
Baden-Württemberg Bäckerei-Sharing in Freiburg-St. Georgen: Wie sich zwei Bäcker ein Geschäft teilen
Früh aufstehen, nachts backen und das die ganze Woche lang, darauf hatten diese beiden Bäcker keine Lust. Sie haben sich für ihre Bäckerei ein neues Konzept einfallen lassen.
Als Doppelpack im "Doppelback" haben sie sich ihren Traum erfüllt. Die beiden Bäcker Kai Kolacek und Patrick Spitz teilen sich seit Anfang des Jahres in Freiburg-St. Georgen eine Backstube. Es ist bereits 10 Uhr morgens, als die Bäckerei "Doppelback" in Freiburg-St. Georgen ihre Türen öffnet. Je nach Wochentag treffen die Kundinnen und Kunden dort einen anderen Bäcker an.
Bäckerei geht andere Wege: Transparenz und Produkte aus der Region Freiburg
Immer montags und mittwochs knetet Patrick Spitz Sauerteigbrote und süße Teilchen, an den Freitagen und Samstagen ist es Kollege Kai Kolacek. Selbst wer die Aufteilung nicht kennt, kann sehen, wer für sie knetet und backt. Denn die Backstube befindet sich direkt im Verkaufsraum, abgetrennt durch eine Plexiglasscheibe.
"Es ist nicht anonym, sondern man kriegt direktes Feedback. Was war gut, was war nicht so gut. Das macht Spaß und ist irgendwie sehr wertvoll", erzählt Kolacek. Die Kundinnen und Kunden können dabei zuschauen, wie ihre Backwaren hergestellt werden. Die Zutaten dafür kommen, wo es möglich ist, aus der Region.
Wir haben hier Sonne, wir sehen, wer kommt und wer kauft denn eigentlich unsere Produkte? Bäcker Kai Kolacek von Doppelback
Wechselndes Angebot - Je nach Bäcker gibt es unterschiedliches Sortiment
Kolaceks Spezialität sind Zimt-Hefeschnecken. Das "Doppelback"-Sauerteigbrot, die des ehemaligen Sozialpädagogen Patrick Spitz und gleichzeitig Namensgeber der Bäckerei. Mit den wechselnden Bäckern wechselt auch das Angebot in der Auslage. Denn jeder entscheidet selbst, was in den Ofen kommt.
Selbst die Kundinnen und Kunden haben darauf keinen Einfluss. "Es ist immer ein bisschen Abwechslung drin, also wir kriegen montags nicht dieselben Sachen, die wir freitags kriegen, also immer mal wieder eine Überraschung, was es gerade gibt", berichtet Kundin Hanna Basche über ihre Erfahrung mit der Bäckerei.

Das Bäcker-Doppelpack hat mit dem "Doppelback" einen Weg gefunden, den Bäckerberuf familienfreundlich zu betreiben.
Arbeitszeiten angepasst: Beruf als Bäcker wieder attraktiv machen
Kai Kolacek ist gelernter Bäckermeister. Auf einen Arbeitstag, wie ihn viele seiner Kolleginnen und Kollegen in den Backstuben haben, hatten er und sein Geschäftspartner aber keine Lust. "Also diese Balance zwischen: Klar, ich bin selbstständig und es ist viel Arbeit, aber ich muss halt nicht sieben Tage die Woche hier stehen und hab gar keine Freizeit mehr. Wir teilen es uns und klar, da steht jetzt nächstes Jahr nicht ein Porsche vor der Türe, aber irgendwie kommt man damit zurecht." Ihr Konzept mit annehmbaren Arbeitszeiten soll auch junge Menschen für den Bäckerberuf begeistern.
Die Idee, das Brot, das man abends verspeist, schon am Morgen kaufen zu müssen. Das ist ja nicht im Sinne der menschlichen Natur, sondern im Grunde Wirtschaftsprozessen geschuldet. Patrick Stein, Bäcker bei Doppelback
Deswegen werde bei Doppelback auch ganz bewusst tagsüber gebacken. Dadurch könne Stein beispielsweise morgens seine Kinder zur Schule verabschieden. "Gerade Bäcker, die ja sehr familien- und freizeitunfreundliche Arbeitszeiten haben, für die finde ich das sinnvoll. Und wenn es dann wieder Bäckereien gibt, die dadurch von den Ketten weg sind, dann ist das ja für den Verbraucher, glaube ich, ein Vorteil", weiß Kunde Martin Fitterer das neue Konzept zu schätzen. Un das auch dann, wenn es in der Auslage von Doppelback vielleicht nicht so viel Auswahl gibt wie sonst bei anderen Bäckereifilialen.
Sendung am Fr., 4.4.2025 18:15 Uhr, Landesschau Baden-Württemberg, SWR BW