Trump mit einer Tafel, auf der die Höhe der Zölle für einzelne Länder stehen.

Ankündigung von Trump Zölle von 20 Prozent für Importe aus der EU

Stand: 03.04.2025 04:00 Uhr

US-Präsident Trump setzt seine aggressive Handelspolitik fort: Auf Importe aus der EU sollen künftig Zölle in Höhe von 20 Prozent erhoben werden. Viele Nicht-EU-Staaten trifft es noch härter.

US-Präsident Donald Trump hat neue weitreichende Zollmaßnahmen "für Länder in der ganzen Welt" angekündigt, die auch die Europäische Union hart treffen. Der Präsident unterzeichnete in Washington ein entsprechendes Dekret.

Demnach soll es neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf die meisten Importe in die Vereinigten Staaten geben. Für viele Länder sollen je nach Handelsdefizit höhere Strafabgaben greifen, wie der Republikaner im Rosengarten des Weißen Hauses ankündigte. Auf Einfuhren aus der Europäischen Union in die USA sind demnach neue Zölle in Höhe von 20 Prozent vorgesehen. Damit will der Republikaner die Produktion in den USA ankurbeln.

"Sie zocken uns ab"

Trump sprach von sogenannten reziproken, also wechselseitigen, Zöllen. Damit ist gemeint, dass die USA dort Zölle anheben, wo sie aktuell weniger verlangen als ihre Handelspartner, um angebliche Unwuchten auszugleichen. Die EU etwa würden 39 Prozent Zölle auf Importe aus den USA erheben, meinte der US-Präsident. "Sie zocken uns ab. Es ist so traurig, das zu sehen. Es ist so erbärmlich", sagte Trump mit Blick auf die Europäer. 

Gudrun Engel, ARD Washington, mit Informationen zu Trumps verhängten Zöllen

tagesthemen, 02.04.2025 23:15 Uhr

Außerdem solle es unter anderem Zölle in Höhe von 34 Prozent auf Importe aus China geben, 25 Prozent für Südkorea, 24 Prozent für Japan und 32 Prozent für Taiwan. Es ist der bisher aggressivste und folgenschwerste Schritt in der Handelspolitik des US-Präsidenten. Dies dürfte die Weltwirtschaft im erheblichen Maße belasten. Handelspartner bereiten bereits Gegenzölle vor.

Welche individuellen Zölle Trump verhängt hat
Land Zölle
Lesotho 50 Prozent
Saint Pierre und Miquelon 50 Prozent
Kambodscha 49 Prozent
Laos 48 Prozent
Madagaskar 47 Prozent
Vietnam 46 Prozent
Myanmar 44 Prozent
Sri Lanka 44 Prozent
Falklandinseln 41 Prozent
Syrien 41 Prozent
Mauritius 40 Prozent
Irak 39 Prozent
Guyana 38 Prozent
Bangladesch 37 Prozent
Botswana 37 Prozent
Liechtenstein 37 Prozent
Réunion 37 Prozent
Serbien 37 Prozent
Thailand 36 Prozent
Bosnien und Herzegowina 35 Prozent
China 34 Prozent
Nordmazedonien 33 Prozent
Angola 32 Prozent
Fidschi 32 Prozent
Indonesien 32 Prozent
Taiwan 32 Prozent
Libyen 31 Prozent
Moldawien 31 Prozent
Schweiz 31 Prozent
Algerien 30 Prozent
Nauru 30 Prozent
Südafrika 30 Prozent
Indien 26 Prozent
Südkorea 25 Prozent
Japan 24 Prozent
Europäische Union 20 Prozent
Argentinien 10 Prozent
Australien 10 Prozent
Brasilien 10 Prozent
Saudi-Arabien 10 Prozent
Türkei 10 Prozent
Großbritannien und Nordirland 10 Prozent

Trumps "Liberation Day"

Den Tag seiner Ankündigung hatte der Präsident vorab als "Liberation Day" ("Tag der Befreiung") beworben. "Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem die amerikanische Industrie wiedergeboren wurde, als der Tag, an dem Amerika sein Schicksal zurückerobert hat, und als der Tag, an dem wir begonnen haben, Amerika wieder reich zu machen", sagte Trump.

Trumps "Liberation Day": Wen treffen die verhängten Zölle?

Torben Börgers, ARD Washington, tagesthemen, 02.04.2025 23:15 Uhr

"Jahrzehntelang wurde unser Land geplündert, gebrandschatzt, vergewaltigt und ausgeplündert, von nahen und fernen Nationen, von Freunden und Feinden gleichermaßen", behauptete der Präsident. Dies sei nun vorbei. Trump sprach von einem der wichtigsten Tage in der US-Geschichte. Das "goldene Zeitalter" der USA komme zurück.

Zölle dürften an Verbraucher weitergegeben werden

Seit dem Wiedereinzug ins Weiße Haus setzt Trump - ähnlich wie in seiner ersten Amtszeit - auf Zölle. Er verhängte bereits Strafabgaben auf alle Aluminium- und Stahlimporte, brachte Zölle in Höhe von 25 Prozent auf importierte Autos und Autoteile auf den Weg, führte erhöhte Zölle auf alle Waren aus China ein und nahm seine Nachbarn Kanada und Mexiko ins Visier. Gerade die Autozölle treffen Europa und den deutschen Markt schwer.

Ein Importzoll funktioniert ähnlich wie eine Steuer. Sie muss vom importierenden Unternehmen gezahlt werden - in diesem Fall also von den Unternehmen in den USA. Es gilt als wahrscheinlich, dass die importierenden Unternehmen die höheren Kosten nicht einfach selbst übernehmen. Sie dürften sie an die Verbraucher weitergeben - die Preise steigen so, die Inflation könnte wieder angeheizt werden. Trumps Ziel ist, US-Unternehmen davon abzuhalten, Produkte aus dem Ausland einzuführen. Das soll langfristig den Produktionsstandort USA fördern. 

Folgen auch für Deutschland erwartet

Da mit Gegenzöllen gerechnet wird und auf die exportierenden Unternehmen Umsatzeinbußen zukommen dürften, könnte dies zu einem Rückgang der Produktion und möglichen Stellenstreichungen führen, was die Wirtschaft insgesamt belasten kann. Ein eskalierender Handelskonflikt zwischen den USA und der EU wird daher auch für deutsche Verbraucher deutlich spürbare Auswirkungen haben.

Das erwartet auch Außenhandelspräsident Dirk Jandura. "Ich sage es ganz offen: Das werden wir spüren", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) der Nachrichtenagentur Reuters.

Der US-Finanzminister Scott Bessent warnte die betroffenen Staaten davor, auf die neuen Zölle mit Vergeltungsmaßnahmen zu reagieren. Dies werde zu einer Eskalation führen, sagt Bessent dem Sender Fox News.

Gisela Former, NDR, tagesschau, 02.04.2025 23:31 Uhr

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. April 2025 um 23:15 Uhr.