
Erdbeben in Myanmar Mehr als 3.300 Tote - Vorwürfe gegen Militärjunta
Acht Tage nach dem großen Beben in Myanmar brauchen große Teile der Bevölkerung dringend Hilfe. Doch Lieferungen werden durch die herrschende Militärjunta offenbar ungleich verteilt. Die Zahl der Toten steigt weiter.
Gut eine Woche nach dem schweren Erdbeben in Myanmar ist die Zahl der Todesopfer abermals gestiegen. Die staatlichen Medien meldeten 3.354 Tote und 220 Vermisste. Zudem seien 4.850 Menschen verletzt worden. Hilfsorganisationen warnen vor dem Ausbruch schwerer Krankheiten wie Cholera.
Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte wirft der in dem südostasiatischen Land herrschenden Militärjunta vor, die Lieferung von Hilfsgütern an Gemeinden zu begrenzen, die nicht hinter dem Regime stehen. Vom Militär gab es dazu keine Stellungnahme.
Schwierige Gesundheitsversorgung
Die Hilfseinsätze in den Erdbebebengebieten werden durch die Folgen des Bürgerkriegs erschwert. Das Militär hatte 2021 die gewählte Regierung um die Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gestürzt. Durch den darauffolgenden Bürgerkrieg wurden mehr als drei Millionen Menschen vertrieben.
Die Gesundheitsversorgung war schon vor dem Erdbeben am 28. März schwierig, viele Menschen sind vom Hunger bedroht. Den Vereinten Nationen zufolge benötigt mehr als ein Drittel der Bevölkerung humanitäre Hilfe. Das Erdbeben der Stärke 7,7 war eines der schwersten in Myanmar seit einem Jahrhundert. Zahllose Gebäude - darunter auch Krankenhäuser - stürzten ein, ganze Gemeinden wurden fast vollständig zerstört.
Waffenruhe wird nicht eingehalten
Gestern war der Chef der Militärjunta, Min Aung Hlaing, zu einem Regionalgipfel nach Bangkok gereist, was heftige Proteste in dem Nachbarland ausgelöst hatte. Um die Katastrophenhilfe und den Wiederaufbau in Myanmar zu erleichtern, hatte die in Junta am Mittwoch eine temporäre Waffenruhe verkündet.
Nach Angaben der Vereinten Nationen wird die Waffenruhe allerdings nicht eingehalten: Wie das UN-Menschenrechtsbüro am Freitag mitteilte, kam es seit Mittwoch zu mindestens 16 Luftangriffen des Militärs auf Ziele in verschiedenen Landesteilen, darunter auch in Gebieten, die von dem Erdbeben betroffen sind.
Das Erdbeben war auch in den Nachbarländern zu spüren gewesen. In der thailändischen Hauptstadt Bangkok stürzte ein 30-stöckiges, in Bau befindliches Hochhaus ein. Dort wurden bisher 22 Tote geborgen.