
Amsterdam Juristischer Streit um Holocaust-Mahnmal
In Amsterdam wehrt sich eine Gruppe Anwohner gegen ein geplantes Holocaust-Denkmal des US-Stararchitekten Libeskind. Es ist bereits der zweite Standort, gegen den Einwände erhoben wurden.
Ein 400 Meter langes Labyrinth aus roten Backsteinmauern. 102.000 Steine. In jeden ist der Name eines niederländischen Holocaust-Opfers eingemeißelt. Das Modell des amerikanischen Künstlers Daniel Libeskind sei beeindruckend, findet Jacques Grishaver, der Vorsitzende des niederländischen Auschwitz-Komitees: "Wenn Sie durch dieses Monument gehen und sie sehen diese 102.000 Steine mit Namen, dann spüren Sie erst mal das Ausmaß des Ganzen."
Als Anfang des Jahres die Stadt anrücken wollte, um für den Bau des Denkmals 24 Bäume in der Weesperstraat zu fällen, gelang es einigen Anwohnern, das Projekt per einstweiliger Verfügung zu stoppen. Sie hätten nichts gegen ein Holocaust-Mahnmal, betonen die Kritiker. Doch mit fast 15 Millionen Euro Kosten sei der Libeskind-Entwurf viel zu teuer und zu wuchtig für den schmalen Grünstreifen, auf dem das Namen-Labyrinth entstehen soll.
Dies sei ein sehr großes Denkmal, das fast die gesamte Fläche ausfülle, argumentieren die Anwohner. "Die Stadt hat nicht bedacht, dass du so ein Monument nicht einfach mal so wie ein UFO in ein Wohngebiet setzen kannst - ohne über die Konsequenzen nachzudenken." Es habe keine Modelle, keine Zeichnungen, keine Diskussion gegeben. "Die Politik hat nie mit uns darüber gesprochen."

Der US-Stararchitekt Daniel Libeskind entwarf das Denkmal.
Kein Verständnis für Kritik
Es ist bereits der zweite Standort, gegen den die Amsterdamer Einwände haben. Doch Jacques Grishaver hat nicht das geringste Verständnis für die Argumente der Bewohner im ehemaligen Jüdischen Viertel der Stadt. "Ich finde das Modell hervorragend. Ich kann auch nicht begreifen, dass so ein kleines Grüppchen von Leuten dagegen ist. Die sagen: wir wollen nicht aus unserem Fenster auf eine Touristenattraktion schauen. Ich finde nicht, dass das eine Attraktion ist."
Die Gegner des Entwurfs ärgern sich darüber, dass sie von den Initiatoren des Monuments in eine antisemitische Ecke gedrängt werden. In einem Zeitungsinterview hatte Libeskind die Projekt-Kritiker indirekt mit Holocaustleugnern verglichen.
Keine sachliche Debatte
Der Star-Architekt mit polnisch-jüdischen Wurzeln ist von seinem Entwurf und dem Standort überzeugt. Wo das Denkmal entstehen soll, hätten mal 178 jüdische Familien gelebt, sagt er. "Es ist genau der richtige Platz, und es ist an der Zeit, dieses Denkmal zu bauen. Wir reden hier nicht über Bäume oder Hunde. Wir reden über den Holocaust. Ein Verbrechen, bei dem Millionen Menschen ermordet wurden - auch hier in dieser Stadt und in diesem Land."
Der Streit um das Holocaust-Monument wird längst nicht mehr sachlich, sondern sehr emotional geführt. Nun sollen Amsterdamer Richter entscheiden, ob das Projekt doch noch umgesetzt werden kann.