Der Deutsche Wetterdienst sieht gute Chancen für RLP, seinen Energiebedarf mit Windkraft und Photovoltaik zu decken.

Rheinland-Pfalz Deutscher Wetterdienst sieht gute Chancen für Windkraft und Photovoltaik

Stand: 01.04.2025 16:08 Uhr

In RLP gab es schon den ersten Waldbrand. Im März fiel nur 20 Prozent des üblichen Niederschlags. Ein Lichtblick: Unser Wetter bietet gute Chancen für alternative Energieversorgung.

In Bad Bergzabern (Kreis Südliche Weinstraße) brannte am vergangenen Wochenende ein kleines Waldstück. Der Waldboden sei extrem trocken, sagte der dortige Revierförster. Und auch der Rhein führt wenig Wasser. Gefühlt war das Frühjahr zwar kühl, aber zu trocken. Stimmt dieser Eindruck? Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat seine Wetterdaten vorgestellt. Außerdem hat der DWD untersucht, ob wir unseren Energiebedarf angesichts unserer Wetterlage tatsächlich mit Windkraft und Photovoltaik decken können. SWR Aktuell RLP hat mit Tobias Fuchs gesprochen. Er ist der Leiter für Klima und Umwelt beim Deutschen Wetterdienst.

SWR Aktuell: Nordrhein-Westfalen hat den trockensten März seit 100 Jahren erlebt. Wie war denn der März in Rheinland-Pfalz, was Niederschlag und Temperaturen angeht?

Tobias Fuchs: Der März war in Rheinland-Pfalz auch relativ mild. Also, er ist auf Platz zwölf unserer vorläufigen Auswertungen gelandet. Das heißt, wir waren gegenüber dem vieljährigen Mittel 1961 bis 1990 fast drei Grad zu warm und auch deutlich zu trocken. Es ist nur etwa ein Fünftel des normalerweise zu erwartenden Niederschlags gefallen. Damit liegen wir etwa in unserer vorläufigen Statistik auf Platz sieben, bezüglich der langen Messreihe seit 1881.

Tobias Fuchs, Leiter Klima und Umwelt Deutscher Wetterdienst

Tobias Fuchs, Leiter Klima und Umwelt Deutscher Wetterdienst

SWR Aktuell: Das heißt der Eindruck, dass der Rhein zu wenig Wasser hat, stimmt auch?

Tobias Fuchs: Letztes Jahr hat es zum Glück relativ viel geregnet. Dann kamen so die letzten kräftigeren Niederschlagsepisoden im Januar. Der Februar war schon deutlich zu trocken. Da hatten wir deutschlandweit etwa halb so viel Niederschlag, wie normal zu erwarten war. Im März gab es deutschlandweit, aber auch in Rheinland-Pfalz, nur ein Fünftel des üblichen Niederschlags. Ab Februar hat es sehr, sehr wenig geregnet. Deswegen ist natürlich auch wenig Wasser in den Flüssen. Und für den Rhein spielt natürlich auch noch eine Rolle, dass es in den Alpen relativ wenig Schnee gab. Daher kommt auch vom Oberlauf des Rheins nicht so viel Wasser nach, wie zu erwarten wäre.

So wirkt sich das Niedrigwasser derzeit im Rhein aus
Im Rhein herrscht für die Jahreszeit ein außergewöhnlich niedriger Wasserstand. Die Situation sei noch nicht dramatisch, so ein Sprecher der Wasserstraßen Schifffahrtsverwaltung Rhein (WSV).   Ein wichtiger Pegelstand, der sich auf die ganze Schifffahrt von Mainz bis Basel auswirkt, ist der Pegel Kaub im Mittelrheintal. Ein Nadelöhr und deshalb wichtig für den gesamten Mittelrhein.   Der Pegel Kaub liegt zurzeit bei 1,05 m. Je nach Schiffsgröße kann das bis zu 40 Prozent weniger Ladung bedeuten. Damit könnten die Schiffer aber umgehen, so die WSV.   Selbst bei einem Pegelstand von 77 cm wird noch eine Fahrrinnentiefe von 1,90 m garantiert. Wichtig für die Schiffer, um die Ladung zu kalkulieren, die je nach Schiffsgröße stark variiert. Dieser Pegel von 77 cm könnte laut der 14-Tage-Vorhersage der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz in den nächsten Zwei Wochen erreicht werden.    Eine Ähnliche Situation gab es zuletzt 2023. Auch damals gab es bereits im Frühjahr eine kurze Niedrigwasser-Phase, die sich aber wieder entspannte. Die klassische Niedrigwasserzeit ist der Herbst. 2018 wurde damals am Pegel Kaub ein Minusrekord erzielt, als am 22. Oktober 2018 nur 25 cm gemessen wurden. Damals kam die Schifffahrt zum Erliegen.  Die letzten beiden Jahre 2023 & 2024 waren dagegen sehr niederschlagsreich, auch wenn es zu Jahresbeginn trocken war. Wie sich die Niederschläge in diesem Jahr auf die Schifffahrt auswirken, lässt sich noch nicht abschätzen.  
Es hat nirgendwo in Rheinland-Pfalz viel und ausreichend geregnet. Es hat überall viel zu wenig geregnet. Tobias Fuchs, Leiter Klima und Umwelt beim Deutschen Wetterdienst

SWR Aktuell: In welchen Regionen in Rheinland-Pfalz gab es denn ausreichend oder mehr Niederschlag? Und in welchen hat es besonders wenig geregnet?

Tobias Fuchs: Da kann man gar nicht so genau differenzieren. Es hat nirgendwo viel und ausreichend geregnet. Es hat überall viel zu wenig geregnet. Also, wir sehen keine Ausreißer nach oben, wo es viel Niederschlag hatte und damit auch feucht genug ist.

SWR Aktuell: Wir hatten am Wochenende den ersten Waldbrand in Bad Bergzabern in Rheinland-Pfalz. Der Förster in der Pfalz sagte, die sogenannte März-Trockenheit sei typisch für die Pfalz. Stimmt das? Oder ist die Trockenheit doch auch eine Auswirkung des Klimawandels?

Tobias Fuchs: Also von einer typischen Trockenheit in der Pfalz ist mir oder meinem Kollegen vom Deutschen Wetterdienst nichts bekannt. Was ich aber sagen kann, dass sich der März in den letzten 20 Jahren deutschlandweit zu einem sehr trockenen Monat entwickelt hat. Das lässt sich in unseren Datenreihen der letzten 20 Jahren sehen. Wenig Niederschlag heißt auch, dass die Bodenfeuchte zurückgeht, weil die Verdunstung steigt. Das Totholz vom letzten Winter liegt noch auf dem Boden in den Wäldern. Und wenn, dann irgendwelche Funken, sei es menschlich bedingt oder auch naturbedingt, sich an der falschen Stelle entzünden, dann kann auch mal einen Waldbrand entstehen. Das ist das, was wir auch jetzt schon in Bad Bergzabern wahrgenommen haben.

SWR Aktuell: Das heißt, die Waldbrandgefahr ist jetzt schon höher als üblich?

Tobias Fuchs: Ja. Der Deutsche Wetterdienst macht ja auch Waldbrand-Warnungen. Da liegen wir aktuell jetzt auf der mittleren Warnstufe. Also, wir sind nicht mehr niedrig und auch noch nicht auf der höchste Warnstufe. Das heißt aber, man muss schon aufpassen. In der Tat.

SWR Aktuell: Unsere Wetterlage wird derzeit durch Hochdruckgebiete bestimmt. Wie ist das meteorologisch zu erklären, dass es solche Hochdrucklagen im Frühjahr offenbar häufiger gibt?

Tobias Fuchs: Das können wir so genau leider nicht erklären. Wir können nur diagnostizieren. Also, generell verändert sich das Klima. Das nehmen wir ja sehr deutlich wahr. Effekte sind, dass die Temperaturen steigen. Jedes Jahr ein neues Rekordjahr. Auch die letzten zwei Jahre waren in Deutschland und auch global wieder wärmste Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen.

Wir könnten in Zukunft große Mengen unserer Energie aus erneuerbarer Energie erzeugen. Tobias Fuchs, Leiter Klima und Umwelt beim Deutschen Wetterdienst

SWR Aktuell: Wichtig ist es den CO2-Ausstoß zu verringern, zum Beispiel durch Erneuerbare Energien. Wie wird denn das Wetter künftig die Energieversorgung beeinflussen?

Tobias Fuchs: Wir könnten in Zukunft große Mengen unserer Energie aus erneuerbarer Energie erzeugen. Wenn wir eben nicht nur auf ein Energiesystem setzen, sondern auf eine Kombination, insbesondere Photovoltaik und Wind. Wenn man das klimatologisch gegenüberstellt, sieht man: die meiste Sonne haben wir natürlich im Frühjahr und dann insbesondere im Sommer. Den meisten Wind haben wir im Winter. Genau dann, wenn das eine System viel bietet, bietet das andere wenig und umgekehrt. Aber in der Summe haben wir Ausgleichseffekte. Das heißt, wenn das optimal ausbalanciert wird, haben wir kein Problem, uns weitestgehend selbstständig über erneuerbare Energien zu versorgen, wenn wir auf Wind und Sonne setzen. Der Deutsche Wetterdienst kann hier eine klimatologische Auswertung beitragen, auch zu einer Versachlichung der Diskussion, die dringend nötig ist.

SWR Aktuell: Kann man schon eine Prognose für den Sommer abgeben? Wird es ein heißer, trockener Sommer oder ausreichend Regen geben?

Tobias Fuchs: Das kann Ihnen seriös vom Deutschen Wetterdienst noch niemand beantworten. Wir sehen Indizien natürlich, dass sich die Temperaturen weiter eher nach oben bewegen. Etwas zum Niederschlag zu sagen, ist deutlich schwieriger. Die stabilsten Vorhersagen gehen so über zwei Wochen in die Zukunft. Es müsste halt jetzt wieder in den nächsten vier Wochen regnen. Das wäre schon günstig für die Natur.

Sendung am Di., 1.4.2025 5:00 Uhr, Guten Morgen RLP, SWR1 Rheinland-Pfalz

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