
Niedersachsen Warnstreik im Kfz-Handwerk: 1.200 Beschäftigte protestieren in Hannover
Nach der ersten Tarifverhandlungsrunde im Kfz-Handwerk hatte die IG Metall am Donnerstag zum Warnstreik in Niedersachsen aufgerufen. Demnach versammelten sich in Hannover 1.200 Beschäftigte zu einer Kundgebung.
In den vergangenen Tagen hat es auch in Göttingen Warnstreiks gegeben, wie die IG Metall mitteilte. Markus Wente, Verhandlungsführer der Gewerkschaft, hatte die Arbeitnehmer zuvor aufgerufen, die Verkaufsflächen und Hebebühnen zu verlassen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Durch den Ausstand ist es demnach zu längeren Wartezeiten und Terminausfällen in tarifgebundenen Werkstätten und Autohäusern gekommen. Die IG Metall kritisiert unter anderem, dass die Arbeitgeberseite in der ersten Verhandlungsrunde im niedersächsischen Kfz-Handwerk kein Angebot vorgelegt habe.
Arbeitgeberverband: "Noch einige Fragen offen"
Der Unternehmensverband des Kfz-Gewerbes Niedersachsen-Bremen erklärte, dass in der ersten Verhandlungsrunde nicht alle Fragestellungen zu den einzelnen Forderungen der Gewerkschaft abschließend geklärt worden seien. "Auf dieser unvollständigen Basis sahen sich die Arbeitgeber nicht in der Lage, ein Angebot vorzulegen", sagte Geschäftsführer Christian Metje dem NDR Niedersachsen. Man wolle die nächste Verhandlungsrunde intensiv nutzen, um "offene Punkte gemeinsam aufzuarbeiten und eine fundierte Bewertung durch die Arbeitgeberseite zu ermöglichen."
IG Metall fordert mehr Lohn
Die IG Metall verlangt eine Erhöhung der Löhne um 6,5 Prozent, eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 170 Euro sowie eine Komponente für besonders belastete Beschäftigte. Trotz voller Auftragsbücher und positiver Prognosen für das Jahr 2025 hat es laut Wente in der ersten Verhandlungsrunde keine Bewegung seitens der Arbeitgeber gegeben: "Die Beschäftigten geben jeden Tag Vollgas. Während die Betriebe ihre Preise anpassen und gut verdienen, bleiben die Entgelte der Beschäftigten auf der Strecke."
Unternehmensverband: Kaum Spielraum für tarifliche Erhöhungen
Dem widersprach der Unternehmensverband des Kfz-Gewerbes. Die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen seien "so groß wie selten zuvor“, sagte Geschäftsführer Christian Metje. Konjunkturelle Unsicherheit, steigende Materialpreise, anhaltend hohe Energiekosten sowie der unverändert hohe bürokratische Aufwand lassen demnach kaum Spielraum für tarifliche Erhöhungen. Gleichzeitig warb die Arbeitgeberseite für ein solidarisches Miteinander von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, um die herausfordernde Lage gemeinsam zu bewältigen.
Tarifverhandlungen stehen bevor
Die Tarifverhandlungen finden auf regionaler Ebene in den Bezirken der IG Metall statt. Am 9. April gehen die Tarifgespräche in Niedersachsen in die zweite Runde. Die Gewerkschaft hatte die Beschäftigten im Kfz-Gewerbe am vergangenen Montag bundesweit zu Warnstreiks aufgerufen. Beteiligt haben sich in dieser Woche unter anderem Beschäftigte in Hessen und Bayern. Außer in Niedersachsen sollte es am Donnerstag auch in Berlin Warnstreiks geben. Laut der IG Metall arbeiten in Niedersachsen rund 50.000 Menschen in 4.500 Kfz-Betrieben.
Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Niedersachsen 18.00 | 03.04.2025 | 18:00 Uhr