
Schleswig-Holstein Landwirtschaft in SH: Bis 2040 nachhaltig und tierfreundlich?
Bis 2040 ist eine nachhaltige und tierfreundliche Landwirtschaft möglich. Das ist das Ergebnis eines Dialogprozesses. Jetzt werden in Schleswig-Holstein Lösungen gesucht, wie man das umsetzen kann.
"Vieles hat sich schon geändert – zum Guten", beobachtet die 27-jährige Landwirtin Wiebke Wendt mit Blick auf das Tierwohl bei ihr auf dem Hof und ihren Kolleginnen und Kollegen. Auf ihrem Milch- und Schlachtviehbetrieb in Westermoor (Kreis Steinburg) betreut sie in dritter Generation 350 Rinder. "Selbst wenn man ein paar Kühe verkauft und der Stall ganz normal ausgelastet ist, stellt man fest: Die Milch im Tank ist gar nicht weniger geworden."
Wie sieht die Landwirtschaft 2040 aus?
Die junge Landwirtin war in der Steuerungsgruppe zum Dialogprozess "Zukunft der Landwirtschaft". Zum Abschluss des siebenjährigen Prozesses wurden am Freitag die Ergebnisse in Rendsburg (Kreis Rendsburg-Eckernförde) vorgestellt.
In dem Dialog sollte geklärt werden, wie die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein im Jahr 2040 aussehen kann. Unter anderem der Bauernverband, die Verbraucherzentrale, der NABU, Tierschutzverbände und die Landjugend haben Ziele erarbeitet, die bis 2040 umgesetzt werden sollen - ein Impulspapier wurde erarbeitet und jetzt vorgestellt. Dazu kommen "24 Thesen zur Zukunft der Landwirtschaft", die als Leitbild für ein gemeinsames Handeln und einen politischen Auftrag gleichermaßen gelten. Die Thesen behandeln die Themen Klima, Wertschöpfung und Wertschätzung, Tierwohl, Biodiversität, Gewässer- und Bodenschutz sowie Landwirtschaft und Gesellschaft. Der ehemalige Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hatte den Prozess im Herbst 2018 initiiert.
Bis zum Jahr 2040 könnte eine nachhaltige, ressourcenschonende, klima- und tierfreundliche Landwirtschaft möglich sein, so das Ergebnis der Akteure. Nur müssten möglichst alle Landwirte in Schleswig-Holstein künftig auch so handeln. Ältere Generationen täten sich oft schwer, Veränderungen zu akzeptieren, sagen junge Landwirte bei der Ergebnispräsentation.
Es geht nicht ohne Technik und Automatisierung - auch für das Tierwohl
Wenn es um Digitalsierung und auch Tierwohl in der Landwirtschaft geht, müssen alle mitziehen, sagt auch Landwirtin Wendt. Sie plädiert für Technik und Automatisierung als Erleichterung bei der landwirtschaftlichen Arbeit. Wendt schwärmt von ihrem Melkroboter. Der sei auch besser für die Tiere, die hätten dadurch ihren eigenen Tagesablauf. Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel ist Digitalisierung ein notwendiger Schritt, so Wendt.
Investitionen in einen Melkroboter wie bei Wendt oder in einen neuen Stall seien oft riesig. Gerade viele junge Landwirtinnen und Landwirte scheuen sich davor und investieren nur mit Zukunftsängsten: "Wird die Investition überhaupt wertgeschätzt? Dieser Gedankengang ist traurig." Dafür ist es laut Wendt wichtig, dass man klare Rahmenbedingungen vor allem von der Politik bekomme, "dass sie uns unterstützen und nicht ausbremsen und dass wir uns auch in der Zukunft voll verlassen können."

Tierwohl zu ermöglichen, ist nicht kompliziert, sagt Landwirtin Wiebke Wendt. Es gebe heutzutage so viele Möglichkeiten - vor allem Technik unterstützt dabei und kann Kosten sparen.
Schwarz: Auch ältere Landwirte sind sich ihrer Verantwortung bewusst
Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sieht in den 24 Thesen als Ergebnis des Prozesses einen gemeinsamen Blick der Naturnutzer und der Naturschützer. "Wir haben kaum einen Wirtschaftszweig, der die neuen Möglichkeiten so stark nutzt wie die Landwirtschaft."
Es hat sich deutlich was getan, sagt Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) bei der Abschlussveranstaltung: "Die Landwirtschaft hat sich deutlich geöffnet, aber auch die Gesellschaft nimmt sich ein Stückchen zurück und sagt: Wir müssen den Landwirten die Zeit geben, sich auch zu entwickeln." Schwarz sieht keinen Generationenkonflikt - auch ältere Landwirte seien sich ihrer Verantwortung bewusst und würden schon alleine aus Existenzgründen mitziehen.
24 Thesen umsetzen: Agrarministerium sucht Ideen
Nach dem Abschluss des Dialogprozesses werden jetzt Ideen gesucht, wie man die 24 Thesen und die Impulse praktisch umsetzen kann. Landwirtschaftliche Betriebe, Vereine, Institutionen sowie Studierende können sich für den Zukunftspreis Landwirtschaft bewerben. Es geht um 10.000 Euro Preisgeld, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilt. Der Preis solle ein Ansporn für alle sein, die Zukunft der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein zu sichern.Laut Landwirtschaftsminister Schwarz sollen die Gespräche auch nach Ende des Dialogprozesses weitergeführt werden.
Wiebke Wendt blickt positiv in die Zukunft und bleibt weiter offen für neue und digitale Arbeitsmethoden. Landwirte, die die Veränderungen nicht mittragen, hätten sowieso keine Zukunft: "Ich erinnere mich immer an einen Spruch aus der Berufsschule: Entweder du gehst mit der Zeit oder du gehst mit Zeit. Also ich denke, das wird sich knallhart gesagt, irgendwann von alleine regeln", sagt Wendt.
Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Welle Nord | 04.04.2025 | 17:00 Uhr