schiffsrumpf der "Donau"

Nach wenigen Minuten melden die Erkundungstrupps erste Schäden. Die Bombe hat ein 60 Zentimeter großes Loch in den Rumpf gerissen. Mehrere Bereiche brennen, es gibt Verletzte. Leonie erhält ihren Einsatzbefehl. Normalerweise navigiert die 27-Jährige, in Bedrohungslagen leistet sie Erste Hilfe. Der Verletzte liegt am Oberdeck, kann nicht allein gehen. Leonie und ihr Kollege eilen zu ihm. Der Soldat hat Atemprobleme, eine Rauchgasvergiftung.

Während einer Marineübung wird ein Verletzter versorgt.

In dem Szenario gibt es auch Verletzte: Jetzt müssen die Soldaten zeigen, dass sie Erste Hilfe können.

Nach der Erstversorgung bringen Sanitäter ihn in die Krankenstation. "Es ist immer Adrenalin im Spiel, weil man nie weiß, was kommt und welches Verletzungsmuster vorliegt. Aber wir haben unser Schema. Wir üben das vorher mit unserem Partner. Wir sind eingespielt und arbeiten unser Schema ab", sagt Leonie. Sie muss nun regelmäßig Puls und Blutdruck des Patienten messen.

Brücke des Bundeswehr-Schiffs muss geräumt werden

Während die 70-köpfige Besatzung den Ernstfall trainiert, beobachten die Ausbilder genau. 40 Männer und Frauen vom Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine in Neustadt sind an Bord der "Donau", dokumentieren jede Aktion. Sie haben das Übungsszenario entworfen. Ausbilder Thomas Sabbagh ist auf der Brücke. Eine weitere Bombe hat die Technik lahmgelegt, die Brücke muss geräumt werden.

Eine Einsatzbesprechung von Marine Ausbildern.

Mit Klemmbrett und Papier: 40 Ausbilder dokumentieren jede Aktion.

"Die große Herausforderung ist, aus dem Chaos, das in 60 Sekunden entsteht, wieder Ordnung zu schaffen, da wir mit weiteren Angriffen rechnen. Wir müssen die Waffen jetzt von hier oben steuern", sagt Kommandant Stefan Huber. Er und der erste Offizier steuern das Schiff nun von einer provisorischen Kommandobrücke.

Ausbildung der Marine-Soldaten wichtiger denn je

Das Übungsszenario vor Neustadt dauert eine Woche. Jeden Tag muss sich die Besatzung auf neue Angriffe einstellen. Bei der Ausarbeitung der Szenarien nutzen die Ausbilder Erfahrungen der Royal Navy. Der russische Angriff auf die Ukraine 2022 hat zusätzlich sensibilisiert. "Wir trainieren hier in Neustadt die Schadensabwehr im Schiff. Sowohl intern, also was im Schiff kaputtgeht, als auch extern, die Bekämpfung von Flugzeugen oder Drohnen, auch mit Waffeneinsatz", erklärt Christoph Bieg vom Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine in Neustadt.

Alle Szenarien könnten auch real eintreten, etwa bei einem Angriff auf Deutschland oder einen NATO-Partner. "Wir hoffen, dass alle besonnen reagieren. In die Zukunft kann ich nicht schauen. Aber wir tun alles, um unsere Demokratie und unser Land zu schützen", sagt Kommandant Stefan Huber. Nach sechs Stunden und drei fiktiven Angriffen endet der Übungstag auf der "Donau". Training für den Ernstfall, der hoffentlich nie eintritt.

Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Schleswig-Holstein Magazin | 26.03.2025 | 19:30 Uhr