Eine Asiatische Tigermücke.

Baden-Württemberg Stadt Kehl gibt Kampf gegen Tigermücke auf und setzt stattdessen auf die Bevölkerung

Stand: 31.03.2025 11:22 Uhr

Die Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke kostet Kommunen am Oberrhein viel Geld. Die Stadt Kehl zieht Konsequenzen und setzt nun auf die "Verantwortung der Bevölkerung".

Die badische Grenzstadt Kehl im Ortenaukreis sieht sich wegen hoher Kosten außerstande, die Asiatische Tigermücke weiter aufwendig zu bekämpfen. "Wir müssten eine Viertelmillion Euro nur für Kehl ausgeben, wenn wir das System so weitermachen würden", sagt der parteilose Oberbürgermeister Wolfram Britz. Stattdessen werden Bewohnerinnen und Bewohner in die Pflicht genommen: "Wir müssen auf die Verantwortung der Bevölkerung setzen." 

Bekämpfung von Tigermücke auf Privatgrundstücken in Kehl

Die Stadt hatte bisher die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage, kurz KABS, in Speyer beauftragt, gegen die aggressiven Insekten vorzugehen. Dafür flossen zuletzt 100.000 Euro. Wie die Aktionsgemeinschaft der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, sehen auch andere Kommunen am Oberrhein inzwischen davon ab, die nur etwa sechs Millimeter große Tigermücke auf Privatgrundstücken intensiv zu bekämpfen. 

Die immensen Kosten, die hierbei langfristig auftreten, seien der Hauptgrund, dass man einen Strategiewechsel hin zu mehr Bürgeraufklärung und Bürgermotivation einleite, wie die Stechmückenjäger aus Speyer berichteten. Namen einzelner Kommunen über Kehl hinaus wurden nicht genannt. 

Dengue-Fieber und Zika-Virus: Tigermücke kann Krankheiten übertragen

Die ursprünglich aus Asien stammende Tigermücke gilt als potenzieller Krankheitsüberträger. Sie kann das Dengue-, Zika- und Chikungunya-Virus übertragen. Das Insekt ist - anders als dämmerungsaktive Stechmücken - tagaktiv und gilt in seinem Stechverhalten als sehr aggressiv. 

Erste Populationen der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) wurden in Baden-Württemberg vor zehn Jahren nachgewiesen. Seitdem hat sich die Mücke vor allem entlang des Oberrheingrabens, aber auch anderorts ausgebreitet. In der KABS - einem eingetragenen und als gemeinnützig anerkannten Verein - sind Kommunen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen zusammengeschlossen.

Die Arbeit der Experten ist aufwendig: Am Boden kämpfen sie sich oft durchs Dickicht, aber viele Brutstätten können nur aus der Luft bekämpft werden. Vom Helikopter aus verteilt die KABS dann den biologischen Wirkstoff Bti, der Larven tötet.

Kehl: "Vollständige Eliminierung" der asiatischen Tigermücke nicht mehr realistisch

"Die vollständige Eliminierung der Tigermücken-Population in Kehl ist nicht mehr realistisch", resümierte die Stadt. Die Nachbar-Kommune von Straßburg ist damit nicht alleine. "Da die Tigermücken-Populationen wachsen, bedeutet das eine größere Fläche für Maßnahmen sowie mehr Personal und höhere Kosten für Kommunen", berichtete die KABS. Das Ziel einer Ausrottung am Oberrhein könne deshalb nicht mehr verfolgt werden. 

Nach Einschätzung der KABS hat sich die Tigermücke massiv in der Großregion ausgebreitet. Es sei dennoch wichtig, einzelne Populationen zu reduzieren, um das Gesundheitsrisiko zu reduzieren. "Trotz der Tatsache, dass die KABS ein gemeinnütziger Verein ist und keine Gewinne erzielt, sind die Kosten für Kommunen mit sehr ausgedehnten Tigermücken-Populationen wie etwa in Kehl schwer zu finanzieren", teilte der Verein mit. Zu Kehl hieß es: "Den Abbruch der Bekämpfung auf mangelndes Personal zu schieben, ist falsch."

Wie die Bevölkerung in Kehl mithelfen kann

In Kehl und woanders werden Menschen gebeten, gegen das Insekt etwas zu tun. Dazu gehört etwa, kein Wasser in der Gießkanne zu lassen und die Regenwassertonne mit einer Bti-Tablette zu behandeln. Die Tigermücke hat fünf weiße Streifen an den Hinterbeinen.

Sie vermehrt sich in Wasseransammlungen - von der verstopften Regenrinne bis zum alten Autoreifen. Die Mückenart breitet sich auch im benachbarten Frankreich aus. In der Straßburger Region wurde sie vor gut zehn Jahren zum ersten Mal gesichtet. Inzwischen sind 33 Gemeinden des Großraums Straßburg betroffen, wie die Stadt berichtete.

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