
Brandenburg Wasserstoff-Zapfsäulen in Potsdam und Neuruppin werden stillgelegt
Geringe Nachfrage, technisch veraltet, keine Möglichkeit zur Weiterentwicklung: Zwei der drei Wasserstoff-Tankstellen in Brandenburg gehen am Dienstag vom Netz. Besitzer der abgasfreien Pkw haben es dann deutlich weiter zur nächsten Zapfsäule. Von Oliver Noffke
Pkw mit Brennstoffzelle können in Potsdam und Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) ab Dienstag nicht mehr betankt werden. Der Betreiber H2 Mobility teilte rbb|24 auf Anfrage mit, er plane seine dortigen Wasserstoff-Zapfsäulen still zu legen. "Begründet liegt diese Veränderung vor allem im gedämpften Markthochlauf für Pkw und kleine Nutzfahrzeuge." Bundesweit würden zum 1. April insgesamt elf Standorte aufgegeben, hieß es.
Damit bietet in Brandenburg ab sofort nur noch eine öffentliche Tankstelle Wasserstoff für Pkw an. Sie wird von einem anderen Anbieter am Flughafen BER betrieben. Zudem betreibt H2 Mobility Wasserstoff-Zapfsäulen an vier Standorten von Shell oder Total im Berliner Stadtgebiet. Bei den beiden auslaufenden Standorten bestanden ebenfalls solche Partnerschaften. Benzin oder Diesel werden dort weiterhin angeboten.
Fahrerinnen und Fahrer eines Pkw mit Brennstoffzelle müssen in Brandenburg also künftig längere Strecken zurücklegen. "Dies könnte für einige von ihnen eine Herausforderung darstellten", teilte Karsten Schulze, Vorstand für Technik beim ADAC, auf Anfrage mit, "insbesondere wenn sie bisher kurze Wege zum Tanken hatten."

Geringe Nachfrage, veränderter Markt
Laut H2 Mobility werden ältere, kleinere Zapfsäulen geschlossen, die auf Pkw fokussiert waren. Sie seien zum Teil vor mehr als zehn Jahren in Betrieb genommen worden. Den heutigen technischen und wirtschaftlichen Anforderungen würden sie nicht mehr gerecht. "Die Standorte in Potsdam und Neuruppin zählen zu dieser Tankstellengeneration", so eine Sprecherin des Berliner Unternehmens.
Von Beginn an sei die Nachfrage an diesen elf Standorten weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, hieß es weiter. Im Vergleich zu anderen Regionen verlaufe der Trend außerdem abwärts. Größere Abnehmer oder Partner wie ÖPNV-Unternehmen fehlten zudem.
Auch aus technischen oder baulichen Gründen könnten diese Standorte nicht weiterentwickelt werden, so die Sprecherin. Einige der Tankstellen könnten schlicht nicht von Bussen oder Lkw angefahren werden. Womit ausgerechnet jene Fahrzeuge außen vor blieben, die mittlerweile das Gros der Nachfrage ausmachten.
Schließungswelle schwappt über das Wasserstoff-Tankstellennetz
H2 Mobility wurde 2015 gegründet und mit öffentlichen Mitteln gefördert, um eine Infrastruktur für Wasserstoffautos aufzubauen. 2022 stieg der Investmentfonds Hy24 ein. Seitdem arbeitet das Unternehmen rein privatwirtschaftlich. Eine europaweite Karte zum Füllstand von Wasserstoff-Tankstellen – den eigenen, als auch denen der Konkurrenz – betreibt H2 Mobility weiterhin [h2.live].
Der vom Staat erhoffte Durchbruch von Pkw mit Brennstoffzelle hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht eingestellt. Seit der Privatisierung hatte H2 Mobility in Deutschland bereits 24 Standorte still gelegt. In diesem Jahr kommen etwa noch einmal so viele Schließungen hinzu. Neben den jetzigen seien elf weitere für Ende Juni geplant. Ob davon Zapfsäulen in Berlin betroffen sein werden, konnte die Unternehmenssprecherin zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.
Anderswo wird neu gebaut
H2 Mobility baut und plant aktuell neue Standorte, an denen zukünftig sowohl Pkw und Nutzfahrzeuge betankt werden können. Allein im vergangenen Jahr seien 22 neue Standorte im Bundesgebiet hinzugekommen, hieß es. Konkrete Pläne für neue Zapfsäulen in Brandenburg wurden nicht genannt. "Wir stehen hierfür in Kontakt v.a. mit Politik und Speditionsunternehmen sowie dem ÖPNV."
Parallel sind in den vergangenen Jahren Mitbewerber am Markt aufgetaucht. In Prenzlau (Uckermark) und Schipkau (Oberspreewald-Lausitz) befinden sich derzeit Wasserstoff-Tankstellen anderer Energieunternehmen im Bau.
Allerdings: Die meisten der Zapfsäulen, die still gelegt wurden oder werden, befinden sich in ländlich geprägten Gebieten. Der ADAC sieht diese Entwicklung kritisch: "Der Rückgang der Infrastruktur wird das Vertrauen der Verbraucher und Verbraucherinnen in diese Technologie beeinträchtigen und die Akzeptanz von Wasserstoff-Fahrzeugen verringern", so Schulze.
Bis 2030 sollen höchsten 200 Kilometer zwischen zwei Wasserstoff-Zapfsäulen liegen
Langfristig sei dies ein Nachteil gegenüber batterieelektrischen Motoren, so Kurze. Diese seien zwar effizienter als Brennstoffzellen, jedoch mit der Einschränkung: "wenn man lediglich den Energiefluss von der Quelle bis zum Antrieb betrachtet."
Werde das hohe Gewicht der Batterien, der Energieaufwand bei ihrer Herstellung oder die Verluste bei der Speicherung mit eingerechnet, verändere sich die Bilanz allerdings zum Vorteil von Wasserstoff, teilte er mit. "Deshalb muss die klimafreundliche Wasserstoff-Produktion so schnell wie möglich in der Region Berlin-Brandenburg hochgefahren werden."

Mittlerweile fokussiert der Staat seine Unterstützungen ebenfalls auf Lkw und Busse. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) fördert öffentliche Wasserstoff-Tankstellen für schwere Nutzfahrzeuge. "Die Förderquote beträgt bis zu 80 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben", so das Ministerium [bmdv.bund.de]. "Um die Schließung von Wasserstoff-Tankstellen für Pkw zu verhindern, könnte der Staat die bestehenden Förderprogramme erweitern und gezielt auf Pkw ausrichten", sagt Karsten Schulze vom ADAC.
H2 Mobility sieht ebenfalls eine Notwendigkeit die Technologie nicht allein den Kräften des Markts zu überlassen. Bis Dezember 2030 sollen innerhalb der EU höchsten 200 Kilometer zwischen zwei Wasserstoff-Tankstellen liegen, sieht die Verordnung "Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe" vor, kurz: Afir [eur-lex.europa.eu]. "Nicht fortgeführte Förderprogramme und der aktuelle Rückgang kleiner H2-Tankstellen machen es fraglich, ob Deutschland die Afir-Vorgaben bis 2030 einhält."