
Nachfolger für Franziskus Kommt der nächste Papst aus Afrika?
Seit der Neuzeit gab es keinen afrikanischen Papst. Doch mit Blick auf die steigende Zahl der Katholiken in Afrika wird nun darüber spekuliert. Mehrere konservative Kardinäle sind im Gespräch.
Volle Kirchen, tiefer Glaube: Die katholische Kirche ist in vielen Ländern Afrikas verwurzelt. Menschen finden Halt im Glauben, sehen darin eine Hoffnung für ihren oft schwierigen Alltag.
Laut Vatikan steigen die Zahlen der katholischen Gläubigen auf dem Kontinent. Mittlerweile komme jeder fünfte Katholik auf der Welt aus Afrika. Doch seit der Neuzeit gab es keinen afrikanischen Papst mehr.
50 Millionen Katholiken im Kongo
Ein möglicher Kandidat: Kardinal Fridolin Ambongo Besungu. 65 Jahre, Erzbischof von Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. In dem Land leben die meisten Katholiken Afrikas - etwa die Hälfte der rund 100 Millionen Einwohner sind gläubige Katholiken.
Kardinal Besungu gilt als konservativ, zum Beispiel was die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare betrifft. Er gilt aber auch als politischer Kopf, als regierungskritisch. Die Staatsanwaltschaft warf ihm aufrührerische Äußerungen in Predigten vor. Besungu hatte unter anderem eine schlechte Regierungsführung angeprangert sowie Missmanagement der Regierung von Präsident Felix Tshisekedi.

Kardinal Fridolin Ambongo Besungu
Ein anderer Kandidat kommt aus Ghana
Ein weiterer Kandidat: Kardinal Peter Turkson, 76 Jahre, aus Ghana in Westafrika. Turkson kennt sich bestens im Vatikan aus, in den er vor 15 Jahren berufen wurde. Seit 2022 arbeitet er als Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften.
Auch Kardinal Turkson gilt als Konservativer. In der Vergangenheit hatte er sich wiederholt abfällig über Schwule und Lesben geäußert. In jüngsten Interviews dagegen gab sich Turkson moderater: Homosexuelle Menschen sollten nicht kriminalisiert werden, "da sie kein Verbrechen begangen hätten". Allerdings seien gleichgeschlechtliche Beziehungen nach Ansicht der katholischen Kirche noch immer eine "Sünde".

Kardinal Peter Turkson
Der Wunschkandidat der Konservativen
Und dann gibt es noch einen Wunschkandidaten der Konservativen: Kardinal Robert Sarah. Er ist 79 Jahre und kommt aus Guinea in Westafrika. Sarah hat eine steile Karriere in der katholischen Kirchen absolviert. Im Alter von 34 Jahren wurde er zum Erzbischof von Conakry, der Hauptstadt von Guinea. Damit wurde er der jüngste Bischof der Welt.
Viele Jahre stand Robert Sarah an der Spitze der vatikanischen Gottesdienstbehörde. Er gilt als Anhänger jahrhundertealter kirchlicher Traditionen. Seiner Ansicht nach untergraben Abtreibungen, Pornografie und eine Gleichstellung der Geschlechter die christlichen Grundlagen der westlichen Zivilisation. Auch Sarah lehnt die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ab. Beobachter fürchten, dass mit einer Wahl von Sarah zum neuen Papst Reformbemühungen in der katholischen Kirche ein Ende haben könnten.

Kardinal Robert Sarah
Ein Papst aus Afrika - das würde der katholischen Kirche auf dem afrikanischen Kontinent deutlich mehr Einfluss verschaffen. Und katholische Christen würden sich mehr wahrgenommen fühlen mit ihren Anliegen. Deshalb hoffen viele Katholiken auf dem Kontinent, dass der nächste Papst einer von ihnen sein wird.