Auf einer Demonstration hält eine Person ein Schild mit der Aufschrift "Jeder Tag ist Frauentag".

Sachsen Internationaler Frauentag: Wie denken Frauen in Sachsen darüber?

Stand: 08.03.2025 12:47 Uhr

Am Internationalen Frauentag wird seit mehr als 100 Jahren weltweit auf Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht. Doch braucht es diesen Tag heutzutage noch? Und worauf legen Frauen beim Thema Gleichberechtigung Wert? MDR SACHSEN hat mit fünf Frauen darüber gesprochen.

Von MDR SACHSEN

Wie ticken die Frauen in Chemnitz? Was sind ihre Träume? Fühlen sie sich gleichberechtigt? Das will MDR SACHSEN wissen und macht sich auf gut Glück auf den Weg. Doch bei der Straßenumfrage in der Innenstadt winken einige Frauen ab. Der Frauentag habe keine Bedeutung für sie oder sie haben keine Zeit dafür. Für andere ist der Tag - und vor allem, wofür er steht - ein größeres Thema.

Sophie Wohlan: "Weil zwischen Arbeit und Familie kein 'Oder' passt"

Für Sophie Wohlan zum Beipiel. Sie hat zwei Kinder und ist seit Kurzem nach der Elternzeit zurück in ihrem Job als Montagewerkerin. Da sie und ihr Mann jeweils in zwei Schichten arbeiten, muss die Betreuung der Kinder gut geplant sein. "Ich hatte letzte Woche meine erste Spätschichtwoche und mein Mann erlebt es jetzt am eigenen Leib, was wir Mamas tagtäglich für Arbeit leisten", erzählt sie. "Nach dem Feierabend geht dann eben die zweite Schicht los."

Die 32-Jährige engagiert sich neben Beruf und Familie im Frauennetzwerk der IG Metall Zwickau. Gerade ist sie auch auf einer Plakatkampagne im Vorfeld des Frauentages mit 16 anderen Frauen zu sehen, die sagen, warum sie sich für Gleichberechtigung und für ihre Region stark machen. Besonders am Herzen liegt ihr neben der Vereinbarkeit von Familie und Beruf die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Auf dem Plakat wird sie mit "Weil zwischen Arbeit und Familie kein 'Oder' passt" zitiert.

34-Jährige aus Chemnitz: "Gibt immer noch Vorurteile bei Frauen in Führungspositionen"

Für eine 34 Jahre alte Frau aus Chemnitz ist der Frauentag nicht so wichtig. "Es fehlt noch an Gleichberechtigung, aber das kann man nicht an einem Tag festmachen", sagt sie. Es gebe immer noch das Vorurteil, dass Männer geeigneter für Führungspositionen seien. Mit ihrem Mann teile sie sich die Carearbeit fair auf. "Aber arbeitgeberseitig wird es bei Männern weniger anerkannt, dass sie zu Hause bleiben, wenn das Kind krank ist", sagt sie. Es sei immer noch normal, dass dann die Frau nicht arbeiten gehe.

Maria Lietsch: "Ein Tag im Jahr für Frauenrechte reicht nicht aus"

Für die 25-jährige Maria Lietsch reicht ein Tag im Jahr, der die Frauenrechte in den Mittelpunkt stellt, nicht aus. "Es gibt noch viel zu viele Bereiche, in denen nicht an Frauen gedacht wird oder viel zu wenig", sagt die IT-Forensikerin aus Mittweida. "An den wichtigen Stellen sind oft noch Männer repräsentativ und entscheiden, wo es langgeht." Frauen würden in hohen beruflichen Positionen zu wenig vorkommen. Unbezahlte Carearbeit sei dagegen oft immer noch reine "Frauensache".

Junge Frau

Maria Lietsch ist ein Tag im Jahr, der Frauenrechte in den Fokus rückt, zu wenig.

Melanie aus Chemnitz: "Frauentag für wichtige Themen nutzen"

Melanie aus Chemnitz fühlt sich gut und gleichberechtigt als Frau. "Allerdings gibt es viele benachteiligte Frauen", sagt sie. Gerade in Bezug auf Frauenhäuser, Schutz vor häuslicher Gewalt und Ehrenmorden sieht sie noch Handlungsbedarf. "Der Frauentag kann wichtig sein, um auf solche Themen den Blick zu richten." Gleiche Bezahlung ist dagegen für sie kein Thema, da sie selbst nicht von Ungleichheit betroffen sei und auch nicht einschätzen könne, wie viele Frauen tatsächlich schlechter als Männer bezahlt werden.

*Name auf Wunsch redaktionell geändert

Equal Pay Day: Ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen

Annemarie Lang: "Frauen mit Kindern werden beruflich benachteiligt"

"Das Thema Gleichberechtigung ist immer noch wichtig und besonders am Frauentag sollte man sich dafür besonders stark machen", meint Annemarie Lang aus Mittweida. Nachholbedarf sieht die 30-Jährige vor allem im Berufsumfeld. "Frauen, die Kinder haben, werden oft benachteiligt und das Problem haben Männer, die Kinder haben, nicht", sagt sie.

Junge Frau

Annemarie Lang findet, dass Frauen mit Kindern im Beruf oft benachteiligt werden.

Auch wenn die Carearbeit in ihrem Fall gleich verteilt sei, würden bei kranken Kindern meistens die Frauen zu Hause bleiben. "Für viele ist es selbstverständlich, dass der Mann dann weiter arbeitet", sagt sie. Als Pflegefachkraft in der stationären Altenpflege ist Schichtarbeit bei Lang normal. "Mein Mann ist flexibel und unterstützt mich sehr bei der Kinderbetreuung", so Lang. "Allein würde ich es sonst nicht schaffen."

Fakten zum Internationalen Frauentag
- Der Internationale Frauentag wurde 1910 von der II. Internationalen Konferenz Sozialistischer Frauen in Kopenhagen ins Leben gerufen. - Er sollte die "klassenbewussten, politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats" nicht nur für das Frauenwahlrecht mobilisieren, sondern darüber hinaus auch die gesamte Frauenfrage beleuchten. - Er wird jedes Jahr am 8. März begangen. - In Deutschland ist der Internationale Frauentag in zwei Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag: in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, in den übrigen Bundesländern nicht. - Weltweit ist der Internationale Frauentag in insgesamt 26 Ländern gesetzlicher Feiertag, darunter viele, die früher kommunistisch geprägt waren.

MDR (ali)