Mitarbeiter der Mainzer Notfallseelsorge bei einem Einsatz nach einem Unfall.

Rheinland-Pfalz Notfallseelsorge Mainz - seit 25 Jahren Helfer in Extrem-Situationen

Stand: 04.04.2025 07:48 Uhr

Wenn Menschen schwere Unfälle erleben, Angehörige zuhause sterben oder Todesnachrichten überbracht werden müssen - dann kommen Notfallseelsorger und bleiben auch dann noch bei den Hinterbliebenen, wenn Polizei und Rettungsdienste ihre Arbeit schon getan haben.

Ein durchdringender Pfeifton aus einem Piepser: Das ist das Signal für Markus Reuter und Johannes Hoffmann, dass sie zu einem Einsatz gerufen werden. Die beiden sind Theologen - Reuter katholischer Pastoralreferent und Hoffmann evangelischer Pfarrer - und arbeiten seit vielen Jahren in der Notfallseelsorge.

Einsätze der Notfallseelsorge meist bei Todesfällen zuhause

"Unsere Einsätze sind zu mehr als 80 Prozent in einem häuslichen Umfeld, also wenn Menschen zuhause verstorben sind", erzählt Markus Reuter. Dann ginge es in erster Linie darum, für die Hinterbliebenen da zu sein. Häufig begleiten die Notfallseelsorger auch Polizeibeamte, wenn die eine Todesnachricht überbringen müssen.

Es geht auch darum, zu trösten, aber vor allem einfach da zu sein, den Verlust mit auszuhalten und auch mal miteinander zu schweigen, wenn keine Worte mehr da sind. Markus Reuter über die Tätigkeit als Notfallseelsorger

Die Notfallseelsorger und -seelsorgerinnen helfen dann, die Zeit zu überbrücken, bis andere Angehörige eintreffen. Außerdem unterstützen sie die Trauernden dabei, Abschied zu nehmen, und begleiten sie, wenn sie die Verstorbenen zum Beispiel nach einer erfolglosen Reanimation noch einmal sehen wollen.

Unterstützung einer Mainzerin nach Tod des Ehemannes

Markus Reuter einnert sich an einen solchen Einsatz Anfang des Jahres. Er wurde zu einer älteren Dame gerufen, die ihren Ehemann morgens tot im Sessel gefunden hatte. Die Frau war völlig verzweifelt und wusste sich erstmal gar nicht zu helfen. Im Hintergrund stand noch der Weihnachtsbaum und darüber kam die Frau dann ins Erzählen.

Sie berichtete ausführlich, wie ihr Mann darauf bestanden hatte, den Baum schon im November aufzustellen, weil es ihm da bereits nicht so gut ging. Möglicherweise hatte er geahnt, dass er nicht mehr viel Zeit hat. Als sie die ganze Geschichte erzählt hatte, hatte sie die erste Schockphase überwunden. Kurz darauf trafen ihre beiden Töchter ein und Reuter konnte gehen. Zum Abschied sagte die Dame, es habe ihr gut getan, dass sie einfach nochmal von ihrem Mann erzählen konnte.

Pastoralreferent Markus Reuter (links) und Pfarrer Johannes Hoffmann (rechts) von der Mainzer Notfallseelsorge.

Pastoralreferent Markus Reuter (links) und Pfarrer Johannes Hoffmann (rechts) von der Mainzer Notfallseelsorge.

Einsatz nach Blutbad in Mainzer Hotel

Auch bei schweren Unfällen und manchmal auch nach Verbrechen werden die Notfallseelsorger gerufen. Ein Einsatz aus dem letzten Sommer ist Pfarrer Johannes Hoffmann besonders in Erinnerung geblieben, als ein Mann in einem Mainzer Hotel erst seine Frau und dann sich selbst erstochen hatte. Damals war die Mainzer Notfallseelsorge mit acht Leuten im Einsatz. Sie unterstützten viele Augenzeugen und Mitarbeitende des Hotels, die die Tat zum Teil miterlebt hatten.

Auch vor gut einer Woche, Ende März, gab es einen größeren Einsatz für die Notfallseelsorger, nachdem sich ein Mann vor der Polizeiinspektion in Oppenheim erschossen hatte. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort hatten das Geschehen mitbekommen und standen unter Schock, so Hoffmann.

Helfer der Notfallseelsorge werden häufiger dazugeholt

130 Einsätze hatte die Notfallseelsorge Mainz im vergangenen Jahr - so viele wie noch nie. Das liege aber nicht daran, dass immer mehr schlimme Dinge in Mainz passierten, sagt Johannes Hoffmann. Der Grund sei, dass Polizei und Rettungsdienste sie immer häufiger dazuholten.

Notfallseelsorger unterstützen sich gegenseitig

Auch an den Notfallseelsorgern selbst gehen solche Einsätze natürlich nicht spurlos vorbei. Sie helfen sich, indem sie sich miteinander austauschen - entweder direkt nach einem Einsatz oder bei einer der regelmäßigen Dienstbesprechungen, bei denen die Fälle noch einmal durchgesprochen werden.

Das hatte ich auch schon mal nachts um 3 Uhr, dass mich ein Kollege angerufen hat, der nach einem Einsatz einfach mit jemandem über das Erlebte sprechen wollte. Markus Reuter über den gegenseitigen Austausch unter den Notfallseelsorgern

Was außerdem hilft, ist das Wissen, wie wichtig und sinnvoll ihre Arbeit ist, sagen die beiden Notfallseelsorger. Da könne die Kirche wirklich ganz nah bei den Menschen sein und direkt helfen. Und die nehmen das dankbar an.

Sendung am Fr., 4.4.2025 6:00 Uhr, SWR4 RP am Morgen, SWR4 Rheinland-Pfalz

Mehr zu Notfallseelsorge im SWR