Castor-Transport vor dem Atommüll-Zwischenlager Isar.

Niedersachsen Castor-Transport aus Nordenham in Zwischenlager Isar angekommen

Stand: 03.04.2025 21:04 Uhr

Ein mit sieben Castor-Behältern beladener Zug ist am Donnerstagabend im Zwischenlager Isar eingetroffen. Der Zug war am Mittwoch in der niedersächsischen Küstenstadt Nordenham gestartet.

Nach rund 20 Stunden Fahrt durch Deutschland ist der mit hochradioaktiven Atomabfällen beladene Zug im bayerischen Niederaichbach angekommen. Die Rückführung der sieben Castoren ins Brennelemente-Zwischenlager Isar sei abgeschlossen, teilte die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) am Abend mit. In den kommenden Tagen sollen die Behälter schrittweise in das Zwischenlagergebäude gebracht werden. Dort werden sie nach Angaben der GNS zunächst vom Zwischenlagerbetreiber, der bundeseigenen BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung, vorbereitet und anschließend eingelagert.

Route aus Sicherheitsgründen geheim gehalten

Nordenham: Schiff mit Atommüll ist angekommen

Der Castor-Transport verlief nach Angaben der Bundesbereitschaftspolizei planmäßig und ohne Zwischenfälle. Der Zug war am Mittwochabend in der niedersächsischen Küstenstadt Nordenham gestartet. Dorthin hatte das Spezialschiff "Pacific Grebe" die sieben Castoren aus dem britischen Sellafield gebracht. Bei dem Atommüll handelt es sich nach Angaben der GNS um Überreste von Brennelementen aus deutschen Kernkraftwerken, die in England aufgearbeitet wurden. Die Polizei hatte den Transport auf der rund 910 Kilometer langen Strecke nach eigenen Angaben mit mehreren Tausend Einsatzkräften abgesichert. Die genaue Route durch Deutschland wurde aus Sicherheitsgründen geheim gehalten.

Ermittlungen gegen Drohnenpiloten

Schon bei der Abfahrt in Nordenham am Mittwoch war die Polizei eigenen Angaben zufolge mit einem Großaufgebot vor Ort, um das Gebiet zu sichern. Zudem wurden mehrere Flugverbotszonen unter anderem über dem Hafengebiet in Nordenham eingerichtet. Laut Polizei wurde im Bereich Stadtland (Landkreis Wesermarsch) trotz des Flugverbots eine Drohne gesichtet. Gegen den Piloten wurden Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Luftverkehrsgesetz eingeleitet, hieß es. Seit dem Wochenende hatten Atomkraft-Gegner entlang der Strecke in mehreren Städten gegen den Castor-Transport demonstriert. Laut Polizei waren die Versammlungen angemeldet und verliefen friedlich.

Friedliche Proteste entlang der Strecke

Mit den Protesten wollen die Organisierenden nach eigenen Angaben darauf aufmerksam machen, dass es bislang keine Lösung für die Lagerung von radioaktivem Abfall gibt. Den aktuellen Transport bezeichnen sie als "Fortsetzung der seit Jahrzehnten stattfindenden sinnlosen Atommüllverschiebung" und "unnötiges Herumfahren von Atommüll." Die Kundgebungen und Mahnwachen seien demnach als Bestätigung zu sehen, dass der Atomausstieg richtig gewesen sei. Niederaichbachs Bürgermeister Josef Klaus forderte eine zügige Endlager-Suche, damit die Castoren in einem überschaubaren Zeitraum wieder abtransportiert werden könnten.

Sieben weitere Castoren aus Sellafield

Castor-Transporte waren bis vor 20 Jahren gängige Praxis. Seit 2005 waren sie verboten. Seit dem 1. März ist der Transport wieder genehmigt, weil Deutschland verpflichtet ist, den eigenen Atommüll zurückzunehmen. Nach Angaben der Kölner Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit müssen aus der Aufarbeitungsanlage Sellafield noch sieben weitere Castor-Behälter zurückgenommen werden. Sie sollen demnach zu einem späteren Zeitpunkt in das Zwischenlager Brokdorf in Schleswig-Holstein gebracht werden.

Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Niedersachsen 18.00 | 01.04.2025 | 18:00 Uhr