Ein Waschbär blickt in die Kamera

Schleswig-Holstein Artenschutz: Waschbärenpopulation steigt und bedroht heimische Tiere

Stand: 07.03.2025 19:58 Uhr

Jägerinnen und Jäger schießen immer mehr Waschbären in Schleswig-Holstein. Auch Nutrias oder Nilgänse breiten sich im Land aus. Was noch im aktuellen Artenschutzbericht steht.

Es gibt wieder mehr Wildbienen und Wespen - in Schleswig-Holstein sind 19 als verschwunden geltende Arten von Wildbienen wiederentdeckt worden. Das liegt möglicherweise an steigenden Temperaturen, wie aus dem am Freitag vom Landesumwelt- und Landwirtschaftsministerium veröffentlichten "Jahresberichtes zur biologischen Vielfalt, Jagd und Artenschutz zur biologischen Vielfalt" hervorgeht. Zur Wahrheit gehöre laut Bericht aber auch, dass 86 der insgesamt 105 Arten von Wildbienen weiterhin nicht mehr nachweisbar sind.

Mehr Weißstörche und Seeadler - deutlich weniger Rebhühner und Fasane

Gute Neuigkeiten gibt es laut Artenschutzbericht für die größeren Vögel im nördlichsten Bundesland. Demnach habe sich der Bestand des Graureihers im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 7,6 Prozent auf 2.353 Brutpaare erhöht. Außerdem gibt es fünf neue Seeadlerpaare, wie die Projektgruppe "Seeadlerschutz" gezählt hat - der Bestand stieg damit im vergangenen Jahr um zwei besetzte Reviere auf 149. Von den fünf neuen Adlerpaaren haben zwei erfolgreich gebrütet. Außerdem wurden 514 Weißstorchpaare gezählt - das sind 56 mehr als im Vorjahr.

Stark gefährdete Brutvogelarten wie der Trauerschnäpper konnten sich wieder etwas stabilisieren. Dies sei durch spezielle Nistkästen gelungen, die die Vögel vor Mardern schützen. Durch Nistkästen konnte auch die Anzahl der der Schleiereulen wachsen. Zudem habe sich laut Artenschutzbericht die Feldhasenpopulation stabilisiert, aber insgesamt gibt es weniger Tiere als vor 50 Jahren. Die Zahl der Rebhühner und Fasane in Schleswig-Holstein gehe dagegen deutlich zurück.

Schmuckschildkröte, Waschbär & Co. auf dem Vormarsch

Invasive Tierarten wie Nilgänse, Nutrias oder Waschbären nehmen in Schleswig-Holstein stark zu, wie in dem Bericht deutlich wird. Arten wie die Schmuckschildkröte sind ins Land gekommen, weil sie als Haustiere gehalten und ausgesetzt wurden. Waschbären aus Nordamerika wurden vor gut 100 Jahren in Schleswig-Holstein angesiedelt. Seitdem hat ihre Population stark zugenommen und sie werden neben anderen invasiven Arten bejagt, weil sie den Bestand heimischer Tierarten bedrohen - sie ernähren sich unter anderem von den Eiern brütender Vögel. 2023 haben Jägerinnen und Jäger in Schleswig-Holstein laut Jagdbericht mehr als 2.200 Waschbären getötet. Zehn Jahre zuvor lag die Zahl der getöteten Waschbären bei gerade einmal 40.

"Wir werden nicht drum herumkommen, die Tiere auch zu bejagen"

"Wir sind dafür verantwortlich, dass diese Tiere hier sind. Das heißt, dann sind wir auch verantwortlich, zumindest erstmal Lösungen zu suchen, die nicht gleich das Erschießen darstellt", sagt Katharina Erdmann vom Wildtier- und Artenschutzzentrum in Klein Offenseth-Sparrieshoop (Kreis Pinneberg). Sie wünscht sich einen anderen Umgang mit invasiven Tierarten: "Wir werden nicht drum herumkommen, die Tiere auch zu bejagen. Aber ich wünschte mir mehr Lösungsansätze und dafür sollten wir uns mal zusammensetzen."

Ein Lösungsansatz ist das im vergangenen Jahr freigeschaltete Meldeportal für invasive Tier- und Pflanzenarten. Wer diese Arten entdeckt, soll sie in dem Portal des Landesamts für Umwelt melden - das können alle Bürgerinnen und Bürger. Mit dem Portal will man das Auftreten neuer Arten frühzeitig erkennen und das Management bei weit verbreiteten Arten zu verbessern.

Eine Frau hält eine Schildkröte in die Kamera, es ist Katharina Erdmann vom Wildtier- und Artenschutzzentrum in
Klein Offenseth-Sparrieshoop

Artenschützerin Katharina Erdmann hält eine Schmuckschildkröte in der Hand: Man müsse Lösungen suchen, die nicht gleich das Erschießen von invasiven Tierarten bedeuten.

Artenschutz und Jagd sollen Hand in Hand gehen

Die Ausbreitung invasiver Arten einzudämmen gelingt nur mit Jagd, sagt Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) bei der Vorstellung des Artenschutzberichts am Freitag. Durch die Jagd würden Wildbestände im Idealfall so reguliert, dass die Populationen im Wald natürlich verjüngt werden. Jagd und Artenvielfalt müssten miteinander einhergehen, zeige der neue Jahresbericht. "Jägerinnen und Jäger sind für den Schutz der Wälder, den Erhalt der Kulturlandschaft und der Artenvielfalt unverzichtbar", sagte Landwirtschaftsminister Schwarz. Grundsätzlich sind die Minister zufrieden mit der Entwicklung des Artenschutzes in Schleswig-Holstein.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung der Landesstrategie ist laut Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) unter anderem die Verdoppelung der Flächen beim Vertragsnaturschutz. Dabei werden Landwirte mit Ausgleichszahlungen motiviert, ihre Flächen auf freiwilliger Basis für alternative ökologische Landnutzungsformen abgeben.

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sind rund 20.000 Hektar Naturschutzflächen laut Bericht dazugekommen, insgesamt sind es aktuell über 44.800 Hektar. "Auf diesen extensiv bewirtschafteten Flächen erhalten wir damit wertvolle Lebensräume für Amphibien, Insekten oder typischen Vogelarten der Agrarlandschaft", so Goldschmidt.

Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.03.2025 | 17:00 Uhr