Ein Wolf (Canis Lupus Lupus) läuft durch ein Gehege

Nordrhein-Westfalen Vermisst! Naturschützer im Raum Schermbeck in Sorge um Wölfin Gloria

Stand: 01.04.2025 17:26 Uhr

Der Naturschutzbund (NABU) hält es für möglich, dass Wölfin Gloria und ihr Rudel im Raum Schermbeck illegal abgeschossen wurden.

Von Petra Brönstrup

"Es gibt unter Jägern so ein geflügeltes Wort", sagt Martin Frenk, Vorsitzender des NABU im Kreis Borken. "Die drei S: Schießen, Schaufeln, Schweigen." Vielleicht sei genau das hier passiert, dass die Wölfin Gloria mit ihrem Rudel von Unbekannten klammheimlich abgeschossen und die Körper danach verscharrt wurden.

Vermisst! Naturschützer im Raum Schermbeck in Sorge um Wölfin Gloria

Keine Spur von Gloria

Das würde zumindest erklären, warum es von den Wölfen im Raum Schermbeck seit mehreren Monaten keine Spur mehr gibt. Weder wurden Schafe oder andere Nutztiere gerissen, noch fanden sich im Revier Kot- oder Urinspuren. "Nichts, rein gar nichts", sagt Frenk. "Dafür gibt es nur eine Erklärung: Die Wölfe sind tot."

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK NRW) bestätigt dem WDR, dass auch Luchs- und Wolfberater keine Wolfsspuren entdeckt haben. Mehrere Gruppen waren am vergangenen Wochenende im Schermbecker Wolfsgebiet unterwegs und suchten gezielt nach Kot von Wölfen, den sogenannten "Losungen". Das geschah im Rahmen einer Schulung. Dabei wurden sie von einem Artenschutz-Hund begleitet, der für das Erschnüffeln von Wolfs-Losungen ausgebildet ist.

"Insgesamt wurden 35 Kilometer Strecke abgesucht", teilte das LANUK auf WDR-Anfrage mit. "Im Ergebnis der Suchaktion ist (...) festzuhalten, dass kein Wolfsnachweis durch einen Losungsfund gelungen ist." Das muss aber nicht bedeuten, dass die Wölfe getötet wurden, betont ein Sprecher.

"In der Landschaft untergetaucht"?

Eine Schafherde auf einer Wiese vor einem Wald.

Keine Spur von Gloria und damit auch kein Wolfsriss

Seit 2019 habe es in jedem Jahr Phasen von mehreren Monaten gegeben, in denen es keine Spur von Wölfin Gloria und ihrem Rudel gegeben habe. "Wölfe sind in der Lage, in der Landschaft sprichwörtlich unterzutauchen", erklärt der Sprecher des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima. Er warnt vor voreiligen Schlüssen. "Eine eindeutige Interpretation des Ergebnisses der Suchaktion ist (...) derzeit nicht möglich."

Beweise fehlen

NABU-Aktivist Martin Frenk überzeugt das nicht. Er und seine Mitstreiter gehen weiterhin davon aus, dass das Schermbecker Wolfsrudel von Menschen regelrecht ausgelöscht wurde. "Das ist auch schon in anderen Regionen in Deutschland passiert, wo Wölfe nicht willkommen waren", sagt Frenk. Doch einen Beweis für seine These hat der Naturschützer nicht.

Frenk hofft jetzt, dass andere Wölfe den Weg nach Schermbeck finden und sich hier niederlassen, so wie es Gloria vor gut fünf Jahren tat. Das LANUK NRW hält das Gebiet rund um Schermbeck als Lebensraum für Wölfe für geeignet.

Doch bis dahin bleibt abzuwarten, ob Gloria und ihr Rudel wieder auftauchen oder für immer verschwunden bleiben. Sicher ist: Wölfe sind sesshafte Tiere. Auch das LANUK NRW hält es für äußerst unwahrscheinlich, dass Gloria und ihr Rudel das Territorium verlassen haben und weitergezogen sein könnten.

Streng geschützte Art

Der Wolf ist in Deutschland, wie auch in den anderen EU-Mitgliedstaaten, eine streng geschützte Art. Er darf nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Wer den Wolf dennoch abschießt, macht sich strafbar und muss mit einer Geldstrafe oder auch Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Darüber hinaus sind jagdrechtliche Konsequenzen wie der Entzug des Jagdscheins oder ein Verbot der Jagd möglich.

Unsere Quellen:

  • NABU-Kreisverband Borken
  • Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW