
Saarland Saarlandtrend: SPD in der Sonntagsfrage wieder vor CDU
Wenn die Saarländerinnen und Saarländer am Sonntag ein neues Parlament wählen könnten, bekäme die SPD mehr Stimmen als die CDU. Das liegt eher an der Schwäche der Christdemokraten als an der Stärke der SPD. Die AfD legt im Vergleich zum letzten Saarlandtrend zu.
Rund zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl hat die Saar-SPD ihren Abwärtstrend in den Umfragen stoppen können. Beim Saarlandtrend von Infratest Dimap im Auftrag des SR konnten sich die Sozialdemokraten im Vergleich zum letzten Saarlandtrend im Herbst 2024 leicht um einen Prozentpunkt auf 30 Prozent verbessern. Damit überholt die SPD auch wieder die CDU, die 4 Prozentpunkte einbüßt und nur noch auf 27 Prozent kommt.
Drittstärkste Kraft wäre die AfD, die sich um 3 Prozentpunkte auf 17 Prozent verbessert. Die Linken wären wieder im Landtag vertreten, sie kommen in der Umfrage auf 8 Prozent. Den Einzug ins Parlament würden auch die Grünen schaffen (6 Prozent, plus 1 Prozentpunkt).

Die FDP (3 Prozent) würde hingegen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Ebenso das BSW (4 Prozent), das im Vergleich zur Herbst-Umfrage ganze 6 Prozentpunkte verliert.
Damit wäre eine große Koalition aus SPD und CDU das einzig realistische Regierungsbündnis. Eine Zusammenarbeit mit der AfD lehnen beide Parteien ab, alle anderen Konstellationen hätten keine Mehrheit.
Frage: Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag im Saarland Landtagswahl wäre?
Unzufriedenheit überwiegt
Die wiedergewonnene Führung verdankt die SPD aber wohl weniger ihrer eigenen Leistung. Denn eine Mehrheit der Befragten (51 Prozent) ist gleichbleibend unzufrieden mit der Landesregierung. Die Anhänger der SPD stehen dabei zu großen Teilen hinter der Regierungsarbeit ihrer Partei; auch die Mehrheit der Grünen-Anhänger stellt der SPD-Regierung ein gutes Zeugnis aus. In den Reihen der CDU überwiegt die Kritik leicht, deutlicher unter Anhängern der Linken und am unzufriedensten sind die potenziellen AfD-Wähler.
Die Unzufriedenheit mit der Regierungsarbeit betrifft eine Reihe von Politikbereichen. Insbesondere in den aus Sicht der Bevölkerung zentralen Aufgabenfeldern Wirtschaft und Arbeit, Bildung sowie Zuwanderung überwiegt die Kritik deutlich. Ausnahmen, bei denen die Leistung der Landesregierung mehrheitlich wohlwollend bewertet wird, bilden die Sicherung der Energieversorgung und der Erhalt des kulturellen Angebots im Saarland.
Teils widersprüchliche Ergebnisse
Der Saarlandtrend fördert aber auch Widersprüchliches zutage: So wird der SPD zwar im Allgemeinen am ehesten zugetraut, die wichtigsten Aufgaben des Landes zu lösen. Bei den Einzelproblemen, die die Saarländerinnen und Saarländer als dringlichste ansehen (Wirtschaft, Einwanderung/Asylpolitik, Bildung/Schule), schneidet aber durchweg die CDU besser ab.
Auffällig: In allen abgefragten Kompetenzbereichen konnte die AfD im Vergleich zur Septemberumfrage hinzugewinnen.
Rehlinger bleibt klar vor Toscani
Womit die SPD im Saarland weiterhin stark punkten kann, ist ihr Führungspersonal. Mit der Arbeit von Ministerpräsidentin Anke Rehlinger sind nach wie vor knapp sechs von zehn zufrieden (58 Prozent; +1 Prozentpunkte). Rehlingers schärfster Konkurrent Stephan Toscani, CDU-Landesvorsitzender und Oppositionsführer im Landtag, kommt nur auf 34 Prozent Zustimmung (-2 Prozentpunkte), ebenso viele sind mit ihm unzufrieden.
Entsprechend würde Rehlinger ein Direktwahlduell gegen Toscani um die Spitze im Land auch klar für sich entscheiden (54 zu 23 Prozent).
Was die Sonntagsfrage aussagt
Die „Sonntagsfrage“ misst aktuelle Wahlneigungen, kein tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess, der erst am Wahltag abgeschlossen ist.
Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Viele Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest. Gewachsen ist zudem die Bedeutung des Wahlkampfs mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern.
Über dieses Thema berichtet der SR auch in sämtlichen Informationssendungen in Radio und Fernsehen am 02.04.2025.
Zur Datenerhebung
Grundgesamtheit: Wahlberechtigte im Saarland
Erhebungsmethode: Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung Erhebungszeitraum: 25. bis 28. März 2025
Fallzahl: 1.132 Befragte (738 Telefoninterviews und 394 Online-Interviews)
Gewichtung: Nach soziodemographischen Merkmalen und Rückerinnerung Wahlverhalten
Schwankungsbreite: 2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent; 3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent