
Nordrhein-Westfalen Umbau der Weltwirtschaft? Der Plan hinter Trumps Zoll-Krieg
Mit den angekündigten Zöllen könnte US-Präsident Trump einen globalen Handelskrieg auslösen. Welchen Plan er damit verfolgen könnte.
Zölle angedroht hatte US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder. Mal gegen die EU, dann gegen Mexiko, ein anderes Mal auf bestimmte Waren aus Kanada. Am Mittwoch holte er dann zum großen Schlag aus und kündigte quasi einen Handelskrieg gegen die ganze Welt an.
Demnach will die US-Regierung pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Waren einführen, die nicht aus den USA stammen. Für viele Staaten sollen je nach Handelsdefizit aber auch noch deutlich höhere Strafabgaben greifen. Auf Einfuhren aus Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union in die USA sind demnach neue Zölle in Höhe von 20 Prozent vorgesehen.
Dieser Schritt hat weitreichende Folgen, nicht nur für die betroffenen Ländern. Auch die Verbraucher in den USA müssen sich auf deutlich höhere Preise einstellen. Warum Trump und seine Berater den Kurs dennoch verfolgen und welcher übergeordnete Plan hinter der Zöllen stecken könnte - Fragen und Antworten.
Welche Auswirkungen haben die Zölle auf Deutschland und NRW?
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bezeichnete die US-Zölle als "beispiellosen Angriff auf das internationale Welthandelssystem, freien Handel und globale Lieferketten". Ähnlich äußerte sich auch der Präsident der Bundesbank, Joachim Nagel, der betonte, die Zölle griffen den Wohlstand aller an. Das globale Wirtschaftswachstum werde zurückgehen, die Preise steigen. "Insgesamt wird der Grad der Verunsicherung der Wirtschaftsakteure zunehmen."
Nach Berechnungen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) in München könnten die Zölle für einen dauerhaften Rückgang des Brutto-Inland-Produkts (BIP) um 0,3 Prozent sorgen. "Wobei einige Schlüsselbranchen wie Auto und Maschinenbau stärker betroffen sind", sagt Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft.
Dazu gehört unter anderem die deutsche Autoindustrie, die auch in NRW produziert. Für die deutschen Autobauer waren die USA bislang der wichtigste Absatzmarkt. Durch die Zölle könnten die Exporte in die USA laut Wirtschaftsprofessorin Flach künftig weniger werden.

Prof. Dr. Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft
Sie sieht aber noch zwei andere Probleme, die durch die Abgaben auf den deutschen Handel zukommen. So könne Deutschland aufgrund der geringeren Wettbewerbsfähigkeit Chinas weniger nach China exportieren und "durch einen Anstieg im Wettbewerb in Deutschland, wenn beispielsweise China nach neuen Märkten sucht, um die zuvor in die USA exportierten Produkte zu verkaufen".
Wie begründet die US-Regierung die angekündigten Zölle?
Nach Meinung von US-Präsident Donald Trump "zockt" unter anderem die Europäische Union die USA ab, weil sie bislang höhere Zölle auf US-amerikanische Produkte erhebt als andersherum. Die Folge ist laut Trump, dass die USA mehr Waren importieren als sie ins Ausland verkaufen. Dagegen will Trump nun mit "reziproken", also wechselseitigen Zöllen vorgehen.
Das, was wir gesehen haben, hat nichts mit Reziprozität zu tun.
Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft
Laut US-Regierung erhebt die EU etwa 39 Prozent Zölle auf Importe aus den USA. Diesen will Trump Importzölle in Höhe von 20 Prozent entgegensetzen - also etwa die Hälfte. Auf diese Zahl kommt die Regierung durch eine sehr einfach Rechnung: Das Handelsdefizit der USA mit einem bestimmten Land wird durch die Gesamtexporte dieses Landes in die USA geteilt und dann halbiert. Das Ergebnis dieser Rechnung hat aber nicht viel mit der Realität zu tun.
Laut Welthandelsorganisation sind die Zölle der EU im Vergleich mit den USA zwar höher, jedoch im Durchschnitt nur um 1,7 Prozent. Nach Berechnungen des ifo ist der Unterschied sogar noch geringer. "Die Zolldifferenz zwischen den USA und der EU beträgt durchschnittlich nur 0,5 Prozentpunkte", sagt die Wirtschaftsprofessorin Flach. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Trump auch noch andere Pläne mit den Zollerhöhungen verfolgt.
Will die US-Regierung die Staatskasse mit den Zöllen auffüllen?

Donald Trump (li) und Peter Navarro
Eine Idee hinter den Zöllen könnte der Plan sein, andere Staaten die Steuergeschenke finanzieren zu lassen, die Donald Trump während seines Wahlkampfs gemacht hat. Peter Navarro, der bereits während Trumps erster Amtszeit Direktor des Büros für Handel und Industriepolitik war, hat ausgerechnet, dass die USA mit den geplanten Zöllen 600 Milliarden Dollar jährlich einnehmen könnten.
Dieses Geld könnte helfen, die von Trump versprochenen Steuersenkungen zu verabschieden, ohne dafür bei der staatlichen Rente oder der Gesundheitsversorgung zu kürzen. Stattdessen würden laut Trump die mit Zöllen belegten Firmen aus dem Ausland die Staatskasse füllen, wodurch Trump dann Unternehmen und Bürger entlasten will.

WDR-Wirtschaftsredakteur Wolfgang Landmesser
"Ob das funktioniert, ist mehr als zweifelhaft", sagt Wolfgang Landmesser aus der WDR-Wirtschaftsredaktion. Denn in der Regel sei es so, dass die Firmen, die mit Zöllen belegt würden, diese auf ihre Preise aufschlagen. "US-Unternehmen, die beispielsweise auf Autoteile aus Deutschland angewiesen sind, werden dadurch also erst einmal mehr belastet", sagt Landmesser. Diese wiederum geben dann die Mehrkosten an die Endverbraucher weiter, wodurch die Produkte teurer würden.
Trump macht mit den Zöllen einen zweiten Finanzkreislauf auf, mit dem die US-Regierung Geld einnimmt. Das wird die massiven Schäden durch die Zölle aber nicht kompensieren.
Wolfgang Landmesser, Redakteur in der WDR-Wirtschaftsredaktion
Außerdem: Während die EU viel weniger Güter aus den USA importiert als exportiert, ist es bei den Dienstleistungen umgekehrt. So könnte die EU im Gegenzug zum Beispiel eine Digitalsteuer auf den Weg bringen. Abgaben auf digitale Dienstleistungen von US-Unternehmen in der EU könnten die Plattform X von Trump-Unterstützer Elon Musk und Firmen wie Google, Amazon oder Netflix treffen. Für sie ist die EU mit ihren rund 450 Millionen Einwohnern ein äußerst lukrativer Markt. Sie alle machen mit Nutzerdaten und Werbung auf ihren Plattformen in der EU Milliarden-Umsätze.
Wollen Trump und seine Berater die Weltwirtschaft umbauen?
Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, der hinter der Zollpolitik von Trump stecken könnte. Demnach könnten die Zölle auch eine Maßnahme sein, die dazu dienen soll, den Wert des Dollars zu senken und auf diese Weise den Import zu bremsen, sowie den Export amerikanischer Produkte anzukurbeln.

Trumps Wirtschaftsberater Stephen Miran
Laut dem Wirtschaftsberater und Trump-Vertrauten Stephen Miran ist der hohe Dollar-Kurs nämlich der Grund für das Ungleichgewicht im Welthandel, unter dem vor allem die USA zu leiden hätten. In einem 41 Seiten langen Papier, das er im November noch als Mitarbeiter der Investment Firma Hudson Bay Capital veröffentlichte, erklärt er unter anderem, welche Zollsätze dafür am besten geeignet seien.
Viel entscheidender für die Überbewertung des Dollars sei aber die hohe Nachfrage nach US-Währungsreserven. Sie bilden den größten Finanzmarkt der Welt, weil unter anderem Banken und Versicherungen Reserven mit US-Staatsanleihen anlegen. Über diese Schuldscheine finanziert sich die US-Regierung. Mittlerweile belaufen sich die Schulden der Regierung auf etwa 36 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig bleibt der Wert des US-Dollars wegen dieser dauerhaften Nachfrage auf einem hohen Wert.
Letzteres will Miran ändern. Dafür sollen die ausländischen Gläubiger ihre amerikanischen Staatsanleihen tauschen. Und zwar gegen neue Anleihen, die mit 100 Jahren eine wesentlich längere Laufzeit haben und keine Zinsen mehr bringen.
Ein Druckmittel, um die Gläubiger dazu zu bringen, könnte sein, dass die US-Regierung sie sonst - beispielsweise durch Zölle - vom amerikanischen Markt ausschließt. Ein weiterer Schritt könnte sein, dass die USA nicht mehr für den militärischen Schutz der Länder sorgen, die sich nicht auf den Deal einlassen.
Viele der vorgeschlagenen Maßnahmen erinnern an das Gebaren, das Trump seit seinem Amtsantritt an den Tag legte: die Zweifel an der Beistandspflicht innerhalb der NATO, die Drohung gegenüber der Ukraine, die Militärhilfen nur weiterzuführen, sollte das Rohstoffabkommen zustande kommen, und zuletzt die globalen Zölle.
Inwieweit der US-Präsident damit aber die Pläne seiner Berater verfolgt oder noch einmal ganz eigene Ziele erreichen will, ist schwer zu sagen.
Unsere Quellen:
- Pro. Dr. Lisandra Flach, ifo Zentrum für Außenwirtschaft
- Nachrichtenagenturen dpa, Reuters
- Interview mit Wolfgang Landmesser, WDR-Wirtschaftsredakteur
- A User's Guide to Restructuring the Global Trading System von Stephen Miran
- Daten aus dem Weißen Haus zum US-Zollpaket
- Daten des International Monetary Fund zur Staatsverschuldung