
Niedersachsen IHK Oldenburg: Industrie verliert an Wettbewerbskraft
Im vergangenen Jahr ist der Umsatz der Industrieunternehmen im Oldenburger Land um 2,4 Prozent gesunken. Auch die Sorge vor US-Zöllen steigt. Trotz schwieriger Zeiten, wurden aber mehr Ausbildungsverträge geschlossen.
2024 war "kein gutes Jahr", sagte der Geschäftsführer für Wirtschaftspolitik, Björn Schaeper, am Freitag bei der jährlichen Pressekonferenz der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Umsätze der Industrieunternehmen aus Bereichen wie Ernährung, Maschinenbau und dem Schiffbau in der Region seien zurückgegangen. Das liege vor allem an gestiegenen Lohn- und Energiekosten. Generell habe auch die Nachfrage in vielen Bereichen nachgelassen. Die Wirtschaftleistung sei oft sehr individuell abhängig von großen Aufträgen. Den größten Umsatzrückgang verzeichnet demnach die Region Wilhelmshaven mit fast zehn Prozent. Es gibt aber auch positive Beispiele wie den Landkreis Friesland. Hier habe sich vor allem die Flugzeugindustrie sehr positiv entwickelt, mit einem Umsatzgewinn von über fünf Prozent.
US-Zölle: Region weniger betroffen, dennoch abhängige Unternehmen
Nachdem US-Präsident Donald Trump auch Zölle auf EU-Exporte verhängen will, sieht laut IHK Oldenburg jedes dritte Unternehmen, das auch in die USA exportiert, mit Sorgen in die Zukunft. "Das ist eine Belastung für die Wirtschaft - 20 Prozent auf alles. Das wird uns auch hier auf die Füße fallen", so IHK-Geschäftsführer Felix Jahn. Zwar sei das Oldenburger Land verhältnismäßig wenig vom Export betroffen, jedoch gibt es auch Unternehmen, die stark davon abhängig sind. Jahn fordert nun von der EU-Kommission eine Verhandlung "mit Augenmaß", damit die Situation nicht in einem Handelskrieg endet.
Sondervermögen für A20-Bau und Bahnbrücke Elsfleth-Orth nutzen
Geht es nach den Verantwortlichen der IHK Oldenburg, so kann nicht schnell genug gehandelt werden. Es gebe viel zu tun. Vonseiten der neuen Bundesregierung solle vor allem das neue Sondervermögen für Infrastruktur "clever" investiert werden, damit die Wirtschaft auch in der Region wieder in Schwung gerät. Als Beispiele nannte Jahn Mittel für den Bau des ersten Abschnittes der A20 zwischen Westerstede und Jaderberg in den nächsten Haushalt einzustellen und auch die Fertigstellung der neuen Eisenbahnbrücke bei Eslfleth-Orth. Neben einigen Großprojekten bleibe die Verbesserung der Schieneninfrastruktur im Nordwesten ein Schwerpunkt der IHK-Arbeit. Zusätzlich fordert die Kammer eine Senkung der Energiekosten und ein Abbau der Bürokratie für Unternehmen, damit die Region auch langfristig wettbewerbsfähig bleibe.
Positiver Trend bei Ausbildungsverträgen
Neben allen Herausforderungen, gab es aus Sicht der IHK auch Positives zu vermelden: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 4.000 Ausbildungsverträge geschlossen. Das ist ein leichter Anstieg um 0,4 Prozent, mit Hinblick auf den Fachkräftemangel aber positiv, so die IHK. Während Ausbildungen im kaufmännischen Bereich uninteressanter würden, steige die Attraktivität gewerblich-technischer Berufe wie in der Metalltechnik und im Lebensmittelbereich. Auch IT-Berufe liegen demnach im Trend. In den kommenden Jahren liege weiterhin der Fokus auf dem Finden und Anlernen von Fachkräften aus dem Ausland - vor allem, wenn die "Baby-Boomer"-Jahrgänge in Rente gehen werden. Darauf bereite man sich schon jetzt mit den regionalen Unternehmen intensiv vor, so Ludger Wester von der IHK.
IHK-Präsident Jan Müller blickt trotz aller Umstände weiterhin positiv in die Zukunft: "Wir befinden uns in schwierigen Zeiten, aber wir müssen noch lange nicht den Kopf in den Sand stecken."
Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 04.04.2025 | 15:00 Uhr