Im Tierheim "Tierisch Belzig e.V.". (Quelle: rbb/Jacqueline Piwon)

Brandenburg Wie im Tierheim Bad Belzig Problemhunde resozialisiert werden

Stand: 11.03.2025 14:51 Uhr

Hunde, die schonmal zugebissen haben, landen sehr oft in Tierheimen und sind dann kaum noch vermittelbar. Nicht selten droht ihnen dann die Einschläferung. Ein Tierheim in Bad Belzig hat sich auf die Resozialisierung dieser Hunde spezialisiert.

Vom Dalmatiner-Mischling bis zum Rottweiler - im Tierheim "Tierisch Belzig e.V." in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) ist alles dabei. Doch so verschieden die Hunde sind, sie haben eine Gemeinsamkeit: Sie gelten als nicht vermittelbar, zum Teil gefährlich, weil sie schon einmal zugebissen haben oder aggressiv geworden sind.

Im Tierheim "Tierisch Belzig e.V.". (Quelle: rbb/Jacqueline Piwon)

Hundetrainerin Monique Olm

Dabei haben die 26 Hunde, die aktuell in dem privaten Tierheim leben, alle ihre ganz eigene Geschichte, erzählt Hundetrainerin Monique Olm. Marley etwa, der flauschige Australien Shepard, der aussieht wie ein Kuschelhund, ist sieben Jahre alt. Seit einem Jahr lebt er im Tierheim. Die restlichen sechs Jahre seines Lebens hat er in einer Familie verbracht. Mit der komme er an sich auch super gut klar, sagt Olm. Allerdings habe er dort keine Grenzen aufgezeigt bekommen. So habe aber leider gelernt, sofort die Zähne einzusetzen, wenn ihm etwas nicht in den Kram passt, erzählt Olm. "Und das nicht nur mit 'nem kleinen Ich-schnapp-dich-mal-weg, sondern wirklich massiv in die Hände - leider."

Im Tierheim "Tierisch Belzig e.V.". (Quelle: rbb/Jacqueline Piwon)

Initiator Stefan Zimmermann

"Ein Hund braucht immer ein klares Bild"

Weil Marley gebissen hat, ist der ehemalige Familienhund jetzt im Tierheim des Vereins "Tierisch Belzig". Dabei liege es fast immer an den Menschen, wenn Hunde aggressiv werden oder sogar beißen, sagt der Initiator des Tierheims, Stefan Zimmermann: "Ein Hund braucht immer ein klares Bild und das wird oft nicht gemacht - die Hunde werden einfach nebenbei hergelaufen." Dann beiße der Hund plötzlich zu - "und damit ist es geschehen". Aber seiner Meinung nach "verstehen die Menschen schon von vornherein nicht".
 
2012 gründete Stefan Zimmermann das private Tierheim in Bad Belzig. Bereits zuvor arbeitete er mit Hunden, privat und in Vereinen. "Ich habe oft gesehen, dass die Hunde missverstanden werden", sagt er.

Das Tierheim sei sein Lebenswerk, erklärt Zimmermann. Finanziert wird das Tierheim zum größten Teil durch Spenden, auf die sind sie in der Einrichtung angewiesen. Darüberhinaus gibt es eine Hundeschule und eine Hundepension, mit denen sie etwas Geld verdienen.

Im Tierheim "Tierisch Belzig e.V.". (Quelle: rbb/Jacqueline Piwon)

Stop-Fletscher-Methode

Frühere Erfahrungen überschreiben

Insgesamt haben in dem Tierheim seit der Gründung rund 200 Hunde gelebt. Alle Hunde durchlaufen ein monatelanges Training. Das Ziel: Sie sollen resozialisiert werden.
 
Dafür trainieren Monique Olm und die anderen aus dem Team gezielt mit den Tieren, begleiten die Hunde in Situationen, in denen sie auffällig sind, und schaffen positive Erfahrungen. Denn längst nicht alle Hunde hatten so eine gute Vergangenheit wie Australian Shepard Marley. Einige wurden von ihren bisherigen Besitzern misshandelt. Rottweiler Pablo mag es daher zum Beispiel nicht, wenn man ihn an den Füßen berührt. Das Training, so Olm, sei wie eine Festplatte überschreiben: Frühere negative Erfahrungen sollen mit positiven überschrieben werden.

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"Es fängt mit den einfachsten Dingen an, wie Halsband anlegen." Dafür nutzen sie in Bad Belzig die Stop-Fletscher-Methode. Diese gilt als besonders stressfrei für den Hund. Das Tier kann dabei seinen Kopf durch eine Vorrichtung im Zaun strecken, diese ist nach vorne geöffnet. Durch die Öffnung belohnt eine Hundetrainerin den Hund dann mit Leberwurst oder Keksen, während eine andere Trainerin dem Hund etwa die Leine oder einen Maulkorb umlegt. Das Anlegen des Maulkorbs wird so nach und nach zu etwas Schönem, auf das sich die Tiere freuen.

Was Hundehalter brauchen

Die allermeisten der Hunde, die im Tierheim trainiert wurden, sind später von privaten Haltern adoptiert worden. Doch längst nicht jeder Hundefreund ist geeignet, es mit einem ehemaligen "Problemhund" aufzunehmen, weiß Monique Olm: "Du musst auf jeden Fall Selbstbewusstsein ausstrahlen und eine gute Führung sein, um Klarheit zu schaffen für den Hund. Und dann muss es einfach charakterlich zwischen beiden stimmen."
 
Außerdem würden Interessenten intensiv geprüft und müssten mehrfach nach Bad Belzig kommen und mit dem Hund arbeiten, heißt es. Das kann ein langer Weg sein.

Sendung: rbb Antenne Brandenburg, 11.03.2025 14:40 Uhr