Ein Demonstrant hält eine umgedrehte US-Flagge, im Hintergrund stehen weitere Demonstrierende.

Kürzungen der US-Regierung Der alte Kampf gegen die Wissenschaft - von Trump neu belebt

Stand: 04.04.2025 10:56 Uhr

Die Trump-Regierung hat Universitäten den Kampf angesagt und droht mit existenzbedrohenden Kürzungen. Doch woher rührt diese Feindseligkeit gegenüber Wissenschaft und Kultur? Das sagen Betroffene.

Von Sebastian Hesse, ARD Washington

Es war im Jahre 2021, als der heutige Vizepräsident der USA, JD Vance, zur aggressiven Attacke auf die amerikanischen Universitäten blies: "Die Professoren sind die Feinde." Ganz neu war das auch damals schon nicht. Längst hatte die Partei von Vance und US-Präsident Donald Trump die akademische Welt zum Aufmarschgebiet im Kulturkampf erklärt.

Samuel Redman, Professor für Geschichte an der University of Massachusetts in Amherst - einer der Feinde von Vance - verfolgte die Spur noch weiter zurück. Spätestens im frühen 20. Jahrhundert sei es mit der Kritik des konservativ-religiösen Amerikas an moderner Wissenschaft losgegangen, damals vor allem am Beispiel Evolutionslehre, so Professor Redman im ARD-Gespräch.

Konservative Medien machen lautstark mit

Mittlerweile sei die Wissenschaftskritik von rechts systematischer und vernehmbarer denn je, sagt Professor Redman. Neu seien die lautstarken konservativen Medien, Trump-nahe Sender wie Newsmaxx oder Fox News, die mit absurden und karikaturhaften Sensationsgeschichten über bizarre Forschungsvorhaben Quote machen.

Die Realität an den Hochschulen sei natürlich eine ganz andere, betont Redman. Aber Gruselgeschichten über linke Ideologen an Hochschulen bedeuteten eben Klicks. Hinzu kommt die empörte Berichterstattung über Israel-kritische Proteste an vielen amerikanischen Hochschulen.

Meinungsfreiheit als Lebenselixier

Wissenschaftler, wie der Professor für Kunstgeschichte James Smalls von der University of Maryland, stellen sich schützend vor ihre Studenten. Meinungsfreiheit und kontroverse Debatten sieht Smalls als Lebenselixier an Universitäten - auch und gerade, wenn einem die geäußerten Haltungen nicht passen.

Rassistische Thesen von der angeblichen Überlegenheit weißer Menschen sind dem Afro-Amerikaner Smalls ein besonderer Dorn im Auge. Und dennoch betont er im ARD-Gespräch, dass Meinungsfreiheit die Voraussetzung für jede fruchtbare Auseinandersetzung ist, gerade an Universitäten.

Spaltung gehört zur Gründungsgeschichte der USA

Gesellschaftliche Spaltung in den USA könne nie wirklich überwunden werden, glaubt Professor Smalls - allein weil die Sklaverei ihre Gründungsgeschichte geprägt hat. Aber solange fortlaufend darüber diskutiert werden könne, solange könne man auch damit leben. Vorausgesetzt, dass keine Seite auf ihren Sieg besteht. Genau das aber - der Siegeswille, der Trumps Feldzug gegen Hochschulen und Kultureinrichtungen befeuert - stehe einem Heilungsprozess entgegen.

Dieses Thema im Programm: Dieser Beitrag lief am 04. April 2025 um 05:40 Uhr im Deutschlandfunk.