
Brandenburg Angriff auf Flüchtlingsheim in Stahnsdorf: Polizei ermittelt gegen drei Tatverdächtige
An einer Flüchtlingsunterkunft in Stahnsdorf hat es in der Nacht zu Samstag einen Gewaltvorfall gegeben. Der Bürgermeister spricht von einer überfallartigen Attacke. Laut Innenministerin Lange wurden mehrere Verdächtige vorläufig festgenommen.
- Genauer Vorgang in der Flüchtlingsunterkunft in Stahnsdorf noch unklar
- Heimbewohner berichten von versuchtem Eindringen in der Nacht zu Samstag
- Ermittlungen richten sich gegen drei konkrete Verdächtige
- Polizei äußert sich nicht zu möglichen Verletzten
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach einem Gewaltvorfall gegen eine Flüchtlingsunterkunft in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark). Es laufe ein Ermittlungsverfahren gegen drei Verdächtige wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, Christian-Alexander Neuling, am Dienstag. Ob es sich bei dem Fall in der Nacht zum Samstag um einen gezielten Angriff gehandelt habe und wie er abgelaufen sein soll, sei Gegenstand der Ermittlungen.
Was dort in der Nacht zum Samstag genau passiert ist und ob jemand verletzt wurde, ließ die Staatsanwaltschaft bislang unbeantwortet. An einem Gebäude sind nach Schilderungen einer rbb-Reporterin beschädigte Scheiben an einer Tür und ein kaputtes Fenster zu sehen, die mit Planen abgedeckt sind.
Nach Zeugen- und Medienberichten soll eine Gruppe versucht haben, in das Wohnheim zu gelangen und einen Wachmann verletzt haben - diese Berichte sind aber bisher nicht bestätigt.
Wie der Verein Opferperspektive unter Berufung auf Aussagen von Heimbewohnern mitteilte, sollen rund sieben Personen versucht haben, in das Wohngebäude zu gelangen. Ein Wachschützer, der ihnen entgegentrat, soll dann bewusstlos geschlagen worden sein. Nach etwa einer halben Stunde traf, so die Aussagen, dann die Polizei ein und ein Hubschrauber kam zu Einsatz.
Das Aktionsbündnis Brandenburg sprach am Dienstagnachmittag von einer "Gruppe bewaffneter Rechtsextremer", die versucht habe, sich "gewaltsam Zugang zum Übergangswohnheim zu schaffen". Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sei zusammengeschlagen und ins Krankenhaus gebracht worden.
Zuerst hatte die "Märkische Allgemeine Zeitung" berichtet. Der "Tagesspiegel" schrieb unter Berufung auf Polizeikreise, laut Zeugen seien vor dem Angriff mehrere Personen durch die Stahnsdorfer Straße gezogen und hätten rechtsextreme Parolen gerufen.

Staatsanwaltschaft hält sich bedeckt
Die Staatsanwaltschaft hielt sich mit detaillierten Informationen bedeckt und machte zur Frage eines möglichen politischen Hintergrunds oder des Tathergangs keinerlei Angaben. Die Ermittlungen richteten sich gegen drei konkrete Verdächtige, die bekannt seien, hieß es nur. Wie viele Verletzte es gab, sagte der Sprecher nicht.
Weil man am Anfang der Ermittlungen stehe, erteile die Behörde weder zur Sache noch zu Tatverdächtigen weitere Auskünfte, hieß es. Die Polizeidirektion West wiederum verwies auf die Staatsanwaltschaft, die sich Presseauskünfte vorbehalte.
Nach Angaben der Brandenburger Innenministerin Katrin Lange (SPD) wurden in Zusammenhang mit dem Vorfall in Stahnsdorf mehrere Tatverdächtige vorläufig festgenommen. Der Deutschen Presse-Agentur sagte Lange auf Anfrage: "Derartige Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte sind vollkommen inakzeptabel und entschieden zu verurteilen. Schutzsuchende müssen in Brandenburg sicher und ohne Gewalt und Bedrohungen leben können."
Bürgermeister: "Gezielter Einschüchterungsversuch"
Der Stahnsdorfer Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) verurteilte den Vorfall am Montag scharf. Es habe sich um eine "überfallartige Attacke" gehandelt. "Gewalt gegen die Schwächsten der Gesellschaft ist besonders niederträchtig und feige", sagte Albers. Er gehe von einem gezielten Eischüchterungsversuch rechter Gruppierungen aus.
Albers berichtete in diesem Zusammenhang von weiteren Vorfällen in den vergangenen Tagen in Ahrensfelde, Dahlwitz-Hoppegarten, Fredersdorf-Vogelsdorf und Senftenberg, die den Verdacht nahelegen würde, dass es sich um ein überregional koordiniertes Vorgehen handele, so Albers. In Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) wurde demnach ein Jugendclub angegriffen. In Vogelsdorf (Märkisch-Oderland) etwa sollen am Sonntagmorgen mehrere Personen durch die Ortschaft gezogen sein und zur Musik des Songs "L' Amour Toujours" volksverhetzende Parolen gebrüllt haben.
"Solche und andere Einschüchterungsversuche durch rechte Gruppierungen gehören strengstens verfolgt", so Albers. Der Landkreis als Träger der Unterkünfte will nun eine Sicherheitskonferenz für die Einrichtung in Stahnsdorf einberufen und klären, ob man auf solche Vorfälle ausreichend vorbereitet ist, wie ein Sprecher der DPA sagte.
Laut Internetseite des Betreibers Internationaler Bund gibt es auf dem Gelände im Kreis Potsdam-Mittelmark zwei benachbarte Übergangswohnheime mit zusammen um die 300 Plätzen.
Sendung: rbb Antenne Brandenburg, 11.03.2025, 12:30 Uhr