
Berlin 20 Prozent auf EU-Exporte: Berliner Wirtschaft blickt mit Sorge auf US-Zölle
Donald Trump erhebt auf Waren aus der EU Zölle in Höhe von 20 Prozent. Bitter für Berlin, denn die USA sind der wichtigste Handelspartner. Zölle könnten für Berlin sinkende Umsätze bedeuten - und weniger Arbeitsplätze. Von Efthymis Angeloudis
Die Berliner Wirtschaft blickt mit Sorge auf die Außenhandelspolitik der USA. US-Präsident Donald Trump belegte am Mittwochabend alle Exporte der EU in die Vereinigten Staaten mit einem Zoll von 20 Prozent [tagesschau.de]. Gelten sollen die Zölle bereits ab Samstag.
"Die Trump-Regierung treibt einen epochalen Umbruch in den transatlantischen Beziehungen voran, das ist gerade für Berlin mit seiner eng mit den USA verbundenen Geschichte sehr bitter", teilte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) mit.
"Wenn die Trump-Regierung nun einen globalen Handelskrieg anzettelt, wird das auch Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Berlin haben, das muss man ganz klar sagen. Unsere Unternehmen verkauften 2024 Waren im Wert von 1,59 Milliarden Euro in die USA", so Giffey weiter.

"Die von den Vereinigten Staaten eingeführten Zölle sind ein schwerer Schlag für die Weltwirtschaft und die international eng verflochtene Berliner Wirtschaft", sagte Manja Schreiner, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) rbb|24. Die USA seien Berlins wichtigster Absatzmarkt. Mit den flächendeckenden Zöllen von 20 Prozent stünden nun im USA-Geschäft zusätzliche Lasten von bis zu 317 Mio. Euro für den Wirtschaftsstandort Berlin im Raum.
IHK: Sinkende Umsätze, weniger Arbeitsplätze
Damit sind die USA das wichtigste Land für Produkte "made in Berlin", allen voran Maschinen, Fahrzeuge, Elektronik und Pharmaerzeugnisse. Studien zufolge dürften die deutschen Warenexporte in die USA nach Erhebung der Zölle um etwa 20 Prozent zurückgehen. Das wäre besonders bitter für die Berliner Wirtschaft, denn die USA waren 2024 das wichtigste Exportziel mit 1,6 Milliarden Euro. Danach erst folgten Frankreich (1,3 Milliarden), China (1,3) und Polen (1,2).
Für die Brandenburger Wirtschaft sind die USA der viertwichtigste Exportmarkt nach den Niederlanden, Polen und Belgien.
Die meistgehandelten Berliner Warengruppen mit den USA sind im Export Datenverarbeitungsgeräte, elektrische & optische Erzeugnisse, Maschinen, sonstige Fahrzeuge, elektrische Ausrüstung und pharmazeutische Erzeugnisse.
IHK: Sinkende Umsätze, weniger Arbeitsplätze
Die IHK Berlin befürchtet, dass die vielen Exportgeschäfte in Richtung USA durch die Zölle nicht mehr rentabel seien und Berliner Unternehmen Umsatzverluste in Kauf nehmen müssten. Zum anderen würden die Berliner Unternehmen, da wo USA-Lieferungen noch geschäftlich sinnvoll seien, einen Teil der Zolllast schultern, was ihre Gewinnmargen und den geschäftlichen Erfolg insgesamt schmälern würde.
"Darüber hinaus steigt bei einem hohen US-Umsatzanteil einzelner Firmen die Wahrscheinlichkeit, dass diese mittelfristig Unternehmensaktivitäten in die USA verlagern, um den Markt lokal zu bedienen und die Zölle zu umgehen", sagte IHK-Präsidentin Schreiner dem rbb. All das setze Berliner Unternehmen im internationalen Geschäft einem enormen Anpassungsdruck aus, der sich kurzfristig in sinkenden Umsätzen und, je nach Abhängigkeit vom US-Geschäft, auch in weniger Arbeitsplätzen niederschlagen könnte.

Giffey setzt Taskforce USA ein
Um diesen Negativtrend zu stoppen werde Berlin seine Wirtschaftskooperationen gerade auf Ebene der Bundesstaaten und Städte ausbauen, kündigte Wirtschaftssenatorin Giffey an. Dort gebe es viel Interesse an einer Zusammenarbeit. "Ich habe in der Wirtschaftsverwaltung heute die Taskforce USA eingesetzt, um gemeinsam mit Berliner Wirtschaftsverbänden, Unternehmen und weiteren Akteuren die Lage zu analysieren."
Dazu gehöre auch, den Berliner Mittelstand bei der Suche nach neuen Absatzmärkten zu unterstützen, etwa Richtung Kanada und Asien, sagte Giffey. "Es wird aber auch darum gehen, wie wir Berlin in den USA noch stärker als Ort für Investitionen und Ansiedlungen positionieren."
Schließlich komme aus den USA bereits ein wichtiger Teil des Venture Capitals für Berliner Start-ups. Neue US-Unternehmensansiedlungen sorgten für Arbeitsplätze in Berlin. "Um diese Investitionen werden wir weiterhin intensiv werben."
Medikamente von US-Zöllen ausgeschlossen
Eine der wichtigen Berliner Exportbranchen, mit einem US-Geschäft in Höhe von 128 Millionen Euro, kommt aber vorerst glimpflich davon. Medikamente sind nach Angaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA) vom neuen US-Zollpaket ausgenommen.
Die Pharmabranche sei damit vorerst nicht von den pauschalen Zöllen von 20 Prozent auf Importe aus der EU betroffen, sagte VFA-Chefvolkswirt Claus Michelsen. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass Zölle auf Pharmazeutika möglicherweise in einer weiteren Runde kommen könnten. Unter die von Donald Trump angekündigten Zölle fielen allerdings Vorprodukte wie sterile Schläuche, die in der Arzneiproduktion gebraucht würden.

Für die Deutsche Pharmabranche sind die USA das wichtigste Exportland. 2024 gingen laut VFA Waren im Wert von 27 Milliarden Euro und damit knapp ein Viertel (23,6 Prozent) der deutschen Pharmaexporte in die USA. Umgekehrt habe Deutschland Pharmazeutika im Wert von 12,2 Milliarden Euro (17 Prozent) aus den USA importiert sowie gut zwölf Prozent der Vorprodukte, etwa Grundstoffe und Chemikalien.
Für die Pharmainstrie in Ostdeutschland beträgt das Exportvolumen in die USA sogar 35 Prozent der Pharmaexporte. "Insofern beobachtet die Branche die Entwicklungen schon lange sehr intensiv", sagte ein Sprecher des Verbandes Pharma Deutschland dem rbb.
Sendung: rbb24 Abendschau, 3.4.2025, 19:30 Uhr