Der 800 Meter lange Rasenstrand von Dornum.

Niedersachsen Strandbesuch in Dorum-Neufeld wird erheblich teurer

Stand: 03.04.2025 17:04 Uhr

Weil der Gemeinde Geld fehlt, sollen Tages- und Übernachtungsgäste in Dorum-Neufeld in der anstehenden Saison etwa doppelt so viel für einen Strandbesuch bezahlen wie im benachbarten Cuxhaven.

Von Sebastian Duden

Das Schwimmbad in Dorum-Neufeld kostet die Gemeinde zu viel. Das Geld will der Bürgermeister jetzt unter anderem mit Strandgebühren erwirtschaften, die zur kommenden Saison drastisch erhöht werden. Wer im Bereich vor dem Bad an den begehrten Rasenstrand will, muss ab Mai als Tagesgast 10,50 Euro bezahlen. 2024 waren es noch sieben Euro. Übernachtungsgäste zahlen 6,50 Euro zusätzlich zu den 3,40 Euro Gästebeitrag, die hier schon länger fällig sind. Vergangenes Jahr mussten sie zum Gästebeitrag noch nichts dazubezahlen. Für Kinder gelten ermäßigte Preise.

Hohe Strandgebühren: Aufregung im Nordsee-Ferienort

Dorum bei Touristen aus Nordrhein-Westfalen beliebt

Der 800 Meter lange Rasenstrand ist eigentlich nichts Besonderes, er ist im Sommer aber beliebt. Hier gibt es dann Strandkörbe und Imbissbuden. Über Treppen kommt man direkt ins Watt oder ins Wasser. Nebenan ist ein kleiner Hafen mit Krabbenkuttern. 6,50 Euro für ein Krabbenbrötchen - im Vergleich ist Dorum in vielen Punkten günstig. Besonders Touristen aus Nordrhein-Westfalen lieben den herben Charme und mögen es, dass man schnell über die Autobahn hier ist. In der Hauptsaison wird der Bereich des Rasenstrands vorm Freizeitbad mit Zäunen und Drehkreuzen abgesperrt, dann muss man zahlen. Mit dem Eintrittsgeld kommt man dann zwar auch ins Bad, das wollen viele Gäste aber gar nicht.

Besucherin zu Erhöhung: "Happiger Preis"

"Ich habe das gelesen in der Lokalzeitung, das ist schon ein happiger Preis", sagt Gabriele Holthaus, die aus Dortmund kommt und in Dorum-Neufeld die Frühlingssonne bei einem Spaziergang mit ihrem Hund genießt. "Es ist ja auch sinnvoll, gerade nach dem Winter muss ja alles instand gesetzt werden. Aber wenn es zu teuer wird, sucht man sich vielleicht ein anderes Urlaubsziel", sagt Thomas Lahme, der mit seiner Frau aus Hessen nach Dorum gekommen ist.

Gästen ist Strandgebühr zu hoch: Absagen für Vermieter

Rita Kleine sitzt am Esstisch ihrer Ferienwohnung, geht ihre Buchungsübersicht durch. "Ich hatte 2025 bisher sieben Buchungen. Von denen haben mir schon drei abgesagt. Ich hatte im letzten Jahr 25 Buchungen. Hier läuft im Moment nichts." Ein Stammkunde hat ihr seine Absage auch klar und deutlich begründet. Schrieb in seiner Mail, die dem NDR Niedersachsen vorliegt, unter anderem: "Die doch sehr drastischen Preise für den Strand (für uns 22 Euro pro Tag) machen es uns leider nicht möglich, den Urlaub in einem für uns finanzierbaren Rahmen zu halten." Auf die Einnahmen aus der Wohnung ist Rita Kleine zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts angewiesen. Sie wird sie nach der Saison wohl nicht mehr als Ferienwohnung anbieten, sondern fest an jemanden vermieten.

Rita Kleine besitzt eine Ferienwohnung in Dornum und sitzt an einem Tisch.

Bei Rita Kleine geht die Zahl der Buchungen zurück.

Bewohnerin: "6,50 Euro, wenn ich Füße ins Watt stecken will"

Jutta Poludniok wohnt im selben Haus, in dem Rita Kleine ihre Ferienwohnung hat. Sie ist mit ihrem Mann vor ein paar Jahren von Hameln hierhergezogen "weil wir die Nordsee so sehr lieben", sagt sie. Wenn sie jetzt an den Rasenstrand in Dorum-Neufeld will, muss auch sie ab Mai bezahlen. "6,50 Euro, wenn ich nur mal die Füße ins Watt stecken will." Sie ist enttäuscht, hat ihre Wohnung mittlerweile zum Kauf angeboten. Sie befürchtet, dass sich das Problem mit den hohen Strandgebühren herumspricht und sie beim Verkauf einen Verlust machen wird. "Wenn da keine Änderung eintritt, wird Dorum-Neufeld aussterben. Wenn ich meinen Spaziergang mache durch die Ferienhaus-Siedlung, es ist fast täglich ein neues Ferienhaus, was zum Verkauf steht, das ist wirklich erschreckend." Der Nordsee will sie treu bleiben, sie und ihr Mann liebäugeln mit Immobilien im Wangerland.

Jutta Poludniok sitzt an einem Tisch in ihrer Wohnung in Dorum.

Jutta Poludniok ist von der Gemeindepolitik enttäuscht.

Eigentliches Problem ist Freizeitbad

Die Gemeinde Wurster Nordseeküste begründet die neuen Gebühren unter anderem mit dem starken Finanzbedarf des Freizeitbads. Es liegt im Bereich des Rasenstrandes. Beides zu trennen und einzeln abzurechnen, werde geprüft. Im Moment ist es aber nicht umsetzbar, heißt es von der Gemeinde. "Die Ausgaben für den Tourismus sind in den vergangenen Jahren für die Gemeinde - unter anderem inflationsbedingt - stark angestiegen. Die Eintrittspreise hingegen wurden nicht in gleichem Maße erhöht, sodass sich das Defizit für die Kommune erheblich erhöht hat", schreibt Martina Peter von der Kurverwaltung auf Nachfrage von NDR Niedersachsen. Bürgermeister Jörg-Andreas Sagemühl (CDU) hofft auf neue Kunden, die die Preisen nicht negativ sehen. "Wir machen das zu einer Zeit, wo ein Gast vielleicht wegbleibt, aber ich auch davon ausgehe, dass neue Gäste die Destination für sich entdecken. Für einen Gast, der das zehn Jahre in Anspruch genommen hat, ist das eine enorme Erhöhung."

Das Freibad am Rasenstrand von Dornum.

Das Freibad am Rasenstrand von Dorum-Neufeld.

Hotel- und Gaststättenverband befürwortet Gebühren

Olaf Wurm ist Dehoga-Vorsitzender des Kreisverbands Wesermünde-Hadeln. "Dass unsere Gäste nun etwas mehr zahlen müssen, das ist so, ich kann es auch nicht ändern. Aber wenn die es nicht zahlen, zahlen wir es als Bürger und Gewerbetreibende, und wir haben auch nicht mehr viel Spielraum." Er betreibt das Restaurant "Fisch und Meer", in unmittelbarer Nähe zum Hafen. Wer zum Rasenstrand will, kommt bei ihm vorbei. Dass Kunden ausbleiben, befürchtet Wurm nicht. "Wenn der Gast im Urlaub ist, ist er bereit, Geld auszugeben. Außerdem ist die Diskussion meiner Meinung nach nicht richtig geführt. Es gibt links und rechts vom Rasenstrand Bereiche, die kostenfrei sind." Das stimmt. Allerdings würden in den Bereichen keine Strandkörbe stehen, der Zugang zum Wasser sei nicht so einfach, auch Toiletten seien weiter weg, kritisieren zum Beispiel Rita Kleine und Jutta Poludniok.

Laut Kurverwaltung nur vereinzelt Verkauf von Immobilien und Stornierungen

Der Rat der Gemeinde hat die neuen Gebühren im vergangenen September verabschiedet und darum gebeten, auch die Gäste darüber zu informieren. Man habe vereinzelt von Immobilienverkäufen und Stornierungen erfahren, so Peter. Aber ob das immer mit den Preisanpassungen zu tun habe, lasse sich nicht prüfen. Konstruktive Kritik aus dem Ort nehme man aber sehr ernst.

Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Hallo Niedersachsen | 03.04.2025 | 19:30 Uhr