
Lazarett in der Ostukraine Lebensretter unter der Erde
In einem unterirdischen Lazarett im Osten der Ukraine versuchen Mediziner, das Leben von Soldaten zu retten. Doch wegen der Drohnenangriffe sind Bergung und Transport immer schwieriger geworden.
Es ist häufig langes Warten auf Verwundete. Hier im unterirdischen Feldlazarett im Osten der Ukraine, dessen genauer Standort geheim bleiben soll, wollen sie das Leben verletzter Soldaten retten. Meistens würden sie in der Nacht eingeliefert, erklärt Oleh, einer der Ärzte.
Doch in dieser Nacht ist es ruhig. Nur ein Dämmerlicht leuchtet auf den Fluren, entfernt im Hintergrund ist das Wummern von Bomben und Artillerie zu hören. Viele der Sanitäter und Chirurgen schlafen.
Das Problem sei, erzählt Oleh, dass die Evakuierung der Verwundeten ziemlich lange dauert. Es sei schwer, sie hierher zu bringen: "Das dauert in der Regel nicht ein, zwei oder drei Stunden, sondern oft mehrere Tage oder sogar Wochen."
Denn ständig würden Drohnen angreifen und es gebe keine Möglichkeit, die Soldaten "angemessen" zu evakuieren.

Die Arbeit in einem unterirdischen Lazarett bringt manchmal auch Phasen der Ruhe mit sich - der Transport verwunderter Soldaten ist schwieriger geworden.
Eine Arbeit ohne Vorhersehbarkeit
Oleh ist freiwillig hier. Der 45-Jährige arbeitet normalerweise als Arzt in einem zivilen Krankenhaus. Dort sei es ruhiger, sagt Oleh, die Versorgung erfolge in der Regel nach Plan. "Hier aber muss die Hilfe plötzlich erfolgen, alles muss schnell gehen."
Immerhin: In dem unterirdischen Lazarett gebe es alles, um einem Verletzten schnell und hochwertig zu helfen, ihn zu stabilisieren und weiter zur nächsten Evakuierungsstufe zu schicken.

Die Ukraine hat ihre Schutzmaßnahmen in drei Jahren Verteidigungskrieg massiv ausgebaut - hier schaut sich Präsident Selenskyj ein unterirdisches Lazarett an.
Notoperation morgens um sechs
Und dann muss es plötzlich doch ganz schnell gehen. Ein Soldat wird eingeliefert. Es ist sechs Uhr morgens, und der Mann auf der Bahre, der einzige, der es in dieser Nacht vom Schlachtfeld hierher geschafft hat.
Der Mann hat Wunden am Kopf, Hals, an den Beinen und am Arm. Eine Drohne hat ihn aus der Luft mit einer Sprengladung angegriffen.
Jetzt arbeiten etwa zehn Ärzte konzentriert, aber mit müden Augen am nackten Körper des Mannes. Sedieren den Soldaten, entfernen Granatsplitter, stoppen Blutungen.
Anästhesist Oleksandr atmet sichtlich auf, als es dem Team gelingt, den Schwerverletzten zu stabilisieren. "Genau für solche Momente bin ich Anästhesist geworden. Es gibt mir Kraft - jedes Mal wenn wir Schwerverletzte haben und es gelingt, sie gut zu behandeln."
Häufig, berichtet Oleksandr, würden Patienten mit starken Verletzungen eingeliefert, die fast nicht mehr zu retten sind. Das sei nur schwer zu ertragen. "Aber wir halten wegen solcher Fälle durch, wo wir viel ausrichten können. Das fühlt sich einfach nur gut an."

Betten für die Verletzten sind in den unterirdischen Lazeretten manchmal reichlich vorhanden - aber niemand weiß, wann die nächsten Verwundeten eingeliefert werden.
Die Drohnen verändern den Krieg
Knapp etwas mehr als eine Stunde dauert die Behandlung im Lazarett. Oleksandr und ein Kollege bringen den Soldaten dann weiter ins nächstgelegenen Krankenhaus.
Der Mann habe trotz schwerer Kopfverletzung gute Heilungschancen, meint Oleksandr. Auch weil in seinem Fall die Evakuierung vom Schlachtfeld nur wenige Stunden gedauert hat. Aber das sei inzwischen oft eine Ausnahme, erklärt Arzt Oleksij.
"Wenn wir die Situation mit 2022 vergleichen, dann haben wir nicht mehr so viele Verwundete. Das liegt an den Drohnen. Jetzt kann man nicht nur an der Front verwundet werden, sondern auch während der Evakuierung."