
Sachsen Kulturhauptstadt Chemnitz pflanzt 420 Bäume in einer Woche
Bis zum 6. April findet in Chemnitz und in der umgebenden Kulturhauptstadtregion die Pflanzwoche des Projektes "gelebte Nachbarschaft" statt. Was anfangs als riesige Landart- und Kunstaktion "We parapom" geplant war, erwies sich als nicht umsetzbar. Die neue Idee bindet Chemnitzer Einrichtungen nun viel stärker ein.
- In der laufenden Aktionswoche sind in Chemnitz bereits hunderte Bäume neu gepflanzt worden.
- Besonders Apfelbäume kommen zum Einsatz.
- An dem Projekt sind zahlreiche Chemnitzer Einrichtungen sowie Anwohnerinnen und Anwohner beteiligt.
Seit Montag werden an zahlreichen Orten in Chemnitz und Umgebung Bäume gepflanzt. Das Projekt "Gelebte Nachbarschaft" ist Teil des Kulturhauptstadt-Programms. Bis zum 6. April wollen Chemnitzerinnen und Chemnitzer zum Auftakt der Aktion 420 Bäume pflanzen.
Apfelbäume als europäisches Kulturgut
Die erste Idee ist schon 20 Jahre alt. 2005 hatte Reiner Amme, der selbst einen Obstbaubetrieb unterhält, gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) der Stadt vorgeschlagen, mitten in Chemnitz einen Apfelsortengarten zu pflanzen. An einigen Stellen der Stadt wurden dann auch die ersten Bäume gepflanzt, doch das Ganze nahm erst an Fahrt auf, als im Jahr 2016 diese Idee als eines der Hauptprojekte ins Programm der Kulturhauptstadt aufgenommen wurde.
Diese vielen Apfelsorten sind ein gemeinsames europäisches Kulturgut. Reiner Amme |

Ideengeber Reiner Amme sieht die Apfelbaumsorten als euzropäisches Kulturgut.
Unter dem Namen "We parapom" sollte es dann eine "europäische Parade der Apfelbäume" werden, von insgesamt 2.000 Sorten je zwei Exemplare. Und diese 4.000 Bäume sollten entlang einer Linie quer durch die Stadt gepflanzt werden – eine Mischung aus Stadtbegrünung, Landart und Kunsthappening.
Zur Begründung sagte Rainer Amme: "Diese vielen Apfelsorten sind ein gemeinsames europäisches Kulturgut." Sie seien in alle Länder verbreitet worden, wären mit in die Kolonien genommen worden und zum Teil auch von dort wieder zurückgekommen. "Das ist wirklich eine verbindende Sache und es war naheliegend, das in einer Kulturhauptstadt als Kulturthema zu bearbeiten", so Amme.
Mehr Beteiligung der Nachbarschaft in Chemnitz
Doch in dieser Form erwies sich die Idee als undurchführbar und musste abgespeckt und neu gestrickt werden. Zum einen ist der Apfel keine ideale Stadtpflanze. Apfelbäume gedeihen nicht überall. Sie brauchen guten Boden und einen geschützten Standort.
Zum anderen gab es große Debatten unter den Chemnitzerinnen und Chemnitzern – sie wollten gern selbst zukünftige Standorte mit aussuchen und auch mit pflanzen. Jetzt heißt das Projekt "gelebte Nachbarschaft" und vermutlich wird sich diese Neuausrichtung noch als Segen erweisen.

Das Projekt "Gelebte Nachbarschaft" bringt Menschen bei einer gemeinsamen Mission zusammen.
Gelebte Nachbarschaft besteht darin, gemeinsam Apfelbäume zu pflanzen, zu pflegen und zu feiern. |
Man ahnt es, wenn man zu einem Pflanztag geht, wie an diesem Montag im Stadtpark Chemnitz geschehen: Fast 100 Freiwillige waren trotz Nieselregen und eisiger Kälte gekommen, bestens aufgelegt, und haben mehr als 160 Bäume in die Erde gebracht.

Allein im Chemnitzer Stadtpark wurden am Montag mehr als 160 Bäume gepflanzt.
Julia Naunin koordiniert die Pflanzaktionen und erklärte am Montag, was sich hinter dem Namen "gelebte Nachbarschaft" verbirgt: "Gelebte Nachbarschaft besteht eben darin, gemeinsam Apfelbäume zu pflanzen, zu pflegen und zu feiern." Dazu arbeite man mit Partnern zusammen, wie dem BUND oder Mitarbeitenden der Deutschen Post AG. Hinzu kämen Schulen, Anwohner und andere Freiwillige.
Kulturhauptstadt pflanzt, pflegt und feiert Apfelbäume
Von den anfangs 2.000 geplanten Apfelsorten werden jetzt immerhin noch 700 Sorten verpflanzt, meist kleinere Exemplare, mittelstämmig. Die Interessengemeinschaft Obstbau möchte vor allem den Hobbygärtnern die großartige Vielfalt des Apfeluniversums wieder nahebringen. Und in den Anpflanzungen kann man das wunderbar anschauen und gegebenenfalls bald auch kosten.

Auch Schulen beteiligen sich an der stadtweiten Pflanzaktion.
Um die Apfelbäume auch über die Jahre zu bringen, war es ohne Frage eine gute Idee, nicht nur das Pflanzen, sondern auch Pflege und Ernte an die Menschen in Chemnitz abzugeben – angefangen bei den Kleinsten. Es wird in verschiedenen Kindereinrichtungen wie Kindergärten und Schulen gepflanzt.
Da diese meist nur über wenig Platz verfügen, werden nur ein bis zwei Obstbäume gepflanzt und zusätzlich noch Sträucher – Johannisbeeren und Himbeeren, Stachelbeeren und Blaubeeren – ein köstlicher und unkomplizierter Einstieg ins Gärtnern. So ist aus einer ambitionierten Apfelbaumparade ein Nachbarschaftsprojekt geworden, das – im Wortsinn – sicherlich noch viele Früchte tragen wird.
Mehr Informationen
Bis zum 6. April wird weitergepflanzt. Uhrzeiten, und Orte können auf der Webseite der Kulturhauptstadt im Kalender unter dem Stichwort "Gelebte Nachbarschaft" nachgelesen werden.
04.04. Burgstädt, Rudolf-Breitscheid-Str. 28, 12 bis 14 Uhr
05.04. Chemnitz Stadtteil Hilbersdorf, Dresdner Str. Ecke Weg zum Kleingartenverein Fuchsberg, 9 bis 13 Uhr
05.04. Marienberg OT Zöblitz, Gerbergasse 144, 11 bis 13 Uhr
05.04. Chemnitz, Jagdschänkenstr. 14, 14 bis 15:30 Uhr
06.04. Chemnitz am Industriemuseum, Zwickauer Str. 119, 14 bis 16 Uhr
Im Herbst wird es vom 19. bis 26. Oktober 2025 ein weiteres Pflanz-Festival geben. Hierzu kann man sich noch als Pflanzpatin oder Pflanzpate melden oder eine Fläche zur Apfelbaum-Pflanzung beitragen.
Redaktionelle Bearbeitung: hro