Ein Bodybuilder steht vor einer Plakatwand, die ihn im Comicstil gezeichnet darstellt, und zeigt den "Daumen hoch".

Hessen Fans von Bodybuilder Markus Rühl kapern Google-Bewertungen von Oberurseler Lokal

Stand: 02.04.2025 13:09 Uhr

Das Lokal "Zum Rühl" in Oberursel heimst seit Kurzem dutzende 5-Sterne-Bewertungen bei Google ein. Besonders beliebt bei den vermeintlichen Gästen: Thunfischshake und Masthühnchen. Hinter den kreativen Rezensionen stecken die Fans von Bodybuilder und Kultfigur Markus Rühl.

Von Tanja Stehning

"Leggere Thunfischshakes", kiloweise Masthuhn, Fleisch mit Apfelmus und "Magerquark mit ordentlich Süßstoff drauf": Seit Mitte März kann sich eine Apfelweinwirtschaft in Oberursel (Hochtaunus) über viel Lob für Speis und Trank freuen. In breitestem Hessisch sprechen die vermeintlichen Gäste ihre Empfehlungen auf Google auf, dutzende Fünf-Sterne-Bewertungen sind seitdem dazugekommen.

Die 3,5kg Putenbraten gingen in 30 Minuten runter, als Apperitiv gabs n Thunfischshake mit bissel Pfeffer, bissel Salz und fett Oregano." Google-Rezension

Anlass für die amüsanten Rezensionen sind nicht etwa die genannten, eigenwilligen Kreationen. Denn die stehen - aus gutem Grund - gar nicht auf der Karte. Den Anstoß gab ein Post auf Social Media - und der Name des Lokals.

Hat Ex-Bodybuilder Rühl ein Restaurant eröffnet?

"Zum Rühl" heißt das Lokal, das damit eine hessische Kultfigur zum Namensvetter hat: den ehemaligen Profi-Bodybuilder Markus Rühl aus Roßdorf (Darmstadt-Dieburg). Inzwischen hat der 53-Jährige vor allem durch Social Media einen hohen Bekannheitsgrad erreicht. Über eine Million Menschen folgen ihm auf Instagram, eine halbe Million Abonnenten hat er bei Youtube.

Die große Fangemeinde stellt ihre kreative Ader immer wieder mit lustigen Clips und Memes rund um den mehrfachen Mr.-Olympia-Teilnehmer unter Beweis. Viele davon finden sich auch auf dem Instagram-Kanal "Roswita Rühl".

Zwei Bodybuilder auf der Bühne, gold angemalt, posieren.

Bei Mr. Olympia 2009 erreichte Markus Rühl (links) den 15. Platz. (Rechts: Ronny Rockel)

Darunter ist auch das Reel, das die Welle an Rezensionen ausgelöst haben dürfte. "Markus Rühl eröffnet sein eigenes Restaurant", wird darin angekündigt. Zu sehen ist eine Außenansicht des Oberurseler Lokals und ein passender Screenshot des Google-Eintrags samt Name und Adresse.

"Zum Rühl - die Bodybuilding-Maststube für Jung und Alt" - so soll das Gasthaus angeblich heißen. Was Rühl dazu motiviert haben soll, sich ein weiteres Standbein zu suchen, wird auch erklärt. Deutschlandweit sei kein Restaurant zu finden, in dem der "Masthuhn-Vernichter" kiloweise Masthuhn und Rindertartar bestellen konnte. So habe er sich eine andere Lösung gesucht.

Rühls Motto: "Muss net schmegge, muss wirke"

Ein eigenes Restaurant also, in dem er seiner Vorliebe für protein- und fleischlastige Speisen für den Muskelaufbau ungestört fröhnen kann. Ist zwar alles nur Quatsch mit Soße, aber das spielt natürlich keine Rolle. Dass der Fokus in "seinem" Lokal nicht auf dem Genuss liegt, ist klar - denn das Motto des Sportlers lautet: "Muss net schmegge, muss wirke". Kultstatus hat unter Rühls Fans neben dem Masthuhn auch sein "Rezept" für einen Thunfischshake aus Dosenfisch, Wasser und Gewürzen erreicht.

Am beste find ich den Eimer Mett oder die Thunfisch Shakes aber auch den Eimer Reis mit Eier zu jedem Menue wege den Kohlehydrate, konn denne Lade nur empfehlen." Google-Rezension

Beide Gerichte werden in den Rezensionen oft zitiert, ebenso wie sein Lieblingsgetränk, die "Abbelschorle". Auch an Anspielungen auf Freunde und Konkurrenten aus der Bodybuilding-Szene, vor allem Paul Dillet und Bob "Tschigerillo", mangelt es in den Bewertungen nicht.

Wirt nimmt es mit Humor

Der eigentliche Wirt, der das Lokal seit 30 Jahren gepachtet hat, nimmt die angebliche Übernahme mit Humor. Klaus Geisenberger hat erst gar nicht so richtig verstanden, was da online passiert. Sein Sohn musste ihm erklären, was hinter den ungewöhnlichen Rezensionen steckt.

War mitm Bob Tschigerillo da nach'm Training. Esse hat gewirkt. Google-Rezension

Viel anfangen konnte er mit Markus Rühl bis dahin nicht, wie er erzählt. Der Name des Lokals hat dementsprechend wenig mit dem Ex-Bodybuilder zu tun: Geisenberger hat es nach dem Vermieter benannt, weil er seinen eigenen Nachnamen dafür zu lang fand.

Einen stärkeren Zulauf an Gästen spürt der Wirt durch die digitale Aufmerksamkeit der Rühl-Fans bisher nicht. Will er die Chance nutzen und womögliche eine neue Zielgruppe anlocken? "Wenn ich noch zehn Leute zum Kochen hätt', würd' ich so einen Blödsinn vielleicht machen", sagt der 61-Jährige schmunzelnd. Doch an Personal fehle es ihm akutell.

Speise-Tipp für Bodybuilder

Auch bei der Frage, ob er sich von den kulinarischen Kreationen à la Rühl inspirieren lassen wole, reagiert Geisenberger eher zurückhaltend. "Wenn ich jetzt bei meinen Leuten anfange mit Thunfischshake, dann fragen sie mich, ob ich sie noch alle habe", lacht er. Mit der von Markus Rühl wegen der Kohlenhydrate oft empfohlenen Beilage - eimerweise Reis - kann er auch nicht ohne weiteres dienen: "Da müsst' ich mir erst einen neuen Topf kaufen – so große Gefäße hab ich gar nicht."

Wenn sich aber doch mal ein paar ernährungsbewusste Bodybuilding-Fans zu ihm verirren sollten, hat er auch für sie etwas Passendes auf der Karte: "Handkäse hat viel Eiweiß", sagt er, "aber ich mache keinen Handkäs-Shake."