Die Barmherzigen Brüder Schönfelderhof planen in Zemmer eine Wohngruppe für psychisch kranke Straftäter.

Rheinland-Pfalz Neue Wohngruppe in Zemmer: "Die Menschen haben eine Chance verdient"

Stand: 02.04.2025 02:30 Uhr

Die Barmherzigen Brüder Schönfelderhof wollen in Zemmer eine Wohngruppe für Patienten aus der forensischen Psychiatrie eröffnen. Bürger zeigen dafür zunehmend Verständnis.

Rund 90 Menschen haben am Dienstagabend eine Infoveranstaltung der Barmherzigen Brüder Schönfelderhof in Orenhofen (Eifelkreis Bitburg-Prüm) besucht. Es ging um die geplante Wohngruppe für psychisch kranke Patienten aus dem Maßregelvollzug, die im August im benachbarten Zemmer starten soll.

Die Idee für die neue Wohngruppe wurde im Januar auf einer Veranstaltung in Zemmer-Schleidweiler erstmals vorgestellt und von Anwohnern kritisiert. Viele befürchteten, dass die Bewohner wieder eine Straftat begehen könnten.

Viel Verständnis für neue Wohngruppe in Zemmer

Anders als bei der Veranstaltung Anfang des Jahres gab es beim Infoabend am Dienstag in der Orenhofener Eifelhalle keine Zwischenrufe oder hämischen Applaus für die Pläne. Im Gegenteil: Die Bürger zeigten viel Verständnis für die neue Wohngruppe in Zemmer.

Die Menschen haben eine Chance verdient. Anwohnerin aus Orenhofen

"Ich hatte am Anfang die Befürchtung, dass Schwerverbrecher zu uns kommen. Jetzt sehe ich das anders. Ich habe keine Angst mehr", sagte eine Bürgerin aus Orenhofen. Auch ihr Umfeld blicke auf das Projekt in Zemmer inzwischen entspannter. "Die Menschen aus dem Maßregelvollzug haben eine Chance verdient. Ich stehe dem jetzt positiv gegenüber", so die Frau.

Eine Wohngruppe für Patienten aus der forensischen Psychiatrie Nette-Gut soll in Zemmer entstehen. Knapp 90 Bürger haben sich in Orenhofen über die Pläne informiert.

Eine Wohngruppe für Patienten aus der forensischen Psychiatrie Nette-Gut soll in Zemmer entstehen. Knapp 90 Bürger haben sich in Orenhofen über die Pläne informiert.

Veranstalter mit Infoabend in Orenhofen zufrieden

Jeweils zwei Vertreter der Klinik Nette-Gut und der Einrichtung der Barmherzigen Brüder Schönfelderhof hatten in Orenhofen die Pläne für die neue Wohngruppe in Zemmer vorgestellt. Sie beantworteten eine Stunde lang Fragen aus dem Publikum.

Vereinzelte Bedenken konnten zu Beginn des Abends laut Veranstalter ausgeräumt werden. "Es war eine positive Veranstaltung", bilanziert Rainer Klippel von den Barmherzigen Brüdern Schönfelderhof. Die Bürger hätten sich inzwischen stärker mit dem Thema befasst und seien aufgeklärter gewesen.

Constantin Ney ist Ortsbürgermeister in Zemmer. Er spürt mehr Zustimmung aus der Bevölkerung für die neue Wohngruppe am Schönfelderhof.

Constantin Ney ist Ortsbürgermeister in Zemmer. Er spürt mehr Zustimmung aus der Bevölkerung für die neue Wohngruppe am Schönfelderhof.

Auch der Zemmerer Ortsbürgermeister Constantin Ney (parteilos) ist mit der Veranstaltung zufrieden: "Es blieben keine Fragen offen. Das hat mich sehr gefreut." Jeder habe seine Frage stellen können. "Die Menschen konnten nach der Veranstaltung mit einem besseren Gewissen nach Hause gehen."

Neue Bürgersprechstunde zur Wohngruppe startet am Montag

Der Veranstaltung am Dienstagabend in Orenhofen waren viele Gespräche in den vergangenen Monaten vorausgegangen. Vertreter der Barmherzigen Brüder Schönfelderhof unterhielten sich mit Kommunalpolitikern, Einsatzkräften und Bürgern.

Zudem wurde der Einrichtung vorab ein Fragebogen überreicht. Die Antworten dazu seien inzwischen auf der Internetseite des Trägers zu finden. Außerdem haben die Barmherzigen Brüder eine neue Bürgersprechstunde rund um das Projekt in Zemmer eingeführt. Sie startet laut Klippel ab Montag. Eine Voranmeldung sei aber notwendig.

Patienten waren bei Straftat unzurechnungsfähig

Die künftigen Bewohner in der Wohngruppe in Zemmer haben nach Angaben der Barmherzigen Brüder Schönfelderhof aufgrund ihrer psychischen Erkrankung eine Straftat begangen und sind von einem Gericht bei ihrer Straftat für unzurechnungsfähig erklärt worden.

Sie seien seither in der forensischen Psychiatrie Nette-Gut in Weißenthurm (Kreis Mayen-Koblenz) untergebracht und werden behandelt. Der Wechsel nach Zemmer sei der letzte Schritt in der Therapie, bevor sie aus dem Maßregelvollzug entlassen werden könnten.

Was ist der "Maßregelvollzug" überhaupt?
In den Maßregelvollzug kommen Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung, Sucht oder mangelnder Intelligenz eine Straftat begangen haben und für schuldunfähig erklärt wurden. Sie wurden anschließend von einem Gericht in einer forensischen Psychiatrie untergebracht. Der Maßregelvollzug hat die Aufgabe, die Bevölkerung vor weiteren Straftaten dieser Menschen zu bewahren. Das soll mit verschiedenen Therapien gelingen. Ziel ist es, die Patienten auf ein straffreies Leben danach vorzubereiten. (Quelle: Landschaftsverband Westfalen-Lippe) 

Die Bewohner sollen in der Wohngruppe mithilfe von Mitarbeitern lernen, sich wieder im Alltag zurechtzufinden. Dafür sollen sie auch ihre Wohngruppe verlassen und in den Ortschaften etwa Einkaufen gehen. Nach Angaben des Klinikums Nette-Gut ist es selten, dass Patienten aus dem Maßregelvollzug erneut eine Straftat begehen.

Sendung am Di., 1.4.2025 7:30 Uhr, SWR4 RP Studio Trier

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