Schüler:innen im Unterricht in einem Klassenzimmer

Nordrhein-Westfalen Primusschule statt Schulwechsel: 10 Jahre in einer Klasse

Stand: 02.04.2025 16:26 Uhr

An Primusschulen lernen Kinder zehn Jahre lang gemeinsam. Diese Schulform gibt es nur fünf Mal in NRW, die Organisatoren würden das gern ändern.

Von Daniela Junghans

Die normale Schullaufbahn in NRW beginnt für Kinder in der Regel mit dem Besuch der Grundschule. Nach vier Jahren wechseln sie dann auf eine weiterführende Schule, also eine Haupt- oder Realschule, ein Gymnasium oder eine Gesamtschule.

Doch ist das sinnvoll? Schon seit vielen Jahren wird darüber gestritten, mal heftiger und mal eher sachorientiert. Im Kern geht es um die sehr grundsätzliche Frage: wie lange sollten Kinder trotz unterschiedlicher Leistungsniveaus gemeinsam lernen?

Am besten die ganze Schullaufbahn über, lautet die Antwort der Primusschulen. Vor rund zehn Jahren waren sie in NRW an den Start gegangen, als so genannter Schulversuch der damaligen rot-grünen Landesregierung.

Das Konzept: die Schülerinnen und Schüler bleiben von Klasse 1 bis 10 an der selben Schule, es gibt also keinen Wechsel mehr von Grund- zu weiterführender Schule.

Was Primusschulen anders machen

Ein Erfolgsmodell, davon ist Christian Möwes überzeugt. Er leitet eine der fünf Primusschulen, die es in NRW gibt. Die Kinder werden dort in jahrgangsübergreifenden Klassen unterrichtet, Noten gibt es erst ab der 9. Klasse.

Die Ergebnisse auch bei ihm in Münster zeigten, "dass die Erfolge unserer Schülerinnen und Schüler größer sind als an jeder anderen Schulform". Möwes verweist dafür auch auf die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation des Primus-Schulversuchs.

Ein Mann mit Glatze, Brille und Sakko vor einer dunklen Holzwand

Schulleiter Georg Balster von der Primusschule Viersen

Der Erfolg der Schulform habe auch etwas mit Vertrauen zu tun, sagt Georg Balster, Leiter der Primusschule Viersen. "Wir haben die Schüler zehn Jahre bei uns, in ihrer prägendsten Phase als junge Menschen", betont Balster. "In dieser Zeit wachsen Vertrauensverhältnisse, merken die Schüler, dass wir ein weiteres Zuhause für sie sind."

Balster sagt das mit gemischten Gefühlen, denn "seine" Primusschule wird wahrscheinlich in einigen Jahren schließen. Die Stadt Viersen will den Schulversuch nicht fortführen, seit Herbst 2024 nimmt die Schule keine neuen Schülerinnen und Schüler mehr auf.

Wie soll es weitergehen?

Trotzdem - oder vielleicht auch gerade deshalb - fordern die beiden Schulleiter gemeinsam mit der Landeselternschaft der integrierten Schulen NRW (Leis-NRW) die Landesregierung auf, die Möglichkeit für weitere Primusschulen zu schaffen. Denn momentan können keine neuen Schulen dieses Typs gegründet werden, selbst wenn Kommunen daran Interesse hätten.

Die bereits existierenden Primusschulen – neben Münster und Viersen gibt es sie noch in Minden, Schalksmühle und Titz - dürfen zwar bestehen bleiben, doch Neugründungen sehe das Schulgesetz nicht vor, heißt es aus dem NRW-Schulministerium.

Obwohl man dort auch einräumt, "dass sich die bestehenden Schulen positiv entwickelt haben und dass es gelingt, die individuellen Lernverläufe der Schülerinnen und Schüler unter Einbindung von besonderen Ressourcen gut zu fördern".

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz mit beiden Schulleitern und Harald Amelang, LEis-NRW
  • Stellungnahme des NRW-Schulministeriums
  • Dokumentation der wissenschaftlichen Evaluation des Schulversuchs

Über das Thema berichten wir auch im WDR Hörfunk: Im Westblick (WDR5) am 02.04.2025 ab 17:05 Uhr.