Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, antwortet im Landtag bei einer Pressekonferenz auf Fragen von Journalisten.

Baden-Württemberg Debatte um "Nazi-Parole": Kretschmann nennt Vorwurf gegen Hagel "abwegig"

Stand: 01.04.2025 13:45 Uhr

Wegen einer auch von Rechtsextremen benutzten Aussage attackiert die Linke CDU-Landeschef Manuel Hagel. Ministerpräsident Winfried Kretschmann nimmt den Christdemokraten in Schutz.

"Umweltschutz ist Heimatschutz": Wegen dieser Aussage steht CDU-Landeschef Manuel Hagel in der Kritik. Bei der Feier seiner Spitzenkandidatur für die BW-Landtagswahl 2026 in seiner Heimatstadt Ehingen (Alb-Donau-Kreis) sagte Hagel diesen Satz. Der sei eine "traditionsreiche Nazi-Parole", so der stellvertretende BW-Landessprecher der Linken, Luigi Pantisano. Er forderte Hagels Rücktritt. Nun hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) Hagel in Schutz genommen. Kretschmann sagte am Dienstag in Stuttgart, er halte die Debatte für "schlichtweg abwegig".

Kretschmann: "Heimat" durch die Verfassung "geadelt"

Dass die Nationalsozialisten "oder heute rechte Parteien" den Heimatbegriff schwer missbrauchten, könne man nicht in Frage stellen, so Kretschmann. Aber zu kritisieren, dass demokratische Politiker Umweltschutz und Heimatschutz miteinander verbinden, sei ein konstruierter und perfider Vorwurf.

Zudem sei das Wort "Heimat" durch die Landesverfassung "geadelt". Kretschmann zitierte Artikel 2: "Das Volk von Baden-Württemberg bekennt sich darüber hinaus zu dem unveräußerlichen Menschenrecht auf die Heimat." Deswegen dürfe man die Heimat auch schützen. Wenn etwa "die Wälder in Deutschland nicht mehr existieren, dann ist es ein wirklicher Heimatverlust". Daher könne man diese Verbindung herstellen, meinte Kretschmann. Andererseits müsse man auch nicht jede Umweltmaßnahme - etwa dafür zu sorgen, dass ein Bach sauberer wird - "gleich irgendwie überhöhen".

Experten sprechen von rechtsextremer Aussage

"Umweltschutz ist Heimatschutz" wurde in der Vergangenheit unter anderem von NPD-Politikerinnen und -Politikern genutzt. Es handle sich um eine "gängige Formel heutiger Rechtsextremisten", heißt es bei der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus. Luigi Pantisano von der Linkspartei hatte Manuel Hagel daher vorgeworfen, für das Amt des Ministerpräsidenten nicht geeignet zu sein.

Die CDU nannte die Rücktrittsforderung Pantisanos ein "durchschaubares Wahlkampfmanöver". Der Grüne Kretschmann sprang seinem Koalitionspartner zur Seite: "Ich weiß nicht, was Leute umtreibt, die anderen solche abstrusen Vorwürfe machen."

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