Ein Foto einer Betonskulptur, die sich vor dunkelblauem Himmel im flachen Wasser spiegelt. Ein schwarzes Rechteck im Beton lässt eine Öffnung vermuten.

Sachsen-Anhalt Ausstellung in Magdeburg widmet sich Beton in der Kunst

Stand: 09.03.2025 12:40 Uhr

Das Kunstmuseum Magdeburg zeigt in der Ausstellung "Opération Béton" einen Baustoff, der sowohl fasziniert wie auch abschreckt. Vier Künstler haben sich dem Thema Beton aus verschiedenen Perspektiven genähert: der Fotograf Erasmus Schröter, die Bildhauerin und Architektin Marta Dyachenko, der Vertreter der konkreten Kunst Karl-Heinz Adler und der Konzeptkünstler Carsten Nicolai.

Von Sandra Meyer, MDR Kulturdesk

Beim Betreten der Räume der Ausstellung "Opération Béton" im Kunstmuseum Magdeburg steht man vor einer gigantischen Betonwand – als hochgezogenes Foto einer echten Wand von Karl-Heinz Adler, die noch in Plauen steht und erst frisch restauriert wurde. Das kommt nicht von ungefähr, sagt die Kuratorin und Direktorin des Museums, Annegret Laabs, da solch scheinbar alltägliche Bauwerke sehr viel über die Zeit ihrer Entstehung erzählen, hier die Neuinterpretation des Werkstoffs Beton in einer Zeit des Wiederaufbaues.

Einne Mauer aus geschwungenenen Betonsteinen, dahinter ein Plattenbau.

Eine der von Karl-Heinz Adler in Freital geschaffenen Mauern als Kunst am Bau. Im Hintergrund die von vielen Menschen mittlerweile als abstoßend betrachtete Betonarchitektur des DDR-Plattenbaus.

Konstruktivistische Kunst

Diese Beton-Steinwände seien ab den 1970er-Jahren überall im Osten Deutschlands gebaut worden und beruhten auf zwölf Formsteinen, die Adler und Kracht entworfen haben, sagt Laabs, sie funktionierten im Prinzip wie ein Baukastensystem, aus zwölf Formen können immer wieder neue Wände entstehen. Laabs erläuert: "Jeder, der da hineinläuft und der ein bisschen in der DDR unterwegs war, wird sofort sagen: 'Ach ja, kenne ich.'" Neben der Fototapete sind diese legendären Formsteine in der Ausstellung auch real zu sehen. So kann man ein wenig die Wucht und Kraft des Materials erfassen.

Jeder, der da hineinläuft und der ein bisschen in der DDR unterwegs war, wird sofort sagen: 'Ach ja, kenne ich.' Kuratorin und Museumsdirektorin Annegret Laabs zu den Beton-Formsteinen von Adler und Kracht |

Daneben werden Adlers ästhetisch-geometrisch in schwarz-weiß gezeichneten Entwürfe gezeigt, aber auch weitere Werke, die erkennen lassen, wie er dazu inspiriert wurde. Adler sei einer der Hauptvertreter der konstruktivistischen Art gewesen, erläutert Laabs. Den großen Ruhm, der ihm jetzt zuteil wird, habe er persönlich aber gar nicht erleben können, in der DDR gehörte er immer zu den Nichtangepassten. Adler ist einer von vier Künstlern, deren Werke nun in Magdeburg zusammengestellt wurden.

Karl-Heinz Adler, ein Mann mit Bart und Schal vor einer Betonwand und einer Büste.

Karl-Heinz Adler prägte mit seinem künstlerischen Verständnis von Beton die Ästhetik der DDR.

Betonbunker in farbiges Licht getaucht

Bei der Schau ging es der Kuratorin Laabs vor allem um den ambivalenten Baustoff Beton, diese robuste, aber auch klimaschädliche Mischung aus Zement, Gestein und Wasser, die nicht nur in der Architektur, sondern auch in der Kunst aufgegriffen wurde.

Wie bei den Fotografien von Erasmus Schröter. Er hat die kolossalen Bunker des sogenannten "Atlantikwalls" mit farbigen Scheinwerfern in farbiges Licht getaucht, so dass Größenwahn, Bedrohung und Lächerlichkeit dicht nebeneinanderliegen. Auf einem Foto ist ein Bunker so merkwürdig im Sand versunken, dass man glaubt, es sei ein Krokodil und ein anderer ist so beleuchtet, dass man ein Gesicht zu erkennen meint. Die überbordende Ästhetik schleift so die Monstrosität des Materials.

Ein Foto eines Betonturmes wird in der blauen Stunde zusätzlich mit blauem Licht angestrahlt. Der Turm hat oberhalb eine ungewöhnliche, an einen Kopf erinnernde Form, Bäume rahmen den Bau.

Erasmus Schröter hat diesen Bunker 1992 farbig illuminiert und dann fotografiert.

Die 3.000 riesengroßen Betonbunker des "Atlantikwalls" seien ein Nachlass des Zweiten Weltkrieges, erklärt Laabs, sie versänken im Meer und im Sand und können nicht zurückgebaut werden, weil sie Abermillionen Tonnen Beton in sich hätten.

Beton zwischen Vergänglichkeit und Ewigkeit

Immer aber geht es auch um die Vergänglichkeit. So im Video "Betonschiff ohne Namen" von Carsten Nicolai. Wie ein Geisterschiff sieht man ein riesiges Betonwrack im Wasser. Es ist ein ehemaliges Frachtmotorschiff, das seit 50 Jahren bei Wismar in der Bucht liegt, und vom Künstler mal aus der Vogelperspektive, mal in grandiosen Detailaufnahmen auf die Leinwand gebracht wird – unterlegt mit eigenwilligem Sound.

Auf einer stillen Wasseroberfläche "schwimmt" ein Schiff aus Beton.

Das "Betonschiff ohne Namen" (Filmstill) von Carsten Nicolai ist 2023 entstanden.

Nicolai thematisiere die Widersprüchlichkeit zwischen Vergehen und Bewahren, sagt Laabs, überhaupt gehe es in der Ausstellung um das, was der Beton mit den Menschen mache, "die irgendetwas entwerfen, was künstlich ist und was nie wieder vergeht".

Das Unvergängliche ist auch das Thema bei den Skulpturen der Ukrainerin Marta Dyachenko, die sie aus alten Beton-Versatzstücken, gewonnen unter anderem aus Schutthaufen, zusammengebaut hat.

Auf einem grauen Boden liegt eine Skulptur aus mehreren Schichten Beton, die oben abgerundet sind und unten eine Schnittkante aufweisen. Zwischen Beton und Boden liegt eine Platte aus verzinktem Blecht, außerdem liegt auf dem Betonstück ein Stahlelement.

Marta Dyachenko schafft ihre Objekte aus Betonresten, denen sie eine neue, künstlerische Bestimmung gibt.

Am Ende geht es in der Magdeburger Ausstellung um aktuelle Themen: Bewahrung und Zerstörung, Krieg und Klimakrise, aber auch um die großartigen Möglichkeiten, aus Vergangenem Neues zu schaffen. Eine spannungsreiche und gleichsam ansprechende Ausstellung, die im besten Sinn zum Nachdenken anregt.

Die Ausstellung

"Opération Béton"
Karl-Heinz Adler, Erasmus Schröter, Carsten Nicolai, Marta Dyachenko

9. März bis 15. Juni 2025

Kunstmuseum Magdeburg
Regierungsstraße 4-6, 39104 Magdeburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 10 bis 17 Uhr
Sonnabend und Sonntag: 10 bis 18 Uhr
montags geschlossen

Quelle: MDR KULTUR (Sandra Meyer)
Redaktionelle Bearbeitung: lm, op