Jerome Powell
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Neue US-Zölle ++ US-Notenbankchef erwartet Wirtschaftsflaute ++

Stand: 05.04.2025 00:07 Uhr

Der Chef der US-Notenbank FED rechnet mit höherer Inflation und langsamerem Wachstum durch die Zölle. Die Bundesregierung will mit den USA "auf Kooperation und nicht auf Konfrontation" setzen und weiter verhandeln.

Die wichtigsten Entwicklungen:

Nach Einschätzung des republikanischen Senators Ted Cruz könnte das von US-Präsident Donald Trump angekündigte Zollpaket ernste Folgen für die Republikaner haben. "Sollten wir in eine Rezession geraten – insbesondere in eine schwere –, dann würde 2026 aller Wahrscheinlichkeit ein politisches Blutbad werden", sagte der Senator aus dem Bundesstaat Texas in seinem Podcast "Verdict". Er gehört eigentlich nicht zum Trump-kritischen Lager in der Partei. Seiner Ansicht nach drohe bei einem wirtschaftlichen Abschwung ein Verlust der Mehrheit im Repräsentantenhaus – womöglich sogar im Senat.

Derzeit halten die Republikaner in beiden Parlamentskammern eine knappe Mehrheit. Im November 2026 stehen in den USA die nächsten Kongresswahlen an. Dabei werden alle Sitze im Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der Sitze im Senat neu vergeben. Cruz erklärte, wegen des Zollpakets könnte diese Woche als "folgenreichste in allen vier Jahren" der zweiten Amtszeit Trumps in die Geschichte eingehen. Es bestehe "das Potenzial für positive Entwicklungen" aber auch für "enorme Risiken".

Ein mögliches positives Szenario sei, dass andere Länder infolge von Trumps Ankündigung an den Verhandlungstisch zurückkehren, man sich einigen und sie ihre Zölle auf US-Waren deutlich senken würden. "Das könnte durchaus geschehen", sagte Cruz. Doch es gebe auch eine andere Möglichkeit: Andere Staaten könnten mit eigenen, höheren Zöllen auf US-Produkte reagieren – während die von Trump verhängten Zölle bestehen blieben. Auch dies sei "ein sehr reales Risiko" und wäre "schrecklich für Amerika".

Nach der Ankündigung des US-Zollpakets haben sich die EU und die USA in einer Videoschalte ausgetauscht. In einem offenen, zweistündigen Austausch mit US-Handelsminister Howard Lutnick und dem Handelsbeauftragten Jamieson Greer habe er klar zum Ausdruck gebracht, dass die US-Zölle "schädlich und ungerechtfertigt" seien, schrieb EU-Handelskommissar Maros Sefcovic auf der Plattform X. 

Die Handelsbeziehung zwischen der EU und den USA brauche einen frischen Ansatz. Die EU sei zu sinnvollen Verhandlungen bereit, aber auch bereit, ihre Interessen zu verteidigen, schrieb Sefcovic weiter. "Wir bleiben in Kontakt." Über Details wurde zunächst nichts bekannt.

Gefahr einer weltweiten Wirtschaftskrise?, Rolf Langhammer, Wirtschaftswissenschaftler, zum Zollstreit zwischen der USA und China

tagesschau24, 04.04.2025 20:00 Uhr

Der von US-Präsident Donald Trump losgetretene Handelskonflikt hat den DAX am Freitag weiter abstürzen lassen. Nachdem China mit hohen Gegenzöllen auf die neuen Zölle aus den USA reagierte, konnte sich der Leitindex erst unter der Marke von 20.500 Punkte stabilisieren. Aus dem Handel ging der DAX 4,95 Prozent tiefer bei 20.641,72 Punkten. Der MDAX gab um 5,46 Prozent auf 25.408,54 Zähler nach.

Angesichts der Zollpolitik Trumps hat der Chef der Notenbank FED vor negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft gewarnt. Powell sagte bei einem Auftritt im US-Bundesstaat Virginia laut vorab verbreitetem Redetext, er rechne mit "höherer Inflation und langsamerem Wachstum" sowie steigenden Arbeitslosenzahlen.

"Obwohl die Zölle höchstwahrscheinlich zumindest einen vorübergehenden Anstieg der Inflation verursachen werden, ist es auch möglich, dass die Auswirkungen länger anhalten", so Powell. Obwohl die Unsicherheit weiterhin groß sei, zeichne sich nun ab, dass die Zollerhöhungen deutlich höher ausfallen werden als erwartet. Dasselbe gelte wahrscheinlich auch für die wirtschaftlichen Auswirkungen, zu denen eine höhere Inflation und ein langsameres Wachstum gehören würden.

Mit Blick auf die von Trump geforderte Leitzinssenkung sagte Powell, die FED sei gut aufgestellt, um auf mehr Klarheit zu warten: "Wir prüfen etwaige Anpassungen unseres geldpolitischen Kurses. Es ist noch zu früh, um zu sagen, welcher geldpolitische Kurs der richtige sein wird."

US-Präsident Donald Trump hat FED-Chef Jerome Powell aufgefordert, die Zinsen zu senken. Dies sei die "perfekte Zeit" dafür, schrieb Trump auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social. Dort sprach er den Chef der US-Notenbank als "Jerome" an und forderte ihn auf, er solle sich aus der Politik heraushalten (engl. "stop playing politics").

Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump will Vietnam die eigenen Zölle auf null Prozent senken, wenn es zu einem Abkommen mit den USA komme. Er habe ein "produktives" Telefonat mit To Lam, dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei, geführt, schrieb Trump auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social. "Ich habe mich bei ihm im Namen unseres Landes bedankt und gesagt, dass ich mich auch auf ein Treffen in naher Zukunft freue." Eine Stellungnahme Vietnams liegt noch nicht vor. Die USA haben das Land mit einem Zoll von 46 Prozent belegt, einer der höchsten Quoten überhaupt.

Der geschäftsführende Bundesfinanzminister Jörg Kukies warnt vor übereilten Maßnahmen gegen amerikanische Digitalkonzerne. "Da sind wir in einer Abhängigkeit. Die ist traurig und nicht gut, aber man muss sich schon überlegen, womit wir diese dann ersetzen, wenn wir sie teurer machen", sagte der SPD-Politiker zu t-online.

Alternativen zu US-Plattformen wie Instagram, Facebook oder Google gebe es kaum. "Und wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht nur Endnutzer der Dienstleistungen dieser Konzerne sind, sondern viele unserer Unternehmer mangels Alternativen amerikanische Cloud-Daten-Rechenzentren nutzen." Trotz der angespannten Beziehungen zur US-Regierung mahnte er zur Besonnenheit. "Wir sehen eine Bereitschaft zu verhandeln, es laufen Gespräche."

In den USA ist eine erste Klage gegen die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump eingereicht worden. Die New Civil Liberties Alliance (NCLA) wirft Trump vor, mit den zunächst gegen Mexiko, Kanada und China eingeführten Zollaufschlägen gegen die Verfassung zu verstoßen, wie die Organisation mitteilte. Das von Trump zur Rechtfertigung der Zölle herangezogene Gesetz sei nur für Notfälle vorgesehen.

Trump hatte sich auf ein Gesetz von 1977 berufen, das dem Staatschef erweiterte Befugnisse bei Handelsfragen im Falle eines nationalen Notstands einräumt. Dass dieser vorliegt, bezweifelt die NCLA. Das Gesetz sei für externe Bedrohungen vorgesehen, "nicht um den Präsidenten einen Blankoscheck auszustellen, damit sie über ihre interne Wirtschaftspolitik entscheiden können", heißt es in der bei einem Gericht in Florida eingereichten Klageschrift.

Israel hat nach Regierungsangaben Gespräche mit den USA aufgenommen, um niedrigere US-Zölle auf israelische Importe zu erreichen. "Das Finanzministerium führt einen ständigen Dialog mit der amerikanischen Regierung, um die Zölle zu senken und ihre Auswirkungen auf die israelische Industrie zu verringern", erklärte der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich auf X. 

Kurz vor Verhängung neuer US-Zölle am Mittwoch hatte Israel die letzten noch verbleibenden Importaufschläge auf US-Waren gestrichen - 99 Prozent der Einfuhren aus den USA waren bereits zollbefreit. Es half nichts: US-Präsident Donald Trump belegte am Mittwoch neben etlichen weiteren Handelspartnern auch den engen Verbündeten Israel mit neuen Zöllen von 17 Prozent. 

Die Ankündigung von Gegenzöllen auf US-Importe durch China hat den jüngsten Kurseinbruch an den New Yorker Börsen noch verschärft. Der Dow Jones Industrial sackte im frühen Handel um weitere 2,5 Prozent auf 39.529 Zähler ab. Am Vortag war der weltweit bekannteste Aktienindex bereits um 4 Prozent gefallen, nachdem US-Präsident Donald Trump umfangreiche Importzölle angekündigt hatte. Der Dow fiel nun auf den niedrigsten Stand seit August vergangenen Jahres. Es droht die verlustreichste Börsenwoche seit Oktober 2020.

"Es war ein schwarzer Freitag", Anja Kohl, HR, zu Finanzmärkte auf Talfahrt nach Zollstreit zwischen den USA und China

tagesschau24, 04.04.2025 20:00 Uhr

China hat laut US-Präsident Donald Trump falsch auf seine neuen Zölle reagiert. "China hat es falsch gemacht, sie sind in Panik geraten - die eine Sache, die sie sich nicht leisten können", schrieb Trump in Großbuchstaben in einem Beitrag auf seiner Social-Media-Plattform. Die Regierung in Peking hatte gleich hohe Sonderzölle von 34 Prozent auf US-Waren angekündigt.

Eskalation im Handelsstreit zwischen China und der USA

Sarah Schmidt, ARD Washington , tagesschau, 04.04.2025 20:00 Uhr

US-Präsident Donald Trump fordert Geschäftsleute auf, in den Vereinigten Staaten zu investieren. "An die vielen Investoren, die große Mengen an Geld in den USA investieren: Meine Politik wird sich nie verändern", schreibt er auf seiner Social-Media-Plattform. "Das ist eine tolle Zeit, um reich zu werden, reicher als jemals zuvor!!!" Nach seiner Ankündigung von breit angelegten Zöllen auf US-Importe sind die weltweiten Finanzmärkte den zweiten Tag in Folge im Sinkflug.

Verstößt US-Präsident Donald Trump mit seinen Zollentscheidungen zulasten von Alliierten gegen den Gründungsvertrag der NATO? Generalsekretär Mark Rutte beantwortet diese Frage mit einem klaren "Nein". In der Vergangenheit habe es schon öfter Meinungsunterschiede bezüglich der Rechtmäßigkeit von Zöllen gegeben, sagte der frühere niederländische Regierungschef nach einem NATO-Außenministertreffen in Brüssel. In diesen Fällen seien auch keine Vertragsverletzungen festgestellt worden.

Bei dem NATO-Treffen hatte zuvor unter anderem der norwegische Außenminister Espen Barth Eide die beispiellosen Zollentscheidungen Trumps in Verbindung mit Artikel 2 des Nordatlantikvertrags gebracht. In diesem heißt es, die Vertragsparteien "werden bestrebt sein, Gegensätze in ihrer internationalen Wirtschaftspolitik zu beseitigen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen einzelnen oder allen Parteien zu fördern".

Der deutsche Außenhandelsverband BGA befürchtet nach den chinesischen Gegenzöllen auf US-Waren eine weitere Eskalation im Handelskonflikt. "Dies ist erst der Anfang der katastrophalen Zoll-Lawine, die Präsident Trump mutwillig losgetreten hat", sagte BGA-Präsident Dirk Jandura der Nachrichtenagentur Reuters. "Sie wird auf allen Seiten, weltweit, erhebliche wirtschaftliche Schäden anrichten."

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sorgt sich, dass die heimische Wirtschaft unter die Räder kommen könnte. "Die USA und China sind die beiden größten Volkswirtschaften der Welt und gleichzeitig unsere wichtigsten Handelspartner", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Ein Handelskonflikt zwischen ihnen bremst den Welthandel und belastet Deutschland als Exportnation in besonderem Maße. Die sinkende internationale Nachfrage würde unsere Wirtschaft spürbar treffen." Strafzölle und Gegenzölle schadeten letztlich allen und störten die Lieferketten erheblich.

Angesichts der Unsicherheiten im Zuge der neuen US-Zölle will die EU den Abschluss eines Handelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten vorantreiben. "Wir werden viel Zeit und Energie zusammen mit den Mitgliedstaaten investieren, um das Abkommen abzuschließen", sagt ein EU-Sprecher in Brüssel. Das wäre eine große Gelegenheit.

Zuletzt hatte vor allem Frankreich Vorbehalte gegen die im Dezember erzielte Einigung der EU-Kommission auf ein Handelsabkommen mit den vier Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Die Regierung in Paris befürchtet Nachteile für die heimische Wirtschaft, insbesondere die Landwirte. Nach der jüngsten Zollrunde von US-Präsident Donald Trump hatte die französische Regierung aber am Donnerstag mit zehn anderen EU-Ländern mit Bedenken über Lösungsmöglichkeiten beraten. Damit signalisiert sie auch den Willen, Handelspartnerschaften breiter aufzustellen.

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom will einem Medienbericht zufolge andere Länder darum bitten, in dem US-Bundesstaat hergestellte Produkte von Vergeltungszöllen auszunehmen. Newsom werde dazu im Laufe des Tages entsprechende Pläne vorstellen, meldete der Sender Fox News. Demnach werde seine Regierung versuchen, "strategische" Beziehungen zu Staaten aufzubauen, die Vergeltungszölle verkünden. Newsom wolle damit auf die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump reagieren.

Er gehört der Demokratischen Partei an und wird regelmäßig als potenzieller Präsidentschaftskandidat gehandelt. Trump ist Republikaner. Kalifornien zählt für sich genommen zu den größten Volkswirtschaften der Welt. Viele Technologiekonzerne haben dort ihren Sitz.

Der verschärfte Handelskonflikt zwischen den USA und China hat den Kursrutsch im DAX am Nachmittag beschleunigt. Mit einem Minus von mehr als 1.000 Punkten oder gut fünf Prozent auf ein Tagestief von 20.590 Punkten weitete der deutsche Leitindex sein Wochenminus auf rund acht Prozent aus. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab zuletzt um rund viereinhalb Prozent nach.

Die Regierung in Peking kündigte neben den Gegen-Zöllen Kontrollen für den Export von Seltenen Erden in die USA an - darunter Samarium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Lutetium, Scandium und Yttrium. Das soll bereits ab diesem Freitag gelten. Seltene Erden sind für viele High-Tech-Produkte wie Handys und auch in der Rüstungsindustrie unverzichtbar.

Elf US-Unternehmen wurden als "unzuverlässige" Unternehmen eingestuft. Das erlaubt der Regierung, Strafmaßnahmen gegen ausländische Firmen zu ergreifen. "Der Zweck der gesetzeskonformen Umsetzung von Exportkontrollen für relevante Güter durch die chinesische Regierung besteht darin, die nationale Sicherheit und Interessen besser zu schützen", hieß es in einer Erklärung des Handelsministeriums.

Die Bundesregierung warnt nach der Ankündigung neuer US-Zölle vor einer Verschärfung des Handelskonflikts. "Wir arbeiten nicht an einer Eskalation der Situation, sondern wir arbeiten daran, dass das im Verhandlungswege aufgelöst wird", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Wolfgang Büchner. "Wir setzen auf Kooperationen und nicht auf Konfrontationen."

Deshalb wolle er keine Äußerungen etwa des französischen Präsidenten Emmanuel Macron kommentieren, der eine harte Antwort der EU gefordert hatte. "Alle solchen öffentlichen Überlegungen würden jetzt nicht dazu beitragen, dass man zu einer guten kooperativen Lösung kommt", sagte der Regierungssprecher aber. Ziel sei es, dass die 27 EU-Staaten geschlossen auf den US-Schritt reagierten. Die USA seien weiter einer der wichtigsten Partner und Verbündeten Deutschlands.

China reagiert auf die US-Zölle mit Gegenmaßnahmen. Auf alle US-Waren werde nun ebenfalls ein Zoll von 34 Prozent fällig, kündigte das Finanzministerium in Peking an. Dieser soll ab 10. April gelten.

Die neuen US-Zölle treffen China - das Land, mit dem die USA das größte Handelsdefizit haben - besonders stark. Für Importe aus der Volksrepublik in die USA gilt künftig ein weiterer Zollsatz von 34 Prozent. Dieser addiert sich zu einem Zollsatz von 20 Prozent, der bereits seit dem 4. März für Waren aus der Volksrepublik in Kraft trat und der auf zuvor geltende Zölle draufgesattelt wurde. Der neue zusätzliche Zollsatz für China-Importe summiert sich somit auf 54 Prozent.

Taiwans Präsident Lai Ching-te hat die von US-Präsident Donald Trump gegen Taiwan verhängten Zölle als unangemessen bezeichnet. Er werde den davon in Mitleidenschaft gezogenen Industrien "größte Unterstützung" anbieten, erklärte er in einem Facebook-Beitrag. Lai erkannte an, dass sein Land einen Handelsüberschuss mit den USA habe. Dieser gehe jedoch größtenteils auf taiwanische Unternehmen zurück, die versuchten, den großen Bedarf der USA an IT-Produkten zu decken. "Wir halten dies für unangemessen und sind besorgt über die möglichen Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die Weltwirtschaft", schrieb Lai.

Mit 288 Milliarden Taiwan-Dollar (umgerechnet fast acht Milliarden Euro) will die Regierung in Taipeh Unternehmen und Industriezweigen unter die Arme greifen, damit sie die Folgen der neuen US-Handelspolitik bewältigen können. Dabei sollen 200 Milliarden Taiwan-Dollar als Exportkredite zur Verfügung gestellt werden und der Rest direkt an die von den Zöllen betroffenen Konzerne gehen. Dazu gehören allerdings nicht die Firmen der Halbleiter-Industrie, die mit dem Chip-Riesen TSMC eine der wichtigsten Exportbranchen des Landes stellt. TSMC hatte im März neue Investitionen im Volumen von 100 Milliarden US-Dollar in den USA in Aussicht gestellt. Allgemein muss Taiwan jedoch mit Zöllen in Höhe von 32 Prozent rechnen.

Die südafrikanische Regierung hat erklärt, die angekündigten US-Zölle würden die Vorteile, die afrikanische Länder im Rahmen der US-Handelsinitiative African Growth and Opportunity Act (AGOA) genießen, faktisch zunichte machen.

AGOA, das berechtigten afrikanischen Ländern zollfreien Zugang zum US-Markt gewährt, läuft im September aus. Trumps weitreichende Zölle lassen eine Verlängerung des im Jahr 2000 geschlossenen Handelsabkommens unwahrscheinlich erscheinen.

Auf einer Pressekonferenz erklärten die südafrikanischen Außen- und Handelsminister, die Regierung könne versuchen, zusätzliche Ausnahmen und Quotenabkommen mit den USA zu erreichen und ihre Exportmärkte zu diversifizieren. "Die umfassenden Zollmaßnahmen werden mehrere Sektoren unserer Wirtschaft betreffen, darunter die Automobilindustrie, die Landwirtschaft, die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, die Chemie- und Metallindustrie sowie andere Bereiche des verarbeitenden Gewerbes, mit Folgen für Arbeitsplätze und Wachstum", erklärten die beiden Minister in einer gemeinsamen Erklärung.

"Die Regierung wird strategisch in die von den Zöllen betroffenen Branchen investieren und das Wirtschaftswachstum durch Modernisierung und gezielte Infrastrukturentwicklung unterstützen", erklärten sie.

04.04.2025 • 10:06 Uhr

Vietnam kritisiert Zölle scharf

Vietnam hat die hohen US-Zölle auf Exporte des südostasiatischen Landes in die USA beklagt. "Wir glauben, dass diese Entscheidung nicht mit der Realität einer für beide Seiten vorteilhaften Wirtschafts- und Handelskooperation zwischen beiden Ländern vereinbar ist", sagte eine Sprecherin des vietnamesischen Außenministeriums in einer Erklärung. Vietnam habe sich aktiv mit den USA auseinandergesetzt, um Bedenken auszuräumen, die Handelsbeziehungen zu fördern und auf einen fairen, für beide Seiten vorteilhaften Handel hinzuarbeiten. Die Zölle spiegelten nicht den Geist der umfassenden strategischen Partnerschaft wider, die die beiden Länder 2023 unterzeichnet hätten.

Nach Trumps Zollankündigung war der vietnamesische Aktienmarkt am Donnerstag eingebrochen. Anleger trieb dies in Scharen zu Goldkäufen. In der Hauptstadt Hanoi standen Menschen Schlange, um in das Edelmetall zu investieren. In kein anderes Land exportiert Vietnam so viele Waren wie in die USA. Im Jahr 2021 machten diese Exporte mit einem Wert von 142 Milliarden US-Dollar ein Drittel des vietnamesischen Bruttoinlandsprodukts aus.

Die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier geht davon aus, dass US-Präsident Donald Trump wegen der Auswirkungen seiner Zollpolitik innenpolitisch unter Druck stehen wird. Die US-Amerikaner seien nicht bereit, auf Wohlstand zu verzichten, sagte die Ökonomin von der University of California Berkeley im Deutschlandfunk. Den USA stehe aber ein "Inflationsschock" bevor, und der werde der Trump-Regierung zugerechnet werden.

Mit Blick auf die EU sagte Malmendier, sie hoffe, dass es Verhandlungen gebe statt Eskalation. Grundsätzlich müsse man jedoch davon ausgehen, dass Trump von seiner Idee, die amerikanische Industrie zu beschützen, nicht abgehen werde. Die Europäer müssten jetzt ihren Binnenmarkt stark machen und noch bestehende Hemmnisse in der EU abbauen. Nötig sei auch eine Kapitalmarktunion.

Nach dem Inkrafttreten der US-Zölle auf Autoimporte will der japanische Autobauer Nissan nach eigenen Angaben zwei in Mexiko hergestellte SUV-Modelle nicht mehr in den USA vermarkten. Nissan "setzt die Bestellungen des Infini QX50 und des QX55" aus, die in einer Fabrik in Mexiko für den US-Markt hergestellt werden, erklärte das Unternehmen.  Die Produktion des Nissan Rogue hingegen werde "im Werk in Smyrna, Tennessee, beibehalten, um in den USA ein größeres lokalisiertes Volumen zu erhalten, das von den neuen Zöllen ausgenommen ist", fuhr das Unternehmen fort. 

In Mexiko macht sich Erleichterung breit, nachdem das Land gemeinsam mit Kanada vom jüngsten Zollpaket der Trump-Regierung verschont bleibt. Präsidentin Claudia Sheinbaum sagte, dass das während Trumps erster Amtszeit unterzeichnete Freihandelsabkommen der beiden Länder Mexiko geschützt habe. Ihre Regierung werde sich nun auf die bestehenden Importzölle in Höhe von 25 Prozent auf Autos, Stahl und Aluminium konzentrieren. Gleichzeitig soll die heimische Produktion beschleunigt werden, um Arbeitsplätze zu sichern und Importe zu reduzieren, sagte Sheinbaum.

Der mexikanische Wirtschaftsminister Marcelo Ebrard wies darauf hin, dass Mexiko zwar von der jüngsten Runde der Zölle verschont geblieben sei und dass große Teile der mexikanischen Exporte, darunter landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Avocados, Kleidung und Elektronik, weiterhin ohne Einfuhrzölle in die USA gelangen würden. Es sei aber nicht selbstverständlich, dass das Freihandelsabkommen erhalten bleibe. Die Tatsache, dass es noch bestehe, verschaffe Mexiko einen Wettbewerbsvorteil, denn "in Mexiko wird es billiger sein, zu produzieren als in jedem anderen Teil der Welt".

Mit neuen Zöllen will US-Präsident Donald Trump die EU dazu bringen, sich für US-amerikanische Automarken zu öffnen. Doch Experten widersprechen: Nicht Handelsschranken oder Zölle seien schuld am schwachen Abschneiden der US-Autobauer in Europa, sondern deren Modelle. "Das ist das große Problem der US-Hersteller, die Geschmäcker der europäischen Konsumenten einfach nicht zu treffen", sagt Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Einzige Ausnahme sei Tesla, fügt Bratzel hinzu.

"Die Autos aus Amerika sind bei uns schlicht unverkäuflich", sagt auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Für Europa seien sie zu groß, der Benzinverbrauch viel zu hoch angesichts der hiesigen Spritpreise. "Du kannst hier kein Auto verkaufen mit acht Zylindern und 15 Litern Verbrauch." In den USA sei das angesichts der dortigen Benzinpreise kein Problem, in Europa schon.  Das jahrelang meistverkaufte US-Modell, der Pick-up-Truck Ford F-150, wird in Europa daher gar nicht offiziell angeboten, ebenso wenig wie das Konkurrenzmodell der Stellantis-Marke Ram. Konkurrenzfähige Klein- und Kompaktwagen hätten die US-Hersteller dagegen gar nicht im Angebot. Daran, so Dudenhöffer, könnten auch Zölle nichts ändern

US-Präsident Donald Trump stellt China einen Zollnachlass in Aussicht, falls die Regierung in Peking grünes Licht für den Verkauf des Kurzvideodienstes TikTok gibt. Er würde ein derartiges Geschäft in Betracht ziehen, sagte der Präsident vor Journalisten an Bord der Air Force One. Nach seinen Worten ist ein Verkauf von TikTok in greifbare Nähe gerückt, mehrere Investoren seien daran beteiligt.

Die USA haben im Rahmen von neuen Zöllen Aufschläge von inzwischen insgesamt 54 Prozent für Importe aus China vorgesehen. Eine Stellungnahme von TikTok liegt noch nicht vor.

Der geschäftsführenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Kristalina Georgieva zufolge stellen die umfassenden US-Zölle ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft dar. "Wir sind noch dabei, die makroökonomischen Auswirkungen der angekündigten Zollmaßnahmen zu bewerten, aber sie stellen eindeutig ein erhebliches Risiko für die globalen Aussichten in einer Zeit schleppenden Wachstums dar", sagte Georgieva in ihrer Stellungnahme zu den Risiken. Es sei wichtig, Schritte zu vermeiden, die der Weltwirtschaft weiter schaden könnten, so die IWF-Chefin.

Sie appellierte an die USA und ihre Handelspartner, konstruktiv am Abbau der Spannungen zu arbeiten. Der IWF werde seine Einschätzung der angekündigten Zölle bei der Veröffentlichung einer Aktualisierung seines Weltwirtschaftsausblicks während der Tagung vom 21. bis 26. April in Washington, D.C., bekannt geben, bei der die Mitglieder und Anteilseigner von IWF und Weltbank zusammenkommen, fügte Georgieva hinzu.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. April 2025 um 07:26 Uhr.