US-Außenminister Marco Rubio
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NATO-Treffen in Brüssel Die Tragik des Marco Rubio

Stand: 03.04.2025 06:29 Uhr

US-Außenminister Rubio nimmt heute erstmals an einem Treffen mit seinen NATO-Amtskollegen teil. Hoffnungen in ihn haben sich bisher kaum erfüllt. Auch nach Brüssel wird Rubio vor allem Trump-Forderungen mitbringen.

Von Ralf Borchard, ARD Washington

Es gab schon US-Außenminister, die selbst Weltpolitik gestaltet haben, die Präsidenten Richtungsentscheidungen vorgeben konnten: Henry Kissinger etwa, der erst als Sicherheitsberater, dann Außenminister gleich zwei Präsidentschaften prägte: die von Richard Nixon und Gerald Ford. 

Marco Rubio gehört als Außenminister unter Donald Trump eher nicht in diese Kategorie - so viel lässt sich schon nach gut zwei Monaten im Amt sagen. Rubio hat zwar viel außenpolitische Erfahrung als Senator mitgebracht, doch seine aktuelle Funktionsbeschreibung klingt so: "Der Job des US-Außenministers ist es, die Politik umzusetzen, die der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten vorgibt."

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tagesschau, 03.04.2025 14:00 Uhr

Auf wichtige Missionen geht ein anderer

Rubio, das haben die ersten Wochen im Amt gezeigt, ist vor allem eins: Diener seines Herrn. Wenn er überhaupt selbst agieren darf. Als Vermittler zwischen Israel und den Palästinensern hat Trump von Anfang an seinen Nahost-Sondergesandten Steve Witkoff vorgesehen. Auf die aus Trumps Sicht wichtigste Mission, zu Gesprächen mit Wladimir Putin in Moskau, schickte der Präsident nicht etwa Rubio, sondern ebenfalls Witkoff, seinen alten Vertrauten und Geschäftspartner aus New Yorker Immobilien-Zeiten.

Rubio war als Senator früher ausdrücklich russlandkritisch, argumentierte für die militärische Unterstützung der Ukraine. Als Trump und Vizepräsident JD Vance in der berüchtigten Szene im Weißen Haus den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj demütigten, schien Rubio auf dem Sofa im Oval Office neben Vance vor Scham fast in den Kissen zu versinken. Er litt offenbar mit Selenskyj und spürte: Hier vollzieht sich endgültig ein Richtungswechsel entgegen seiner eigenen Überzeugung - weg von Kiew, hin zu Moskau.

Trump verspottete ihn als "kleinen Marco"

Inzwischen klingt Rubio in Sachen Ukraine-Krieg eher so: "Wie kann dieser Krieg enden? Der einzige Weg ist, Wladimir Putin an den Verhandlungstisch zu bringen. Und Präsident Trump ist der einzige Mensch auf der Welt, der ihn an den Tisch bringen kann - um herauszufinden, zu welchen Bedingungen er bereit ist, den Krieg zu beenden."

Zur Tragik des Marco Rubio gehört auch die persönliche Vergangenheit, die ihn mit Donald Trump verbindet. 2016 trat Rubio im Vorwahlkampf kurzzeitig gegen Trump als Präsidentschaftsbewerber der Republikaner an. Trump verspottete ihn damals als "kleinen Marco". 

Einst nannte Rubio Trumps Politik "gefährlich"

Acht Jahre später waren sie zwar Verbündete, Trump holte den Sohn kubanischer Einwanderer im Wahlkampf mit auf die Bühne. Doch möglich war das nur, weil Rubio einen Wandel durchgemacht hat, der exemplarisch ist für die gesamte republikanische Partei. Einst hat Rubio Trumps Politik als "gefährlich" kritisiert, heute verteidigt er ihn mit den Worten, Trump gehe die Dinge eben "nicht wie ein traditioneller Politiker oder Diplomat an, sondern wie jemand, der aus der Wirtschaft kommt".

Für die übrigen NATO-Außenminister heißt das: Sie können zwar nicht darauf hoffen, dass Rubio Trump in ihrem Sinne maßgeblich beeinflusst. Aber sie müssen darauf hoffen, dass Rubio ihnen wenigstens ansatzweise erklärt, was Trump wirklich will, ob er die Ukraine als souveränen Staat verteidigen, ob er die NATO als Bündnis insgesamt erhalten will - und wenn ja, unter welchen Bedingungen. 

Auch Rubio will mehr Geld aus Europa

Eine Forderung wird Rubio in jedem Fall nach Brüssel mitbringen: Die Europäer sollen mehr Geld für Verteidigung ausgeben, deutlich mehr Geld. "Unsere NATO-Partner - das sind reiche, fortgeschrittene Volkswirtschaften - müssen mehr tun für die eigene Verteidigung und am Ende ebenso für die NATO-Partnerschaft", lautet einer von Rubios Kernsätzen. Ein anderer Standardsatz bezieht sich auf China. Das Land ist für Rubio "wirtschaftlicher Rivale, technologischer Rivale, geopolitischer Rivale".

In diesen zwei Forderungen gegenüber den Europäern - mehr Geld für Verteidigung, mehr kritische Distanz zu China - stimmt Rubio mit seinem Herrn und Meister Trump voll und ganz überein.

Ralf Borchard, ARD Washington, tagesschau, 02.04.2025 22:13 Uhr

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. April 2025 um 05:13 Uhr.