
Brandenburg Sanierung der Bahnstrecke nach Hamburg: Teile des Havellands auf dem Abstellgleis
Ab August wird die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg saniert und teils voll gesperrt. Pendler aus dem Havelland müssen dann lange Umwege in Kauf nehmen. Der Ärger ist groß. Ein Gewinner steht aber schon fest. Von H. Schüler und P. Rother
Pendler und Pendlerinnen aus dem Havelland blicken mit Sorge auf diesen Sommer. Denn ab August wird die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg, sie sogenannte Hamburger Bahn, auf großen Teilen saniert und für neun Monate gesperrt. Die Generalsanierung betrifft neben dem Fernverkehr auch die Regionalzüge. Viele Städte und Gemeinden werden vom Bahnverkehr abgeschnitten - darunter auch Falkensee.
Aus der bevölkerungsreichsten Stadt im Havelland pendeln täglich rund 10.000 Menschen nach Berlin. Der Plan der Deutschen Bahn (DB) sieht vor, sie mit Ersatzbussen ins sechs Kilometer entfernte Dallgow-Döberitz und von dort mit dem Zug weiter nach Berlin zu bringen. Der Bahnhof dort liegt einer anderen Bahntrasse, der sogenannten Lehrter Bahn.

Die Pendler aus Falkensee werden mit dem Bus nach Dallgow-Döberitz gebracht.
"Tragbare Beförderungsalternativen" werden gefordert
"Umständlich und zeitaufwändig", kritisiert Falkensees Bürgermeister Heiko Richter (parteilos) die Pläne im Gespräch mit dem rbb. Er fordert einen zusätzlichen Expressbus von Falkensee direkt nach Berlin-Spandau. Dieser müsste nur im Berufsverkehr "in Stoßzeiten fahren", so Richter. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und die Bahn lehnten den Vorschlag nach Aussage des Bürgermeisters bisher aber ab, weil die Busse auf der Strecke zwischen Falkensee und Berlin im Stau stehen würden. Er prophezeit aber, dass es noch mehr Staus gäbe, wenn alle Berufspendler mit dem eigenen Auto fahren würden.
Richter bezweifelt, dass die Ersatzbusse der Bahn und die Infrastruktur in Dallgow-Döberitz dem Pendler-Ansturm gewachsen sind. Auch deshalb appelliert er an die Bahn, die Planungen zu überdenken und fordert "rechtzeitige Informationen und tragbare Beförderungsalternativen".
Nachbesserungskatalog soll an Bahn geschickt werden
Auch die Gemeinde Brieselang wird neun Monate lang vom Zugverkehr abgekoppelt. Währenddessen sollen die Anwohnerinnen und Anwohner mit Ersatzbussen nach Wustermark gebracht werden und von dort mit dem Zug weiterfahren. Das sei nicht ausreichend, sagt Bürgermeisterin Kathrin Neumann (parteilos): "Was komplett fehlt, ist ein Schienenersatzverkehr nach Falkensee und nach Nauen. Klar, da fahren schon Busse, aber das reicht nicht aus, um zum Beispiel die Schüler zu transportieren. Oder auch ältere Menschen, die von Brieselang nach Falkensee zum Arzttermin fahren wollen."
Nauen, Brieselang, Falkensee, Wustermark und Dallgow-Döberitz haben sich nun zusammengeschlossen und einen Nachbesserungskatalog erarbeitet. Landrat Roger Lewandowski (CDU) unterstützt das Vorgehen: "Es fanden schon viele Gespräche statt. Jetzt machen wir ein gemeinsames Papier, und wir werden kritische Punkte dann auch gegenüber der Bahn und dem Bund gemeinsam vertreten." In der kommenden Woche werde das Schreiben an die Bahn geschickt, so Lewandowski weiter.

Gemeinde Wustermark als Gewinner
Aber nicht alle Kommunen sind angesichts der bevorstehenden Bahnsperrung komplett unzufrieden. Die Gemeinde Wustermark zählt schon jetzt zu den Gewinnern. Tausende Pendler werden ab August mit Bussen zum dortigen Bahnhof gebracht. Er wird deutlich an Bedeutung gewinnen. "Wir bekommen bis zu 20 Busse in der Stunde aus dem Norden, die hier in Wustermark anlanden werden, um Fahrgäste zur Bahn zu bringen oder sie wieder zu verteilen", erläutert Bürgermeister Holger Schreiber (parteilos). Daher bekommt die Gemeinde von der Bahn und von Brandenburgs Verkehrsministerium insgesamt 900.000 Euro. Mit dem Geld soll der Bahnhof erweitert werden. Ende Februar begannen bereits die Bauarbeiten.
Auf einem Acker wird ein neuer Parkplatz gebaut, künftig wird es 220 statt 70 Stellflächen geben. Es soll auch ein Fahrradparkhaus mit 200 Plätzen entstehen. Zudem ist eine Schleife für die Busse geplant, so dass vier gleichzeitig vor dem Bahnhofsgebäude halten können. "Wir sind leider etwas spät dran", so Schreiber. Die Finanzierung musste demnach vorher geklärt werden. Geld will auch der Bürgermeister von Dallgow-Döberitz, Sven Richter (CDU). Auch er will einen zusätzlichen Parkplatz am Bahnhof bauen. Eine Fläche dafür stünde bereit.
Fünf Monate bleiben im Havelland noch Zeit für alle Vorbereitungen. Dann wird die Hamburger Bahn gesperrt. Die Lehrter Bahn rückt dann in den Fokus aller Pendlerinnen und Pendler.

Die Hamburger Bahn wird für neun Monate voll gesperrt.
Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 7.3.2025, 19:30 Uhr