
Niedersachsen Olaf Lies: Seit zwölf Jahren Minister - und bald Regierungschef?
Ministerpräsident Stephan Weil tritt ab und Wirtschaftsminister Olaf Lies soll das Ruder übernehmen. Als Chef der SPD Niedersachsen wie auch als Ministerpräsident.
Wer ihn einmal erlebt hat, weiß: Olaf Lies ist einer, der die Nähe zu den Menschen sucht. Fast einfordert. Kein Termin vergeht ohne einen Handschlag hier und eine Umarmung da. Seit 2013 ist er in unterschiedlichen Minister-Rollen Teil der Landesregierung. Jetzt soll er in die erste Reihe treten. Für Ministerpräsident Stephan Weil markiert das einen Neuanfang.
Ministerpräsident auf Umwegen?
Dabei ist Olaf Lies kein Newcomer. Er ist sogar Weils Vorgänger. Denn von 2010 bis 2012 war der heute 57-Jährige bereits SPD-Landesvorsitzender. In einem NDR Interview sagte er 2011: "Ich will Ministerpräsident werden." Er stellte sich in der SPD zur Wahl, um als Spitzenkandidat für die Landtagswahlen 2013 anzutreten. Verlor aber gegen Stephan Weil, der damals Oberbürgermeister von Hannover war. Jetzt, zwölf Jahre später, könnte Lies sein Ziel doch noch erreichen. "Ich begegne dieser Aufgabe mit großem Respekt und großer Demut, aber auch mit großer Begeisterung, in diesem Land weiter gestalten zu dürfen", sagte Lies in der gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstagmittag.
Er werbe jetzt um die Zustimmung der Fraktionen im Landtag, sagte er außerdem. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Anne Kura hat bereits erklärt, dass sie sich eine "vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit ihm als Ministerpräsident vorstellen kann.
Der Junge von der Küste
Lies ist ein Friesenjung. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter. Und bezeichnet sich selbst als Trecker- und Motorrad-Fan und Tierliebhaber. Grund- und Realschule besuchte er in Sande im Landkreis Friesland. Er wuchs ohne Vater auf. Sein Leitbild ist seine Mutter, sagte er einmal. Nach der Realschule absolvierte er eine Ausbildung zum Funkelektroniker. Nach seinem Grundwehrdienst bei der deutschen Marine wurde die Jade Hochschule in Wilhelmshaven seine zweite Heimat. Hier wurde er Diplom-Ingenieur, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Personalratsvorsitzender. Der bis dahin stille Technikstudent eroberte die Rednerbühne.
Steile Karriere in der SPD
Seine politische Karriere begann 2001. Erst parteilos. Dann wurde er 2002 SPD-Mitglied und relativ schnell Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Sande. Von da an übernahm Lies immer größere politische Ämter. Und seit 2008 zieht er regelmäßig als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Friesland in den Landtag ein. 2010 wurde er zum SPD-Landesvorsitzenden gewählt. Gab das Amt aber nach zwei Jahren wieder ab, nachdem Stephan Weil die Wahl zum SPD-Spitzenkandidaten gewonnen hatte.
Der Elektroingenieur wird Wirtschaftsminister
Als Ministerpräsident holte Weil seinen ehemaligen Konkurrenten ins Kabinett, machte ihn 2013 zum Wirtschaftsminister. Seitdem ist Lies stets Teil der Landesregierung. 2017 wird er Umweltminister, 2022 wieder Wirtschaftsminister. Er gilt als fleißiger Minister, als Pragmatiker, der zuhört und Menschen zusammenbringt. Pflegt ein gutes Verhältnis zu Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften.
Gutes Standing als Minister
Lies als vermutlich künftiger Ministerpräsident stößt hier auch auf breite Akzeptanz. Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer in Niedersachsen, lobte den Wirtschaftsminister für seine bisherige Arbeit und sagte: "Wir sind uns sicher, dass die Belange der Wirtschaft künftig weiter in guten Händen sein werden." Auch die Unternehmerverbände loben Lies. Fordern ihn direkt auf, Digitalisierung und Entbürokratisierung in der Staatskanzlei zur Chefsache zu machen. IG Metall und der DGB Niedersachsen auf Arbeitnehmerseite halten ihn ebenfalls für geeignet. Lies sei jemand, der Menschen zusammenbringe und nicht polarisiere.
Tiefpunkt seiner Karriere
In der Regel sieht man Olaf Lies mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Doch es gab auch Krisenzeiten. Möglicherweise ist 2017 das einschneidendste Jahr für ihn gewesen. Sein Wirtschaftsministerium habe Marketingaufträge sorglos vergeben und Favoriten bevorzugt, waren die Vorwürfe damals. Die damalige Staatssekretärin Daniela Behrens (ebenfalls SPD und heute Innenministerin) trat auf eigenen Wunsch zurück. Ein Pressesprecher wurde versetzt. Dies sei für ihn der schwierigste Moment in seiner Amtszeit, sagte Lies damals im Landtag.
Weil macht Weg frei für Lies
Doch nun, 2025, adelt Stephan Weil seinen Partei- und Ministerkollegen. Vor allem für seinen Einsatz beim LNG-Terminal Wilhelmshaven und bei der Rettung der Meyer-Werft im vergangenen Sommer. "Er ist ein absoluter Leistungsträger in unserer Landesregierung", sagte Weil am Dienstag. Deswegen sei er ein geeigneter Nachfolger. Mitte Mai soll Lies nun auf dem Sonderparteitag als Ministerpräsidentenkandidat nominiert werden. Und danach vom Landtag mit einer rot-grünen Mehrheit ins Amt gewählt werden. Ende Mai folgt dann wohl auch die Wahl zum SPD-Landeschef. Sollte es so kommen, blieben dem 57-Jährigen noch rund zweieinhalb Jahre, seine Bekanntheit zwischen Nordsee und Harz zu steigern. Lies selbst zeigte sich bereits kämpferisch: "Das Ziel ist, dass wir auch nach 2027 eine rot-grüne Landesregierung haben."
Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Hallo Niedersachsen | 01.04.2025 | 19:30 Uhr