
Mecklenburg-Vorpommern Firma aus MV bangt wegen US-Zöllen: "Wer bezahlt die 20 Prozent?"
Rund 100 Unternehmen sind in MV nach Einschätzung der IHK Neubrandenburg direkt von den US-amerikanischen Zöllen betroffen. Eine ist die Firma HAB Stahl- und Anlagenbau, die Achterbahnen und andere Fahrgeschäfte in die USA exportiert.
"Was passiert mit dem letzten Container von uns? Wer bezahlt die 20 Prozent von Herrn Trump?", fragt sich derzeit Andreas Pörsch. Gebannt verfolgt der Firmenchef der Wusterhusener Stahlbaufirma HAB auf dem Schiffsradarsystem "Marine Traffic" die Position des Containerschiffes "Atlantic Star". An Bord des Schiffes, das derzeit über den Atlantik in Richtung US-amerikanische Küste fährt: der letzte Container mit Stahlkonstruktionen für ein Fahrgeschäft - einen Wave Twist. Das soll in einem Freizeitpark in New York für Nervenkitzel sorgen.
Ladung trifft am 9. April in New York ein
Nervenkitzel: Den verspürt derzeit auch Pörsch. Monatelang hat seine Stahlbaufirma in Vorpommern an der Freizeit-Attraktion gebaut. Ende März legte die Atlantic Star mit der Ladung in Hamburg ab, die am 9. April in New York eintreffen soll. Dann sind die von Trump verhängten Einfuhrzölle von 20 Prozent bereits vier Tage in Kraft. Wer die Kosten übernimmt, darüber herrscht große Ratlosigkeit in dem vorpommerschen Unternehmen. Ebenso macht sich Pörsch Gedanken, ob seine Produkte "Made in Vorpommern" künftig für den amerikanischen Markt noch konkurrenzfähig sein werden.
Firma macht 16,5 Prozent des Umsatzes in den USA
"Wenn man davon ausgeht, dass wir 16,5 Prozent unseres Jahresumsatzes für den amerikanischen Markt herstellen, würde das bedeuten, dass das schon ein massiver Einbruch für uns darstellt, den wir so nicht kompensiert bekommen", sagt Pörsch. Die Firma arbeitet in einem Spezialsegment: Stahlbau-Konstruktionen, passgenau für Kunden wie Kranhersteller und Offshore-Unternehmen. Sein Unternehmen baut Tauchgondeln oder auch Achterbahnen für US-amerikanische Freizeitparks.

Die Computer-Animation eines Fahrgeschäftes: So ein Wave-Twister ist auf dem Weg nach New York.
Künftig noch attraktiv für den amerikanischen Markt?
Mit den neuen Zöllen werden die Preise für seine Produkte steigen müssen. "Die zusätzlichen Kosten, die durch die verhängten Zölle auflaufen, müssen auf den Kunden umgelegt werden", sagt er. Anders gehe es nicht. Die Gewinn-Margen seien zu gering. "Aber sind wir künftig als Hersteller noch attraktiv für den amerikanischen Markt?", fragt er sich. In der kommenden Woche soll in Liechtenstein ein Vertrag für eine Achterbahn in den Universal Studios in Orlando in Florida unterzeichnet werden. Pörsch hofft, dass alle Seiten ihre Unterschriften unter den bereits ausgehandelten Vertrag setzen.
"Unternehmen in Schockstarre"
"Die Unternehmen stehen in einer Art Schockstarre", sagt Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg. In Mecklenburg-Vorpommern sind nach seiner Einschätzung mindestens 100 Unternehmen direkt betroffen. Indirekt - im Zuliefererbereich - seien es noch deutlich mehr. Die USA sind für Mecklenburg-Vorpommern das wichtigste Exportland. Im vergangenen Jahr gingen von hier Waren im Wert von 743 Millionen Euro über den Atlantik.
Geschlossene Reaktion der EU erwartet
Pörsch hofft, dass die EU geschlossen, aber auch besonnen auf die Trumpschen Zölle reagiert. Europa sei als Ganzes eine wichtige Wirtschaftsmacht, so der Unternehmer. Alleingänge einzelner Staaten würden nichts bringen. Sein Unternehmen hat viele Standbeine, produziert auch für deutsche Unternehmen. Aber die Achter- und Wildwasserbahnen gingen bislang vorrangig in die USA. Den Wegfall dieses Geschäftes auszugleichen, sei nicht einfach. "Wir müssen uns auf dem europäischen Markt umschauen, was aber derzeit aufgrund der wirtschaftlichen Lage sehr schwierig sein dürfte", sagt Pörsch.
Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 03.04.2025 | 19:30 Uhr