
Hauptversammlung Lufthansa für freiwilligen CO2-Ausgleich
Vielleicht fliegt die Lufthansa schon vor 2025 wieder auf Vor-Corona-Niveau, hieß es auf dem Aktionärstreffen der Gesellschaft. Fluggäste sollen ihre CO2-Emissionen weiter freiwillig kompensieren.
Die Deutsche Lufthansa will ihre Passagiere nicht verpflichten, durch ihren Flug verursachte CO2-Emissionen mit Geld auszugleichen. "Wir setzen auf das Prinzip Freiwilligkeit, mit zunehmendem Erfolg", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr auf der virtuellen Hauptversammlung. Eine Regelung, die den Ausgleich über die Ticketpreise vorsieht, müsste weltweit einheitlich sein, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Das sei aber nicht realistisch.
Die Luftfahrt ist für rund drei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Die Branche versucht, durch Ausgleichszahlungen, mit denen Klimaschutzprojekte oder der Kauf emissionsarmer synthetischer Kraftstoffe finanziert werden, ihren Ausstoß von Treibhausgasen kompensieren.
Seit Kurzem könnten Lufthansa-Kunden den CO2-Ausstoß ihrer Reise mit einem Klick finanziell ausgleichen, so Spohr. Das werde stärker angenommen als zuvor, als die Kompensation zusätzlich zum Flug gebucht werden musste. Bislang waren nur sehr wenige Verbraucher dazu bereit, auf diese Weise einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
Kritik an Klima-Strategie
Klimaschützer kritisieren solche Kompensationsregelungen. CO2-Emissionen müssten nicht kompensiert, sondern vermieden werden, forderte Jonas Asan von Robin Wood. "Grüne Flugzeuge sind nur die, die am Boden bleiben." Die Luftfahrt müsse schrumpfen, daran führe kein Weg vorbei.
Auch Vertreter von Investmentfonds forderten bei dem Aktionärstreffen ein zusätzliches Engagement der Fluggesellschaft im Klimaschutz. Mit einer Halbierung der Netto-CO2-Emissionen bis 2030 habe die Lufthansa zwar ein klares Ziel, sagte Henrik Pontzen von Union Investment. Doch eine Strategie für einen glaubwürdigen Umbau fehle weiterhin. "Die Reduktion von CO2-Emissionen und das Hinwirken zu einem nachhaltigeren Flugbetrieb müssen stärker berücksichtigt werden", forderte auch Deka-Fondsmanager Ingo Speich.
Vor 2025 auf Vorkrisenniveau?
Lufthansa-Chef Spohr ging in seiner Rede auch auf Fortschritte im operativen Geschäft ein. Nach einem Jahresverlust von 2,2 Milliarden Euro hatte die Lufthansa dank hoher Nachfrage ihre Verluste im ersten Quartal fast halbiert.
"Nach zwei Jahren Pandemie lassen wir die Krise heute mental hinter uns und blicken gestärkt in die Zukunft", erklärte Spohr. Das Angebot könne das Vorkrisenniveau möglicherweise schon vor 2025 erreichen. Bisherige Prognosen erwiesen sich möglicherweise als zu vorsichtig. Nach 75 Prozent in diesem Jahr will das Unternehmen 2023 rund 95 Prozent des Angebots von 2019 fliegen.
Nach dem massivem Personalabbau von rund 36.000 auf gut 100.000 Stellen in der Corona-Krise will die Airline-Gruppe auch wieder Stellen schaffen. Die Lufthansa plane mehrere tausend Neueinstellungen in diesem Jahr, hieß es in der Antwort auf eine Aktionärsfrage.
Flotte soll rasch modernisiert werden
Das Unternehmen sei besser durch die Krise gekommen als die meisten Wettbewerber und habe die Pandemie genutzt, um neue Stärken zu entwickeln, so Spohr. Das Flugangebot wurde stärker auf Privatreisende ausgerichtet. Trotz seiner hohen Verschuldung von über 14 Milliarden Euro setzt das Unternehmen auf eine rasche Modernisierung der Flotte, um den Kerosinverbrauch und CO2-Ausstoß zu verringern. Gestern Abend hatte der Konzern angekündigt, weitere 17 Langstreckenjets bei Boeing zu kaufen, darunter sieben Passagiermaschinen vom Typ 787 und zehn Exemplare der Frachtversion der 777.
Für die Aktionäre gibt es das dritte Jahr hintereinander keine Dividende. Solange der Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes mit an Bord ist, darf ohnehin keine Dividende gezahlt werden. Der Bund hat sich verpflichtet, seine Anteile bis Oktober 2023 zu verkaufen.