Eine Katze ist in einem Käfig eingeschlossen.

Bayern Kampf gegen das Katzenelend: Unterwegs mit der Tierschützerin

Stand: 01.04.2025 05:17 Uhr

In Bayern leben hunderttausende Streunerkatzen – doch ihr Leid bleibt oft unsichtbar. In Regensburg setzt sich eine Tierschützerin dafür ein, die Katzen einzufangen und zu versorgen. Helfen könnte eine Verordnung, doch die gilt nur an wenigen Orten.

Von Annika Exner, Veronika Meier

Kurz nach 21 Uhr: Percya Schwarzer und eine Helferin bereiten alles für ihren heutigen Einsatz vor. Sie wollen in der Nacht zwei Streunerkatzen einfangen. Dafür packen sie Katzenfutter, Fressschalen, Decken, eine Wildtierkamera und zwei große Lebendfallen ins Auto. Mit dem Equipment fahren sie in eine Industriestraße im Stadtosten von Regensburg.

"Wir fangen nicht wahllos ein"

Hier im Hafengebiet gibt es laut Percya viele Streunerkatzen, Hinweise darauf liefern Bilder auf ihrer Kamera. "Wir kriegen eine Info, wo eine Katze rumläuft und dann sichern wir uns erst einmal ab: Gehört die vielleicht in der Nachbarschaft irgendwo hin? Oder ist sie bekannt, ist sie nicht bekannt? Wie schaut die Katze aus?" Erst dann werden die Streuner angefüttert und ein nächtlicher Einsatz geplant, sagt Percya: "Wir fangen nicht wahllos ein, wir müssen uns schon absichern."

Ob es den Tierschützerinnen gelingt, eine Streunerkatze einzufangen, sehen Sie hier im Video:

Die Regensburger Tierschützerin will Streunerkatzen helfen.

Streuner sind nicht für Leben ohne Besitzer gemacht

Percya Schwarzer kümmert sich seit fünf Jahren um herrenlose Katzen in Regensburg. Etwa einmal in der Woche fängt die private Tierschützerin Streunerkatzen ein und sorgt dafür, dass sie kastriert und medizinisch versorgt werden. Denn Streunerkatzen vermehren sich schnell und sind nicht fürs Leben ohne Besitzer gemacht, sagt Percya: "Die gehören regelmäßig entwurmt, sie brauchen richtiges Futter und nicht einfach irgendwo eine Betonfläche, wo sie ums Leben kämpfen müssen."

Straßenkatzen oft krank

Streunerkatzen haben oft Krankheiten und Verletzungen, so Schwarzer. Das bestätigt auch eine Statistik des Deutschen Tierschutzbundes. Demnach sind 99 Prozent aller Straßenkatzen krank, jede zwanzigste sogar todkrank.

Für die Tierarztkosten muss Percya Schwarzer selbst aufkommen. Sie finanziert ihre private Streunerhilfe rein aus Spenden. Davon müssen neben den Kastrationen auch Futter und Medikamente bezahlt werden.

Viele Streuner offenbar im Regensburger Hafenbereich

Im Jahr 2022 schätzte der Deutsche Tierschutzbund die Zahl der Straßenkatzen in Bayern auf rund 300.000. Wie viele Streuner in Regensburg leben, lässt sich nicht eindeutig sagen. Nach Angaben der Stadt wurden zwischen 2020 und 2023 rund 280 Katzen aufgegriffen, die mit großer Wahrscheinlichkeit freilebend waren oder Verletzungen aufwiesen. Tierschützerin Schwarzer schätzt die Zahl an Streunern deutlich höher. Allein im Hafengebiet im Regensburger Osten sollen 200 bis 300 Straßenkatzen leben. Und es würden von Jahr zu Jahr mehr werden: "Es ist traurig, weil es einfach zu viele sind und es kümmert keinen", so Schwarzer.

Forderung: Registrierungs- und Kastrationspflicht

Auch Ariane Weckerle vom Regensburger Tierheim bemerkt die steigende Zahl an Streunerkatzen. Sie fordert deshalb die Einführung einer Registrierungs- und Kastrationspflicht für freilaufende Hauskatzen in Regensburg. Damit könnten die Besitzer von Fundkatzen schneller ermittelt und Streunerkatzen unbürokratischer kastriert werden. Dadurch würden sich die Katzen nicht mehr so schnell vermehren und das Streunerproblem würde kleiner werden, so Weckerle.

Katzenschutzverordnung könnte helfen

Für solch ein Vorhaben gibt es in Deutschland die sogenannte Katzenschutzverordnung, die eine Kennzeichnung, Registrierung und Kastrierung vorschreibt. Die Entscheidung, ob die Verordnung eingeführt wird, liegt in Bayern bei den jeweiligen Landkreisen und Städten. Laut dem Deutschen Tierschutzbund wurde bisher in rund 20 von etwa 2.300 Kommunen in Bayern die Katzenschutzverordnung mit einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht eingeführt. Davon gilt lediglich in etwa zehn Kommunen auch eine Kastrationspflicht.

Kastrations- und Registrierungspflicht in Regensburg möglich

Die Stadt Regensburg stehe einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht offen gegenüber, wie eine Sprecherin auf BR-Anfrage mitteilt. Am 1. April will sich der Umweltausschuss mit einer Rechtsverordnung zum Schutz von Katzen befassen. "Die Verordnung soll für das gesamte Stadtgebiet gelten und eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für alle im Stadtgebiet gehaltenen Katzen beinhalten", heißt es in der Mitteilung.

Dass eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht in Regensburg möglicherweise eingeführt wird, freut auch die Tierschützerin Percya Schwarzer: "Da bin ich richtig baff! Ich hoff, dass sich dadurch die Hürden und Rechtslagen für das Einfangen erleichtern. Dann können wir jetzt Vollgas geben."

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Quelle: BR24 vor Ort 01.04.2025 - 12:00 Uhr