
Neue Kriminalstatistik Weniger Straftaten - und trotzdem Anlass zur Sorge
Bundesinnenministerin Faeser hat die Kriminalstatistik für das Jahr 2024 vorgestellt. Die Statistik zeigt einen Rückgang der Gesamtkriminalität. Doch bei Gewaltdelikten gibt es eine besorgniserregende Entwicklung.
Erneut angestiegen ist im vergangenen Jahr laut der Polizeilichen Kriminalstatistik die Gewaltkriminalität - Taten wie Vergewaltigungen, Raub, schwere Körperverletzungen und Tötungsdelikte. Hier gab es eine Zunahme um 1,5 Prozent auf rund 217.000 Fälle - ein neuer Höchststand seit 2007. Besorgniserregend nennt das die geschäftsführende Innenministerin Nancy Faeser von der SPD.
"Jeden Tag verzeichnet die Polizei rund 600 Gewaltdelikte", sagt sie. Für besonders alarmierend hält Faeser hier den Anstieg tatverdächtiger Kinder und Jugendlicher.
Zu den möglichen Ursachen äußert sich der Präsident des Bundeskriminalamts Holger Münch: "Wir haben Hinweise aus anderen Daten, dass die psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen zunehmen, zugenommen haben, insbesondere im Vergleich zur Zeit vor der Covid-19-Pandemie." Wenn andere ungünstige Faktoren hinzukämen, könnten solche psychischen Belastungen die Wahrscheinlichkeit der Begehung von Straftaten erhöhen, sagt er.
Mehr Gewalt gegen Frauen
Mit Sorge blickt die Bundesinnenministerin auch auf die gestiegene Gewalt gegen Frauen. Die Zahl der Vergewaltigungen, sexueller Nötigungen und sexueller Übergriffe ist um mehr als neun Prozent gestiegen. Faeser fordert weitere Konsequenzen: "Wir brauchen ein stärkeres Schutz- und Hilfesystem für Frauen. Wir brauchen aber auch eine effektive Strafverfolgung der Täter. Und wir brauchen endlich die elektronische Fußfessel, damit sich Täter bedrohten Frauen nicht mehr unbemerkt nähern können."
Erstmals gibt es zuverlässige Daten zu Messerangriffen. Im letzten Jahr wurden über 15.000 registriert. Das entspricht mehr als sieben Prozent der Gewaltverbrechen insgesamt.
Handel mit Kokain nimmt zu
Zugenommen hat im letzten Jahr der Handel mit Kokain und synthetischen Drogen. Die nun vorgestellte Statistik erfasst nur das Hellfeld, also der Polizei bekanntgewordene Straftaten, während das Dunkelfeld unentdeckter Taten verborgen bleibt.
Das Zahlenwerk macht auch Angaben zu den Tatverdächtigen. Lässt man ausländerrechtliche Verstöße unberücksichtigt, die nur von nichtdeutschen Personen begangen werden können, dann hat über ein Drittel der Verdächtigen keine deutsche Staatsbürgerschaft: "Darüber muss man reden, ohne Scheu, aber auch ohne Ressentiments zu schüren", sagt Faeser. Die Innenministerin macht klar: es gehe nicht nur um konsequente Strafverfolgung, sondern auch um konsequente Abschiebungen.
5,8 Millionen Straftaten registriert
Den Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Bremens Innensenator Ulrich Mäurer, treibt um, wie potenzielle Täter unter Migranten leichter erkannt werden können - durch bessere Zusammenarbeit von Gesundheits-, Ausländer - und Meldebehörden: "Dass wir im Vorfeld reagieren, um zu schauen, welche Person sich so entwickelt, dass sie zu einem Gefährder werden kann."
Insgesamt wurden 2024 über 5,8 Millionen Straftaten registriert - 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Doch dieser Rückgang erklärt sich vor allem durch die Teillegalisierung von Cannabis. Rechnet man die mit Cannabis-Anbau und -Besitz verbundenen Straftaten raus, liegt das letzte Jahr auf dem Niveau von 2023. Das könne nicht beruhigen, sagt die Innenministerin.