
Brandenburg Berlin Warnstreik legt Flughafen BER lahm - 67.000 Passagiere betroffen
Wegen eines ganztägigen Warnstreiks fallen am Montag am Flughafen Berlin-Brandenburg alle Flüge aus. Ein Ausweichen auf andere Airports ist kaum möglich, denn Verdi hat an allen größeren Flughäfen zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.
Am Berliner Flughafen BER sind wegen des Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi seit dem Morgen fast sämtliche Flüge ausgefallen. Der Ausstand soll den gesamten Tag andauern. Nach Angaben eines Sprechers sind je 246 Ankünfte und Abflüge und damit rund 67.000 Passagiere betroffen.
Zwei Tarifkonflikte
Hintergrund sind zwei verschiedene Tarifkonflikte: Die Gewerkschaft Verdi fordert in den Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen unter anderem acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber monatlich 350 Euro mehr, sowie drei zusätzliche freie Tage. Die Arbeitgeber haben bisher kein konkretes Angebot vorgelegt.
In der Luftsicherheit fordert Verdi unter anderem die Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, 30 Tage Urlaub und Zusatzurlaub für Schichtarbeit. Die im Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) organisierten Arbeitgeber kritisierten die Warnstreikausweitung, Verhandlungsführer Christian Huber bezeichnete sie als "nicht zielführend".

Nach dem Streikaufruf von Verdi legten am Montagfrüh gegen 3.30 Uhr Beschäftigte der Firmen, die für den Bodenverkehr zuständig sind, die Arbeit nieder, wie Gewerkschaftssekretär Enrico Rümker am frühen Morgen der Deutschen Presse-Agentur sagte. Der Flughafen war am Morgen zwar geöffnet, aber nahezu leer. Nur wenige Reisende, die vom Streik überrascht wurden, waren zu sehen. Viele Geschäfte hatten geschlossen, Polizisten liefen durch die leeren Gänge und Hallen. Auf den Anzeigetafeln waren die Flüge als "gestrichen" zu sehen.
Zwei Maschinen landeten trotz Streik
Nur zwei Flugzeuge landeten am Montag am BER und wurden abgefertigt, weil die entsprechenden Airlines Einzelvereinbarungen mit den Bodendiensten gehabt hätten, sagte ein Flughafen-Sprecher dem rbb am Montagabend. Es handelte sich demnach sich um eine United-Maschine aus New York und eine Eurowings-Maschine aus Dschidda. Außerdem werde voraussichtlich noch kurz vor Mitternacht eine Turkish-Airlines-Maschine aus Istanbul landen und abgefertigt.
Am Dienstag nimmt der Flughafen dann voraussichtlich wieder seinen regulären Betrieb auf. Da es zehn zusätzliche Landungen und Starts geben wird, rechnet der Flughafen mit einem deutlich höheren Passagier-Aufkommen und rät Reisenden, mehr Zeit für die Abfertigung einzuplanen, so der Sprecher weiter.

13 Flughäfen, 560.000 Passagiere
Verdi rief für Montag insgesamt an 13 deutschen Flughäfen Beschäftigte der Betreibergesellschaften und der Bodenverkehrsdienste zu dem ganztägigen Warnstreik auf.
Davon betroffen sind neben Berlin auch die Flughäfen in Hannover, Bremen Hamburg, Düsseldorf, Dortmund, Köln/Bonn, Leipzig/Halle, Frankfurt, Stuttgart und München. An den Airports Weeze bei Düsseldorf und Karlsruhe/Baden-Baden sind nur Beschäftigte des Luftsicherheitsbereichs zum Ausstand aufgerufen.
Der Flughafenverband ADV bezifferte den Ausfall auf knapp 3500 Flüge mit rund 560.000 betroffenen Passagieren. Die Deutsche Bahn vermeldete deutlich mehr Bahn-Reisende.

Ab morgen wieder Normalbetrieb
Auch die anderen deutschen Flughäfen nehmen für Dienstag wieder den normalen Flugbetrieb ins Visier. Allerdings dürften auch dann noch Nachwirkungen des Arbeitskampfes am Montag zu spüren sein, teilten mehrere Airports mit.
"Mit dem Streik an den deutschen Flughäfen wird eine neue Eskalationsstufe erreicht, die mit einem Warnstreik nichts mehr zu tun hat und nicht weiter hinnehmbar ist", kritisierte Hauptgeschäftsführer Joachim Lang vom Luftfahrtverband BDL.
Die Gewerkschaft Verdi verteidigte ihr Vorgehen und rief derweil in anderen Branchen Zehntausende Beschäftigte zu Warnstreiks auf. Vor der nächsten Verhandlungsrunde im Öffentlichen Dienst am Freitag werde man den Arbeitgebern klar signalisieren, "dass wir durchsetzungsfähig sind", sagte Verdi-Chef Frank Werneke. "Das wird in den kommenden Tagen noch einmal deutlich gemacht."
Sendung: rbb24 Antenne Brandenburg, 10.03.2025, 08:35 Uhr